Wie lange darf ein Wettbewerb trotz widriger Umstände durchgeführt werden? Bis zum Ende? Bis der Erste verletzt wird? Entscheidungen zwischen akzeptablem Risiko und Unvernunft.
Gestern am 20.1.07 kam es im 2. Durchgang des Skispringens im polnischen Zakopane zu einem schweren Sturz des erst 21 jährigen Tschechen Jan Mazoch. Bei seinem Aufprall zog er sich eine schwere Schädelprellung und Gehirnerschütterung zu und liegt zur Zeit im künstlichen Koma.
Bereits im 1. Durchgang hatten einige Springer mit den teils heftigen Böen zu kämpfen. Immer wieder gab es Unterbrechungen und eine zeitlang war es sogar fraglich ob man einen 2. Durchgang starten würde. Schließlich sprach sich die Jury dann doch dafür aus.
Erneut mussten Springer den Balken verlassen und windbedingt warten. Die Sprünge waren allesamt wackelig und die Anspannung war den Athleten ins Gesicht geschrieben. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob ein solcher Unfall absehbar war und die Jury den 2. Durchgang hätte früher abbrechen müssen oder gar nicht erst hätte starten dürfen. Tatsache ist, dass selbst nach dem schweren Sturz von Mazoch noch vier weitere Springer runtergelassen wurden, bevor die Jury den Wettbewerb abbrach.
Richard Schallert, Trainer des verunglückten Tschechen, wirft der Jury Unvernunft vor. "Die Leute sollten vernünftiger sein. Mit fairem Sport hatte das nichts zu tun. Man wartet, bis der Rettungswagen mit Blaulicht wegfährt, und macht weiter. Das war eine traurige Geschichte und hat mich sehr enttäuscht". In einem Interview weist Renndirektor Walter Hofer solche Vorwürfe zurück."Es handelt sich um eine Freiluftsportart, bei der der Wind unberechenbar ist. Wir haben die Trainer vor dem 2. Durchgang gefragt, ob es weitergehen soll?. Jens Weißflog, ZDF Experte, wies während der heutigen Schaltung auch darauf hin, dass jeder Trainer das Recht hat seine Springer jederzeit vom Wettbewerb zurückzuziehen und fügte weiters hinzu, dass auch die Athleten selbst den Sprung verweigern können und sich über die Windverhältnisse vor Absprung informieren müssen.
Sicher kann man also sagen, dass die Jury hätte früher durchgreifen können. Aber man muss auch bedenken, dass, wenn die Verantwortlichen den 2. Durchgang früher abgebrochen oder nicht begonnen hätten, einige Trainer mit Sicherheit ebenfalls protestiert hätten. Deshalb sollten auch die Trainer von ihren Rechten Gebrauch machen und nicht einfach die gesamte Verantwortung an die Jury weitergeben.
Heute, 21.01.07, wurde das Weltcupspringen von vornherein abgesagt, da erneut zuviel Wind herrschte. Nach Aussagen einiger Skispringer, zeigten die angereisten Fans Verständnis.
Die Gute Nachricht des heutigen Tages beim Skisprung lautet, dass sich Jan Mazoch bei seinem Sturz nicht lebensgefährlich verletzt hat und Lähmungserscheinungen, nach ARD Teletext, von den Ärzten ausgeschlossen wurden. Bei Betracht der gestrigen Bildern, gleicht das fast einem Wunder.
Es bleibt zu hoffen, dass die nächsten Springen ohne weitere Zwischenfälle durchgeführt werden können.
#Florian Richter















