Mehr als ein Jahr ist es nun her, dass ich mich aufmachte um Brasilien kennen zu lernen und in Rio de Janeiro zu leben. Gedanken zu einer Rückkehr.
Lang, lang ist's her. Österreich hat mich wieder und auch in Salzburg City ward ich bereits gesehen. Meine letzten eineinhalb Monate in Rio waren schlicht vollgestopft bis obenhin mit Aktivitäten, Reisen und Treffen mit Freunden, sodass die Zeit nur so verflog. Wir besuchten die Kaiserstadt Petrópolis, 60 km im Norden von Rio, und machten einen Bootsausflug auf die Inseln vor dem Strand von Ipanema. So viel, was ich noch nicht gesehen und erlebt hatte. So viel, was ich noch ein letztes Mal sehen wollte. Lapa, den Botanischen Garten, die Casa da Matriz, den Parque Lage, den Hippiemarkt. Und den Strand natürlich. Ich heulte fast, als ich mich zum letzten Mal in den Bus setzte, um von Ipanema nach Haus zu fahren. "Scheiden tut weh", ich habe das uralte Schlagerlied im Kopf. Doch wie weh es tatsächlich tut und wie schlimm es erst in Österreich sein würde, war mir nicht klar.
Ich flog an einem Sonntag Abend, weshalb sich der Samstag natürlich für eine ernstzunehmende Abschiedsfete anbot. Ich hatte alle eingeladen, die mir in diesem Jahr wichtig geworden waren, die mich unterstützt hatten und für mich da gewesen waren. Ein bunter Haufen, der sang und tanzte, sich amüsierte. Als die ersten gingen, um noch die letzte Metrô zu erwischen, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich diese Menschen vielleicht nie wieder sehen würde. Wie das Leben so spielt, natürlich möchte ich gern wieder nach Rio, der Zauber der Cidade Maravilhosa hat mich in seinen Bann gezogen. Dennoch kann man nie mit Gewissheit sagen, was passieren wird. Es ist etwas anderes, von zu Hause fortzugehen und sich grundsätzlich sicher zu sein, dass man nach dieser Zeit im Ausland eben "nach Haus" kommt und alles so vorfindet, wie man es verlassen hat.
Es ist leichter, das Zuhause zu verlassen, das man von jeher kannte als weg zu gehen von dem Ort, der dir zu einem Zuhause geworden ist. Du musstest dir dein Leben erkämpfen, offen sein für Neues, deine Angst verlieren in einem Land, in dem du keine Menschenseele kanntest. Ein ganzes Leben gilt es aufzugeben, wenn die Zeit gekommen ist zu gehen. Nicht weil du so entschieden hast und gehen willst, sondern weil deine Zeit schlichtweg abgelaufen ist. Man stellt sich vor, ein Jahr sei so unendlich viel Zeit und letztendlich dauert es nur einen Augenblick. Vor einigen Tagen telefonierte ich mit einem ehemaligen Mitbewohner, der sein Studium nach einem Auslandsaufenthalt in Innsbruck fortgesetzt hat. Wir hatten ein paar Mal geskypt, als ich in Rio war, doch dass wir uns tatsächlich seit über eineinhalb Jahren nicht gesehen haben, wurde uns erst beim selbigem Telefonat bewusst.
Schon seltsam, wie schnell die Zeit vergeht, wie schnell ein Jahr vergehen kann. Nur eines meiner 24 Lebensjahre verbrachte ich in Brasilien, dennoch war es wohl das wichtigste meines Lebens. Unbezahlbare Eindrücke und Erfahrungen, die mich bis an mein Lebensende prägen und begleiten werden.
Jetzt bin ich also wieder da, es regnet und ist kalt, und ich wünsche mir die 35° des brasilianischen Sommers zurück. Ich habe den Kulturschock meines Lebens, und das in meinem eigenen Land. Es ist fürchterlich zu sehen, mit welchen Gesichtern wir durch die Straßen stapfen, als sei gerade etwas ganz Schreckliches passiert. Wir reden nicht miteinander, wir sind nicht freundlich. Sprich mit jemandem im Supermarkt und er wird sich fragen, ob du noch alle Tassen im Schrank hast. Es wurde mir in den letzten drei Wochen schmerzlich bewusst, dass an all den Vorurteilen gegenüber den unterkühlten Europäern doch etwas dran ist. Ich habe mich gewöhnt an die lateinamerikanische Herzlichkeit und Offenheit, die ich nun denkbar vermisse. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich tatsächlich "ankomme". Hoffentlich bald.
Doch nun warten erst einmal andere Abenteuer auf mich. Die Magisterarbeit will geschrieben werden, nachdem ich mein Material in recht mühseliger Überzeugungsarbeit zusammen getragen habe. Was danach kommt, kann keiner wissen. Vielleicht ein Berufspraktikum in Rio de Janeiro? Wenn ja, dann werdet ihr hoffentlich dabei sein.
#anita klingler
























ein uns fremdes land zu urteilen und dann hier die sogenannte österr.gastlichkeit, freundlichkeit, humor...
gegenübezustellen. ich wünsche daher alles erdenklich liebe und gute - wenn möglich wieder in diesem freundlichen land.
bei uns will man das co2 problem hochspielen und von allem wesentlichen ablenken, wenn man von co2 sünden spricht, sollte man doch den schwerverkehr d u r c h österrreich
stark besteuern , wenn eine steuer, dann die ganze welt,
also auch den asiatischen, amerik. und südamerikanischen
raum - ist dies nicht möglich, lebt man besser in einen fröhlichen land
ich wünsche alles liebe und gute
kopf hoch und durch, wenn die magisterarbeit geschrieben ist
Auch was das CO2-Ding angeht: schon gut, ist auf jeden Fall ein Problem, klar, und vor allem ein globales. Dafür kommen dir hier viele andere "Probleme", über die man sich aufregt, denkbar schwachsinnig vor. Die Erbschaftssteuer zum Beispiel. Klar, auch das ist wichtig und relevant für die Regierung und das Land und so weiter und so fort, aber das sind alles keine existenziellen Dinge. CO2 schon. Arme Menschen auch. Selbst Pinguine, die an der Copacabana stranden, weil sie die falsche Strömung erwischt haben. Das sind alles größere und wichtigere Dinge als die Diskussion um die Abschaffung oder Neuordnung der Erbschaftssteuer.
Trotzdem, probier das mit dem "Mit -anderen-reden-im-Supermarkt", du wirst sehen, die Leute zweifeln nicht an deinem Verstand, sondern freuen sich, die Mehrheit jedenfalls. Die Erfahrung mache ich nämlich schon, wenn ich einfach mit Fremden spreche. Wenn du selber gut drauf bist, sieht das jeder und wenn du dann lächelst, bekommst du auch fast immer in Lächeln zurück. Also, Kopf hoch und trag ein wenig südamerikanische Lebensfreude in unser oft stimmungsmäßig so tristes und verknöchertes Salzburg!!