FRITZ-logo
Salzburger Nachrichten
Wer's noch nicht gemerkt hat: FRITZ ist printmäßig auf wohlverdienter Sommerpause - ab Herbst starten wir wieder voll durch ...
Online geht's natürlich auch in den Ferien weiter ...

[ aktuelle moblogs ]


Erstellt am 17.03.08 16:54

Happy St. Patrick's Day!
[vor 165 Tagen von moblogger]

Erstellt am 11.03.08 16:34
nettes verlies in der festung

[vor 171 Tagen von moblogger]

Erstellt am 11.03.08 15:16
anemonenfisch aka clownfisch aka nemo


[vor 171 Tagen von moblogger]

Erstellt am 11.03.08 12:08
wow - salzburg von oben ist cool!

[vor 171 Tagen von moblogger]

Fotografiert am 07.12.07 22:32
das absolute hammerkonzert im rockhouse!

[vor 263 Tagen von moblogger]
Einfach ein MMS an 0676-800505505 senden - und schon wird dein Bild in diesem Weblog veröffentlicht.

[ Klingeltöne ]

Klingeltöne, Logos, Spiele und Videos für dein Handy.
[ jetzt kaufen ]
FRITZ-logo 
Rio Blog 2.11
vor 771 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, brasilien, polizei, reisen, rio, stories | Autor: anita

Bürokratische Hürden ohne Ende. Ich hab noch immer weder Matrikelnummer noch "Ausländerkarte".

Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Das durch und durch heimelige Gebäude der Polícia Federal.Liebe Leute, es ist mir ein Rätsel. Jeder, der nach Brasilien reist, um eine längere Zeit dort zu verbringen, hat sich bei der Polícia Federal anzumelden. Soweit, so normal. Die Schlange ebenderer Ausländer, welche sich anzumelden versuchen, ist absolut beeindruckend. Sollte einem das Unglück beschert werden, an mehreren Tagen wiederzukehren, dürfte man vermutlich auf die armen Würsteln treffen, die am Vortrag ?leider, leider? nicht mehr drangekommen sind und ihr Glück nun auf ein Neues versuchen.

Gewappnet mit einer Flasche Wasser und einem Buch ("O Diario de Bridget Jones") begab ich mich also vor rund dreieinhalb Monaten auf die Polícia Federal. Ich wartete und wartete und wartete, etwa vier Stunden lang. Ich habe irgendwann doch schon einmal über die Unfähigkeit der Brasilianer zum Multitasking berichtet. Die Unfähigkeit, Formulare richtig auszufüllen, ist allerdings noch beeindruckender. Ganz abgesehen davon, dass jeder, der sich polizeilich registrieren lässt, mit Fingerabdrücken und allem Drum & Dran gespeichert wird. So viel zur Paranoia der USA und dem gläsernen Menschen. Auch an anderen Orten der Welt ist die Registrierung mit Fingerabdruck offensichtlich normal.

Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Die meinerseits viel und lang gesuchte Praça Mauá
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Der alte Busbahnhof, in dem sich meine Helfer in der Not versteckten.
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Eliezer, der Mann in Blau, mein Lebensretter.
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Das durch und durch heimelige Gebäude der Polícia Federal.
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Eingangsschild des Palácio Itamaraty
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Heimelige Leere in den Gängen
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Statue, die Erste
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Statue, die Zweite (wenigstens amüsieren die sich auch nicht...)
Abenteuer polizeiliche Anmeldung - Damit die Touris (und ich) auch nicht am Palácio vorbeilaufen...

Als ich nach vier Stunden Wartezeit (ich wiederhole, vier Stunden Wartezeit) endlich an die Reihe kam, erklärte mir der Beamte, die netten Herren in der Botschaft in Wien hätten wohl einen Fehler gemacht bei der Ausstellung meines Visums. Ich konnte mich für einen Moment nicht entscheiden, ob ich losbrüllen, lachen oder weinen sollte. Irgendein Genie hatte wohl das falsche Pickerl auf das Visum geklebt, weshalb ich nun in eine Zweigstelle des Außenministeriums, den Palácio Itamaraty, gehen müsste um das Visum "gerade richten" (Übersetzung im Wörterbuch von "retificar") zu lassen. Meine Freude war dementsprechend groß. Als der Typ noch meinte, ich solle dort am nächsten Tag hingehen, weil heute hätten sie eh schon zu, das würde sich also nicht mehr ausgehen, gelang mir tatsächlich noch ein gequältes Grinsen. Ich knurrte ihm noch zu, dass ich am folgenden Tag sicher nicht mehr vier Stunden darauf warten würde, nicht registriert zu werden, und marschierte aus dem Gebäude.  

Wider Erwarten dauerte das "Geraderichten" meines Visums im zugegebenermaßen wirklich prächtigen Palácio Itamaraty nur eine Stunde. Ergebnis: Ein weiterer Stempel in meinem Pass und der Vermerk "leia-se (liest sich) R.N. 65/05". Na dann ist ja alles in Ordnung. Ich schlurfte also zurück zur Polícia Federal, bekam fast noch Probleme, weil ich den Namen meines Vaters mit ING. Gerhard Klingler angegeben hatte (großer Fehler!), musste lang und breit erklären, dass das kein Problem und auch kein Fehler war, durfte mir die Fingerabdrücke abnehmen lassen und wurde mit dem Hinweis entlassen, ich könnte in vier Monaten meine "Ausländerkarte" in der Polizeistation abholen. Wozu brauchen deren Computer vier Monate, um eine Karte auszuspucken? 

Morgen ist der Tag der Wahrheit nun endlich gekommen. Bereits vor zwei Wochen war ich zufällig in der Nähe der Praça Mauá und dachte, ich könnte mir meine Cartão de Estrangeiro vielleicht doch schon früher abholen. Fehlanzeige. Dafür soll die Änderung meiner Adresse auf der Karte (wegen meines erneuten Umzugs), laut meinem besten Freund dort kein Problem sein. Sein Wort in Cristos Ohr.

#anita klingler

PS: Nachsatz vom 18.06.2007: Diese großartige Ausländerkarte war natürlich bis zum Ende meines Aufenthalts nicht fertig. Aber das überraschte mich nicht mehr wirklich.

Rio Blog 2.10
vor 774 Tagen | Kommentare [2] | Tags: anita, dreharbeiten, reisen, rio, stories | Autor: anita

Schon einmal jemand richtig Berühmten getroffen und nicht gewusst, wer das ist? Bem-vindo ao clube! Anita aus Rio.

Kino zu Hause - Die Szene ist im Kasten!Es ist Samstag, 9.00 früh. Die Tür zu meinem Zimmer geht auf, "Opa, desculpa!" (Hoppala, Entschuldigung). Eine Stunde später dieselbe Prozedur. Die Tür geht auf, jemand Wildfremdes steckt seinen Kopf in mein Zimmer und entschuldigt sich für die Störung. Dieses Mal ist es mir zu viel und ich beschließe, den Aufenthalt in meinem kuschelig warmen Bett des Nächtens fortzusetzen. Erst einmal gilt es herauszufinden, was hier eigentlich los ist.

Als ich meine Zimmertür öffne, stolpere ich beinahe über einige dicke Kabel, die mir den Weg versperren. Zu meiner Rechten wächst ein zwei Meter hoher Scheinwerfer aus dem Boden, Seite an Seite mit einem Leiterwagerl, auf dem ein Kameragestell ruht. Langsam dämmert meinem schlaftrunkenen Hirn, dass Hausbesitzer Dag letzte Woche irgendetwas von Dreharbeiten gemurmelt hatte. Auf dem Weg in die Küche schwant mir bereits Übles. Das ganze Haus (und das Haus ist groß!!!) wimmelt nur so vor furchtbar wichtigen Menschen mit Headsets, Rucksäcken, Telefonen und Walky-Talkies. Die Küche gleicht einem Ameisenhaufen, emsige Helferlein beginnen schon jetzt damit, das Büffet für die mittägliche Raubtierfütterung aufzubauen. Langsam wird mir klar, dass es sich bei diesem Dreh wohl weniger um eine kleine No-name-Produktion handeln dürfte. Restlos überzeugt werde ich von dieser Tatsache, als mich mein Mitbewohner und Hausverwalter Carlos ganz aufgeregt fragt, ob ich mir denn nicht im Klaren sei, wer da gerade an mir vorbeirauschte. Genie, das ich bin, habe ich natürlich keine Ahnung.

Kino zu Hause - Dag und Mabele flüchten vom Set
Kino zu Hause - Die Vorbereitungen sind in vollem Gang
Kino zu Hause - Chaos total
Kino zu Hause - Der Eingang zum Spiritistentempel
Kino zu Hause - Mein Wohnzimmer als Filmset I
Kino zu Hause - Mein Wohnzimmer als Filmset II
Kino zu Hause - Mein Wohnzimmer als Filmset III
Kino zu Hause - Mein Wohnzimmer als Filmset IV
Kino zu Hause - Paulo Betti, Antônio Pedro und José Wilker beim Dreh

Der Film trägt den Titel "Casa da Mãe Joana", sein Regisseur ist niemand Geringerer als Hugo Carvana ("Vai trabalhar vagabundo", "Bar Esperança", "O Homem nu", und "Apolônio Brasil"), eine absolute Größe des brasilianischen Films. Die Komödie dreht sich um das Kleeblatt Vavá (Pedro Cardoso), Paulo Renato oder PR (Paulo Betti), Montanha (Antônio Pedro) und Juca (José Wilker), vier Freunde, die zusammen ein Mittelklasseappartement an der Copacabana bewohnen und die außer ihrer Sympathie für die Wohnungsgenossen nur die Liebe zum Feiern gemein haben. Finanziell am Boden und mit der Hypothek im Nacken, gilt es eine Lösung für die Miesere zu finden. Die Rechnung ist einfach: alle machen mit beim Überfall auf eine Bijouterie. Der Coup gelingt, doch Vavá verdünnisiert sich samt Beute und der Frau des Schmuckhändlers. Nun nützt alles nichts, es muss wieder gearbeitet werden, um das Apartment zu behalten. Der galante PR treibt es ein wenig zu toll, was in einem Fall zum wahrhaftig orgastischen Tod einer Gespielin ausartet, Montanha, seines Zeichens ein abgewrackter Schreiberling, entdeckt in seiner Whiskeyflasche den Geist einer Frau namens Dolores Sol (Juliana Paes), die ihm fortan als Muse dient, er allerdings lieber verführen würde und der hervorragende Koch Juca endet aus verschiedensten Gründen als persönlicher Begleiter eines Transvestiten. Zu allem Überdruss kündigen sich zwei neue Mitbewohnerinnen an: Jucas Tochter Tainacã (Fernanda de Freitas), die plötzlich mit ihrem Vater zusammen leben möchte, und Herly (Laura Cardoso), Mutter von PR, die aus dem Altersheim geflohen ist und die Todgeweihte mimt, um vom Sohn aufgenommen zu werden.

Die Raubtierfütterung ist unterdessen über die Bühne gegangen, ich habe die Gelegenheit natürlich beim Schopf gepackt. Die Szenen im Garten und auf der Straße sind abgedreht, jetzt geht es daran, im Spiritistenzentrum "Prazeres do Além" ("Jenseitige Freuden"; unser ehemaliges Wohnzimmer) die Inkorporation von vier verstorbenen Herren zu filmen, deren Witwen sich noch einmal mit ihren Ehemännern vergnügen möchten. Der ganze Raum ist in künstliches Tageslicht getaucht, das täuschend echt wirkt. Inzwischen habe ich mir die offizielle Erlaubnis eingeholt, beim Dreh dabei sein und fotografieren zu dürfen. Regisseur und Regieassistentin haben es sich mit ihrem Arbeitsgerät im Zimmer neben dem meinen bequem gemacht, aufgrund der lauten Kommentare "Atenção, lá vou eu, vou rodar." ("Achtung, ich fange an, wir drehen.") ist an Ruhe ohnehin nicht zu denken.

Die Szene ist dafür wirklich köstlich. Antônio Pedro vergisst beim Zuziehen des Vorhangs eine Windel, Paulo Betti ruckt und zuckt was das Zeug hält, als ob ihn wirklich eine jenseitige Macht erfasst hätte, José Wilker scheint beinah am Rauch seines charuto (Zigarre) zu ersticken, während Pedro Cardoso fast die überdimensionale Masche vom Kopf fällt. Die Szene muss einige Male wiederholt werden, bis Hugo Carvana mit der Arbeit zufrieden ist. Die Crew ist müde, viele sind bereits vor 6.00 aufgestanden, doch nach getaner Dreharbeit muss erst noch das Haus wieder in den Urzustand zurückversetzt werden.

Es ist noch immer Samstag, 20.00 abends. Der ganze Zirkus ist vorüber und es scheint, als hätte er niemals stattgefunden. Alles ist wieder mehr oder minder an seinem Platz, das Zentrum über- oder unterirdischer Begegnungen hat sich zurück in unser Wohnzimmer verwandelt. Was bleibt, ist ein eigenartig unwirkliches Gefühl und die Aussicht, das eigene Wohnzimmer vielleicht im Jänner noch im Kino erleben zu dürfen.

#anita klingler

Rio Blog 2.9
vor 786 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, fußball, reisen, rio, stories | Autor: anita

Die Fußball-WM ist beinah vorbei, nix war's mit einem Einzug Brasiliens ins Halbfinale. Dieses Faktum tut dem Nationalstolz allerdings keinen Abbruch. Anita aus Rio.

Aus der Traum vom Hexa-Campeão! Am vergangenen Samstag zerstörte die französische Mannschaft die Hoffnungen des brasilianischen Volkes. Die Niederlage in Frankfurt trübt die Fußballleidenschaft jedenfalls nur kurzfristig, konnte es doch nur "azar", also einzig und allein pures Pech sein, dass es diesmal nichts wurde mit dem Weltmeistertitel. Dann halt das nächste Mal. Chronik eines Fußballmonats.

Fußballbegeisterte dieser Welt, euer König ist Brasilianer und residiert in der Cidade Maravilhosa. Schon Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft verschönerten Tausende Freiwillige die Straßen Rios mit bunten Bändern und Zeichnungen, sogar Gehsteigbegrenzungen und Orelhões ("große Ohren", die brasilianischen Telefonzellen) erstrahlten in Grün-Gelb. Es wurde sogar ein Wettbewerb für die am schönsten geschmückte Straße ausgeschrieben; ob den tatsächlich jemand gewonnen hat, weiß allerdings keiner.

13. Juni 2006: Brasilien : Kroatien (Berlin)

Bereits auf dem Weg zur Uni wurde klar, dass dies kein Tag wie jeder anderer werden würde. Um halb 9 Uhr früh kämpfte ich mich mühevoll gegen den Strom aus grün-gelb gewandeten Menschen in Richtung Süden vor, wurde an der Ecke des Palácio do Catete beinah von einem fahnenschwingenden Brasilien-Shirt-Verkäufer umgeweht und musste doch leicht grinsen, als ich die "Verpackung" eines Hauses in der Rua Silveira Martins zu Gesicht bekam. Besonders während der Fußball-WM ist es wichtig, sich zu seinem Land zu bekennen. Dabei sind viele Brasilianer der Meinung, nicht in einem Land sondern mehr oder minder in einem eigenen Kontinent zu leben. "Es gibt nicht ein Brasilien, es gibt viele Brasiliens. Nur zur Weltmeisterschaft halten alle zusammen wie Pech und Schwefel.", meinte letztens auch mein Freund Califa, selbst in ein Shirt der Seleção brasileira gehüllt. In der Tat reichte die Palette von Brasilien-Shirts über Fahnen und Wimpel zu Hosen, Ketten, Armbändern, Haarspangen, Fingernägeln mit sorgfältig aufgemalter Flagge, Bikinis und gelb-grün gestreiften Wollmützen. Immerhin haben wir hier ja jetzt Winter, es hat untertags also durchschnittlich nur noch 25 Grad... Selbst Häuser (siehe Foto), Autos (siehe nächstes Foto) und Hunde schillern in den Landesfarben verpackt und werden bevorzugt mit einem Schild "Nicht zu verkaufen" zur Schau gestellt. Wenn schon, denn schon.

Zu meinem Glück fand das Spiel gegen Kroatien erst um 16.00 Ortszeit statt, ich hatte also genug Zeit, mich nach meinem Kurs noch seelisch auf die kommenden Strapazen vorzubereiten. Man sollte meinen, die Warnung meines Professors, zu Mittag sperrten alle Geschäfte zu, wäre ein Witz. Nein! Um 13.00 glich das Zentrum mehr oder minder einem Ameisenhaufen regster Betriebsamkeit. Geschäftsbesitzer und Verkäuferinnen lieferten sich einen heißen Wettkampf darin, die Läden so schnell wie möglich dicht zu machen, um rechtzeitig zu Beginn des Spiels an den Ort der Begierde zu gelangen. Angesichts des ernstzunehmenden Staus in der Innenstadt wohl kein schlechter Plan. Die einzig Tapferen, die sich nicht so schnell vertreiben ließen, waren die Brasilien-Shirt-Verkäufer im Mercado Popular Uruguaiana, die sich gegenseitig lautstark in ihren Preisen unterboten. Dies war die Geburtsstunde meines ersten Brasilien-Fußballshirts.

Meine ganze "galera" pilgerte ins "Alzirão", einer Straße in Tijuca, wo eine angeblich riesengroße Leinwand auf uns warten hätte sollen. Schon in der Metro schwante mir Übles. Ein kurzfristiger Erstickungsanfall nämlich. Dem Ruf waren offensichtlich noch einige wenige Tausend andere Menschen gefolgt. Wenigstens musste so niemand nach dem Weg fragen. Immer den gelb-grünen T-Shirts nach! Von der "riesigen" Leinwand bekamen letztlich allerdings nur die in den umliegenden Hochhäusern Wohnenden wirklich etwas mit, weshalb wir uns zur nächstgelegenen Bar mit Fernseher vorkämpften. Leider waren wir auch hier nicht die Einzigen mit dieser glorreichen Idee. Als sicheres Indiz für das erste brasilianische Tor konnte also nur das Geschrei der auf und ab hüpfenden Menschen rund um uns herum und der Sprühschaum auf unseren Gesichtern gewertet werden. Unsere Chance kam in Form der Halbzeit und wir nützten sie, um in den inneren Kreis rund um den Fernseher vorzustoßen. Die zweite Halbzeit enttäuschte spielerisch zwar ein wenig die Erwartungen (so gesehen hätten wir uns genauso gut auf das Geschrei der Umstehenden verlassen und einfach mithüpfen können), doch dafür entschädigten reichlich Bier, Zuckerwatte und frisch gebrannte Mandeln.

18. Juni 2006: Brasilien : Australien (München)

Das zweite Spiel verlief in meinem Falle etwas weniger aufregend als das erste. Sonntag Mittag ist ja nun nicht unbedingt die produktivste Zeit der Woche. Ich machte es also wie viele Cariocas an diesem Tag, schleppte einiges an Essen und Saft nach Hause, kochte mir ein schönes Mittagessen und machte es mir mit meiner Mitbewohnerin Véronique vor dem leicht angegrünten Fernseher gemütlich (jemand hatte die Fernbedienung verschafelt und beim Versuch, die Farben am Fernseher selbst zu korrigieren, verstellte ich aus Versehen gleich alle Kanäle...). Fad, aber fein.

Ein Land lebt für Fußball - Die Läden werden dicht gemacht
Ein Land lebt für Fußball - Ronaldinhianer
Ein Land lebt für Fußball - T-Shirts für alle!!!
Ein Land lebt für Fußball - Aufruhr in der Innenstadt, alles strebt nach Haus
Ein Land lebt für Fußball - Warten auf die Metro
Ein Land lebt für Fußball - Kurz vor einer Panikattacke...
Ein Land lebt für Fußball - Selbst die Autos strahlen in den Landesfarben
Ein Land lebt für Fußball - Noch ist die Fußballwelt in bester Ordnung
Ein Land lebt für Fußball - Geht's noch kreativer?

22. Juni 2006: Japan : Brasilien (Dortmund)

Dafür wurde das dritte Spiel wieder in aller Herrlichkeit zelebriert, mit Fernseher auf der Dachterrasse und Festmahl. Wir trafen uns alle im Haus von Califa im Ramos, einem Viertel im Norden der Stadt.

Der Tag begann bereits hervorragend. In der Uni wurden die möglichen Prüfungstermine für den Abschluss des Semesters diskutiert. O-Ton: "Nein, der nächste Dienstag geht nicht, da spielt Brasilien." Man möchte meinen, diese Aussage käme von einem Studenten. Falsch geraten.

Bereits die Fahrt in den Ramos, normalerweise eine Sache von gut zwanzig Minuten, dauerte über eine Stunde. Selten wird es einem so klar, tatsächlich in einer lateinamerikanischen Metropole zu leben, wie im Stau steckend. Dabei bewahrheitete sich einmal mehr Murphys Gesetz: der andere Bus ist immer schneller. Unglaublich, welche Menschenmassen sich vom Fußball inspiriert heimwärts bewegten. Hie und da wurde die graue Masse an Fahrzeugen von gelb-grün verpackten Vehikeln unterbrochen, wer noch immer kein "offizielles" T-Shirt besaß, hatte wenigstens ein ansatzweise gelbes oder grünes Leiberl aus dem Kleiderschrank herausgezogen, um seine Mannschaft auch optisch zu unterstützen.

Das Spiel selbst verfolgte die ganze "galera" auf der Dachterrasse von Califas Haus, ausgestattet mit Köstlichkeiten aus Márcias Küche. Auch in der Nachbarschaft wurde gefeiert, was die unweigerlichen Feuerwerke und der Geruch von gegrilltem Fleisch bewiesen. Ein erneuter Sieg für Brasilien, aber man hatte ja nie etwas anderes erwartet...

27.06.06 Brasilien : Ghana (Dortmund)

Zum Spiel gegen Ghana traf ich mich mit Thomas und Anne Iris in der wunderschön geschmückten Rua Corréia Dutra, wo ein Fernseher mit Beamer und improvisierter Leinwand auf uns wartete. Etwa alle halbe Minute wurde aufgrund technischer Gebrechen das Bild unscharf bis nicht existent, was unweigerlich laute Proteste zur Folge hatte. Leid tat mir auf jeden Fall das arme Würstel mit dem 5-Meter-Besen, das versuchte, die Decke aus schwarzem Stoff vor dem Wind bzw. vor dem Einstürzen zu schützen. Viel sahen wir auch diesmal nicht, Brasilien gewann und gefeiert wurde trotzdem. Schade eigentlich, Ghana hätte ich den Aufstieg wirklich gegönnt.

1.07.06 Brasilien : Frankreich (Frankfurt)

Zum Spiel gegen Frankreich erklärte ich mich mit meiner Mitbewohnerin Véronique solidarisch, die meinte, sie würde sich aus Sicherheitsgründen nicht auf die Straße trauen. Sie tat gut daran, denn allein die Kommentare der anwesenden brasilianischen Mitbewohner konnten einem gehörige Angst einflößen. Als Französin allein unter Brasilianern beim Stand von 1 : 0... Letztlich erkannten auch diese neidvoll an, dass ihre Mannschaft gehörig versagt hatte. Aber wie sagt es sich so schön: "Quem não faz, leva." (Wer die Tore nicht macht, bekommt sie.)

Feuerwerk gab's trotzdem, Feste auch, denn das Fleisch war schließlich gekauft, das Bier eingekühlt. Die Stimmung in den Straßen war zwar etwas getrübt, aber man kann sich ja durchaus auch aus Frust betrinken. Eines muss man den Brasilianern wirklich lassen, sie feiern die Fußballfeste, wie sie fallen und am nächsten Tag ist alles vergessen (bis auf den Kater natürlich). Mit neuem Mut ging das ganze Land nun daran, die alten Kolonialherren leidenschaftlich zu unterstützen, ist doch wenigstens deren Trainer, Luiz Felipe Scolari, Brasilianer. Schade, auch das war wohl nix.

Login

[ FRITZ_community ]

Mitglieder: 2107
Beiträge: 3914
Mitglieder online: 0

[ blogstatus ]

Blogname: Nasenbluten & schwerwiegende Erkenntnisse
User: anita
Mitglied seit: 12. Mai 06
Status: offline

[ Aktuelle Einträge ]

Die ersten Tage mein...
anita 12.07 - 13:19

Grenzgänge
anita 27.06 - 23:38

System ist alles
anita 18.06 - 22:24

Ich habe kein Leben!...
anita 12.06 - 22:53

Frauen haben's schwe...
anita 12.06 - 10:08

[ Meine letzten Bilder ]

[ Feeds ]

[ Freier Text (1) ]

[ Freier Text (2) ]

[ CD ]


Zeca Baleiro
Vo Imbola


Zeca Baleiro
Perfil


Smashing Pumpkins
Adore


Devendra Banhart
Cripple Crow

[ Lesestoff ]


Zoe Barnes, Ulrike Ostrop, Joachim Peters
Ooops! Wie konnte mir denn das passieren?


Ethan Hawke
Aschermittwoch


J.K. Rowling, Klaus Fritz
Harry Potter und der Halbblutprinz. Band 6