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Happy St. Patrick's Day!
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nettes verlies in der festung

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anemonenfisch aka clownfisch aka nemo


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wow - salzburg von oben ist cool!

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das absolute hammerkonzert im rockhouse!

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Rio Blog 2.17
vor 741 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, reisen, rio, stories, wahlen | Autor: anita

Nicht nur wir Österreicher und -innen schreiten am 1. Oktober zur Wahl der Qual. Auch in Brasilien wird gewählt, im Unterschied zu meinem Heimatland hat man hier allerdings im wahrsten Sinne des Wortes keine Wahl. Anita berichtet aus Rio.

Bild: terra.com.br

Insgesamt sollen Anfang des nächsten Monats 513 föderale Abgeordnete, 1.059 regionale bzw. bundesstaatliche Abgeordnete, 27 Senatoren, 27 Gouverneure und nicht zuletzt ein neuer Präsident gewählt werden. Laut dem Online-Jornal "terra" müsse der Wähler an der elektronischen Urne mindestens 21 Tasten drücken um die Wahl zu realisieren, der dazu benötigte Zeitraum betrage durchschnittlich 40 Sekunden. Bestzeit! Oder doch nicht? 

Ein feuchtfröhlicher Frühling hat Einzug gehalten in Rio, die Bäume blühen und es regnet. Alle haben sich in ihre Häuser zurück gezogen, die dem Sturm im besten Fall auch standhalten. Alle Brasilianer? Nein. Eine (nicht einmal ganz so kleine) Gruppe trotzt den Regenwehen und hält am Rand der Straßen schon seit Wochen Wahlplakate in den Wind. Es ist Wahlkampfzeit in Brasilien.

Wer denkt, in Europa gehe man als Politiker auf Wählerfang, war noch nie zur Wahlkampfzeit in Brasilien. An allen Ecken und Enden bekommt man Info-Zettelchen zugesteckt, Fähnchen in die Hand gedrückt und Plakate ins Gesicht geweht. Soweit das Auge reicht wird Rio zugemüllt mit Wahlwerbung, die Stadt erstickt beinah in nassem Papier, welches seinen Weg von den Händen der Menschen leider nur auf den Boden und nicht in die zwei Meter entfernte Mülltonne gefunden hat. Der Weg zum nächsten Supermarkt wird zum Spießroutenlauf, eindeutig als die beste Taktik bewährt hat sich links antäuschen und rechts durchbrechen. Oder umgekehrt.

Als nativer oder naturalisierter Brasilianer zwischen 18 und 70 Jahren hat man keine Wahl, man muss zur Wahl. Ein fakultatives (freiwilliges) Wahlrecht gilt für Analphabeten, Minderjährige zwischen 16 und 18 Jahren und Menschen über 70. Wer kein Portugiesisch versteht oder zeitlich bzw. dauernd seiner politischen Rechte "beraubt" (exakter Terminus, welcher auf der Wahl-Informations-Homepage des "Globo" benutzt wird) wurde, darf nicht an den Wahlen teilnehmen. Wer aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht wählen gehen kann, muss sich mittels eines Formulars bei irgendeiner Wahlstelle im Land bis zu 60 Tage nach der Wahl rechtfertigen.

Je lauter, je besser; Bild: SN/anita
Posieren für die Fußgänger; Bild: SN/anita
Lula den Rücken gekehrt; Bild: SN/anita
Den ganzen Tag Plakat hüten kann ganz schön nervig sein; Bild: SN/anita
Plakatewahnsinn in Flamengo; Bild: SN/anita
Selbst gegessen wird am Arbeitsplatz; Bild: SN/anita

Wer nicht zur Wahl geht und sein Fernbleiben nicht rechtfertigt, hat mit empfindlichen Sanktionen zu rechnen. Der selbstgewählte Nichtwähler kann sich nicht mehr bei öffentlichen Stellenkonkursen bewerben, keine staatlichen Funktionen mehr ausüben, empfängt als Staatsbediensteter im zweiten Monat nach der Wahl keinen Gehalt, darf sich nicht für öffentliche oder administrative Tätigkeiten beim Staat bewerben, keinen Reisepass und auch keinen Personalausweis anfordern. Er kann sich in staatlichen Bildungseinrichtungen nicht mehr zur Weiterführung der Ausbildung anmelden, bei keiner Einrichtung des öffentlichen Rechts Kredite aufnehmen und darf weiters keine Tätigkeit ausüben, für welche er vom Militärdienst oder der Einkommenssteuer befreit werden müsste. Wer der Wahl ungerechtfertigt fernbleibt, hat außerdem eine Strafe zu zahlen und verliert zum Teil sogar auf Dauer sein Wahlrecht. Nicht-wählen kommt einen Brasilianer also teuer zu stehen.

Bild: terra.com.br

Von insgesamt sechs Präsidentschaftskandidaten hat der aktuelle Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva laut Umfragen die Nase vorn. Der Tenor in der Bevölkerung geht eher in Richtung "Wenn schon Übel, dann wähle ich doch das kleinere Übel" und das scheint "Lula" darzustellen.

Verständlicherweise wird angesichts dieser Fakten der Schrei nach Alternativen laut. Vor allem im Internet schießen "Voto nulo"-Kampagnen aus dem virtuellen Boden wie die Zettelverteiler in den Straßen. Ungültig zu wählen scheint tatsächlich die einzige Alternative zu sein. Dabei ist es doch wirklich nett, dass die Wahljustiz ihren Bürgern empfiehlt, die Nummern ihrer Kandidaten schon vorab zu notieren und mit diesem Zettel zur Wahl gehen. Die Regionalen Wahltribunale würden extra 74 Millionen an "Spickzetteln" verteilen, die Nummern könnten aber auch auf jedes andere Papier geschrieben werden, informierte terra.com.br. Damit steht der Bestzeit von 40 Sekunden pro Wahlgang ja nichts mehr im Wege.

# anita klingler

Rio Blog 2.16
vor 744 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, filmfestival, reisen, rio, stories | Autor: anita

Von 21. September bis 5. Oktober findet das "Festival do Rio" statt. Insgesamt etwa 350 nationale und internationale Filme sollen beim "größten Festival des Kontinents" gezeigt werden.

Festival do Rio

Im Jahre 1999 aus dem Zusammenschluss des "Rio Cine Festival" und der "Mostra Nacional de Cinema" hervorgegangen, gehört das "Festival do Rio" heute zu den sechs größten Filmfestivals der Welt. Filmzuckerln aus aller Welt werden dem hungrigen Publikum geboten, heuer hat sich Gerüchten zufolge sogar Alejandro González Iñárritu persönlich angesagt, um mit dem aktuellen Film "Babel" den letzten Geniestreich seiner "Trilogie des Todes" zu präsentieren. Am visuellen Büffet für Feinschmecker finden sich außerdem Leckerbissen wie "Land of Plenty" (Wim Wenders), "The Black Dahlia" (Brian De Palma), "The Wind that shakes the Barley" (Ken Loach, Gewinner der Goldenen Palme beim heurigen Filmfestival von Cannes), "La Tigre e La Neve" (Roberto Benigni) oder "Alles auf Zucker!" (Dani Levi).

Für Liebhaber der kanadischen Küche hält das "Festival do Rio" einige besondere Schmankerln bereit. Auf der Speisekarte finden sich unter anderem "3 Needles" (Thom Fitzgerald), "C.R.A.Z.Y." (Jean-Marc Vallée) und "Mystic Ball" (Greg Hamilton). Wer es lieber exotisch mag, kommt bei den Spezialitäten von "Cinema que pensa" (Kino, das denkt), "Fronteiras" (Grenzen) und "Mundo Gay" auf seine Kosten.

Festival do Rio
Festival do Rio
Festival do Rio

Das "Festival do Rio" bietet für brasilianische Kinoliebhaber eine der wenigen Möglichkeiten sich an geschmacklich erlesenen internationalen und nationalen Filmen gütlich zu tun. Auch in Brasilien hat das Popkorn-Kino leider Hochkonjunktur, anspruchsvollere Filme finden zum Teil nicht einmal auf DVD ihren Weg ins Land. Vor allem europäisches Material ist oft Mangelware. Dabei ist die Stadt an sich voll von Kinos, allein die Filme des Festivals werden in 24 verschiedenen Sälen gezeigt. Einem filmhungrigen Feinschmecker bleibt also nur, sich in den zwei Festival-Wochen mit Neuigkeiten zu versorgen und zu hoffen, dass jene Filme, die auf der persönlichen Speisekarte keinen Platz mehr fanden, irgendwann doch auf DVD herauskommen werden oder zumindest durch Zufall bei den professionellen Raubkopierern auf Rios Straßen landen.

Festival do Rio

Währenddessen koche ich mein eigenes Süppchen. Als Studentin komme ich in den Genuss eines Rabattes, von dem sich österreichische Kulturbetriebe noch eine Scheibe abschneiden könnten. In Rio berappen Studenten bei kulturellen Veranstaltungen mit Ausweis prinzipiell nur die Hälfte und das zahlt sich aus! Demnach werde ich mich beim momentanen Sauwetter mit Regen und Sturm ins Kino verzwiebeln und mich filmtechnisch verwöhnen lassen. Mahlzeit!

# anita klingler

Rio Blog 2.15
vor 749 Tagen | Kommentare [6] | Tags: anita, rassismus, reisen, rio, stories | Autor: anita

Mal Hand auf's Herz, wer von euch Fellow-Österreichern da draußen hat sich schon einmal als richtiger "Ausländer" im negativen Sinn gefühlt? Komisches Gefühl, das. Anita aus Rio.

Rassismus in Brasilien

Eines schönen Tages latsche ich mit meiner Freundin Elgin, die mich netterweise hier in Rio besuchte, die Rua do Catete entlang, als uns plötzlich ein recht eigen wirkender Mann ansprach und fragte, ob wir des Englischen mächtig wären. Wir bejahten, worauf er uns auszufragen, zu beschimpfen und letztlich sogar zu drohen begann. Was wir denn hier in Brasilien wollten und Österreicher seien doch ohnehin nur alles Nazis. Er erklärte uns weiter, dass auch weiße Brasilianer keine richtigen Brasilianer seien uns somit kein Recht hätten, in "seinem" Land zu leben. Soweit, so schräg. Doch was steckt hinter einem solchen Verhalten in einer Nation, die aus einer Mixtur verschiedenster Kulturen heraus entstanden ist? Fremdenfeindlichkeit? Rassismus? Wahnsinn? Eine Bestandsaufnahme.

Rassismus ist eine unglaublich hässliche Sache, egal wen er betrifft. Noch schlimmer ist seine Existenz in einem Land, das kulturelle Wurzeln aus aller Welt in sich vereint. Eine faszinierende Mischung aus Afrika, Europa und indigener Bevölkerung lässt sich am Gesicht beinah eines jeden Brasilianers ablesen. Umso eigenartiger erscheint es, dass es auch in einem Land, in dem die Hautfarbe des Kindes (aufgrund der genetischen Durchmischung) nicht zwangsläufig mit jener der Eltern übereinstimmt, Rassismus mit durchaus explosivem Potential existiert.

Anfang 2006 veröffentlichte die UNO einen Bericht zu Rassismus, Diskriminierung und Xenophobie in Brasilien. Laut dem sudanesischen Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen Doudou Diene seien Rassismus und Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe in Brasilien ein in der Geschichte des Landes verwurzeltes Faktum. Durch Brasilien zu reisen sei wie auf zwei verschiedenen Planeten unterwegs zu sein, so Diene. Zum Einen gebe es das lebendige Miteinander von Menschen aller Hautfarben in den Straßen, während man zum anderen in den Chefetagen von Politik, Wirtschaft und Medien jedoch beinahe nur Weiße finde.

Rassismus in Brasilien
Rassismus in Brasilien
Rassismus in Brasilien

Diene spricht von politischer, sozialer und ökonomischer Marginalisierung speziell Menschen indigener und afrikanischer Abstammung. Der Grund dafür liege unter anderem in der Geschichte Brasiliens. Die Sklaverei wurde in Brasilien erst 1888 abgeschafft, im Grunde ist, etwas überspitzt formuliert, jeder Farbige Brasilianer Nachkomme eines Sklaven. Zwar würde die Regierung Lula Maßnahmen zur Lösung des Rassismusproblems diskutieren, diese würden jedoch letztlich nicht umgesetzt. Noch tiefer gingen jedoch rassistische Handlungen, die auf einer "Folklorisierung" und "Instrumentalisierung" der Kultur und Religion dieser Bevölkerungsgruppen basieren, so Diene. Der Karneval ist zu einer Attraktion der Weißen geworden und wird kommerziell vereinnahmt, während über die Hälfte der etwa 80 Millionen farbigen Brasilianer in sozial schlechten Bedingungen lebt.

Rassismus in Brasilien

Detail am Rande: Die Brasilianer sind die ungekrönten Könige der Telenovela. Vermutlich Ironie des Schicksals, dass in einer Novela, die in Bahia, der Wiege der afro-brasilianischen Kultur und dem Bundesstaat mit dem größten Anteil an dunkelhäutigen Brasilianern, spielt, kaum schwarze Schauspieler vorkommen. "Leben die Dramaturgen von TV Globo (größte brasilianische TV-Station, Anm.) auf dem Mond?" fragte das "Jornal do Brasil" anlässlich des Starts der Novela 2001. Scheint so.

Dabei haben nicht nur Menschen afrikanischer und indigener Abstammung unter sozialer und ökonomischer Diskriminierung zu leiden, auch Einwanderer sind im Alltag rassistischen Handlungen ausgesetzt. Besonders Lateinamerikaner aus Bolivien, Paraguay und Peru würden aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik Brasiliens hauptsächlich als illegale Arbeitskräfte ausgebeutet und lebten häufig in stetiger Angst vor der Polizei, erläutert Doudou Diene in seinem Bericht.

Rassismus in Brasilien

Rassismus ist also tatsächlich ein Teil der brasilianischen Kultur. Dabei wird die Diskriminierung nicht zwangsläufig durch die Hautfarbe, jedoch sehr wohl über die soziale Stellung determiniert. "Im Unterschied zu den USA oder zu Südafrika sieht kein Weißer seine Welt in Gefahr, wenn in die heimatliche Villenstraße ein Schwarzer zieht, der es sich leisten kann.", erklärt Carl Goerdeler in seinem Buch "Kulturschock Brasilien". Trotzdem ist es eine unumstreitbare Tatsache, dass die Kinder afro-brasilianischer Herkunft durchschnittlich zwei Schuljahre weniger absolvieren als ihre hellhäutigen Kollegen. So gesehen darf es nicht weiter verwundern, dass manche Brasilianer dem meist weißen "Gringo" mehr als kritisch gegenüber stehen. Für Elgin und mich war jenes Erlebnis in Catete sicher erschreckend, aber auf der anderen Seite eine wertvolle Erfahrung. Ich weiß nun wie es ist, als Ausländer beschimpft zu werden. Es ist wahrlich kein gutes Gefühl.

# anita klingler

Rio Blog 2.14
vor 759 Tagen | Kommentare [0] | Tags: amazonas, anita, reisen, rio, stories | Autor: anita

Mami und Papi waren zu Besuch in Rio und Anita im Amazonas. Teil 3

Anita auf Reisen - Blick auf den Ecopark vom Boot aus

Das Abenteuer Amazonas ging nach zwei Tagen im Urwald seinem Ende zu, allerdings warteten an unserem letzten Tag noch ein Glattstirnkaiman, Piranhas und eine überaus fade Stadtführung in Manaus auf uns, die wir gnädig über uns ergehen ließen, bevor wir uns in das New Orleans Brasiliens aufmachten. Es tat uns allen fürchterlich leid, als unser zweiter und gleichzeitig letzter Abend im Ecopark gekommen war. Wir hatten so viel gesehen, gelernt und erlebt, dass die zwei Tage wie im Flug vergangen waren und unsere Neugierde in Wahrheit nur noch mehr entfacht hatten.

Nach unserem Besuch im Indianerdorf der Tucanos erwartete uns jedoch noch eine Überraschung. Zusammen mit Heinz und Alex machten wir uns zu einer nächtlichen Bootsfahrt zur Kaiman-Suche auf.  Der Amazonas besitzt schon untertags eine ganz eigene Magie, bei Nacht verwandelt er sich jedoch in eine gänzlich fremde Welt. Das schwarze Wasser des Rio Negro schimmert unheimlich, leuchtet man in Richtung der Bäume am Ufer, projiziert es ein wunderschönes Abbild des Waldes auf seine Oberfläche. Auf ein Zeichen von Heinz hin lenkte Alex unser Boot immer wieder in Richtung Ufer, um dem Aufblitzen eines Augenpaars nachzugehen, das von uns nicht einmal wahrgenommen worden war. Heinz erklärte, dass dies quasi zur Überlebensstrategie im Dschungel gehört. Wer sich im Regenwald auskennt, registriert auch die kleinste Bewegung und kann innerhalb kürzester Zeit entscheiden, ob das Geräusch oder besser gesagt sein Verursacher eine Gefahr darstellen kann.  

Wir hatten bei unserer Suche dieses Mal recht wenig Glück, zumindest was die Kaimane anging. Wir entdeckten einige schläfrige "Bacurão"-Pärchen (Nachtschwalben) und ein Exemplar der "Suaçuboia", einer Baumboa, die sich aber so schnell vor uns und unserem Licht in Sicherheit brachte, dass wir im Gegensatz zu Heinz nur erahnen konnten, wo sie gerade verschwunden war. Die Kaimane glänzten mit Abwesenheit bzw. hielten gehörigen Abstand. Nur einmal blitze in etwa 20 Meter Entfernung ein rotes Augenpaar auf und verlor sich wieder im Dunkel.  

Der Kaiman stellt eine Unterart der Krokodile dar und gehört zur Familie der Alligatoren. Im Amazonas gibt es insgesamt vier verschiedene Arten von Kaimanen. Am häufigsten kann der Brillenkaiman beobachtet werden, gefolgt vom Mooren- bzw. Schwarzen Kaiman. Der Brillenkaiman gehört mit einer Maximallänge von drei Metern zu den kleinsten Alligatoren. Sie sind äußerst anpassungsfähig und haben kaum Feinde. Da ihre Haut nicht zur Herstellung von Leder geeignet ist, stellt selbst der Mensch keine großartige Gefahrenquelle dar. Ein ausgewachsener Brillenkaiman kann Beutetiere von der Größe eines Wildschweins ("Javali") überwältigen, wenn diese zum Trinken ans Wasser kommen. 

Sehr selten sind sowohl der Brauen-Glattstirnkaiman und der Keilkopf-Glattstirnkaiman, deren Vorkommen rein auf das Amazonasgebiet beschränkt ist. Ersterer wird maximal 1,50 Meter lang und gehört zusammen mit seinem Vetter, dem Keilkopf-Glattstirnkaiman, zu den kleinsten Krokodilen. Beide haben eine kurze, beinah hundeartige Schnauze und bauen zum Brüten Hügelnester aus Erde und Pflanzenmaterial. Dabei werden die Nester gegen Ende der Trockenzeit angelegt, das Weibchen legt 10 bis 15 Eier in das Nest. Zu Beginn der Regenzeit schlüpfen die Jungtiere.

Anita auf Reisen - Heinz zeigt uns die kleinen spitzen Zähne des Tieres

Ein letztes Mal lenkte Alex unser Holzboot wieder in Richtung Ufer. Ich fragte Heinz, was er diesmal gesehen hätte und er meinte leichthin, Alex würde uns nun einen Kaiman fangen gehen. Ich dachte wirklich, das sei ein Scherz. Ich sollte es inzwischen besser wissen. Alex stieg aus, in kurzen Hosen (!) und mit Stirnlampe und Machete ausgerüstet, stapfte los ins Dunkel und schien erst einmal von der Nacht verschluckt. Plötzlich hörten wir es laut platschen und meine Mutter und ich zuckten gehörig zusammen. Es ist wirklich unheimlich, wie sehr alle unsere Sinne Alarm schlagen, wenn wir uns in einer uns unbekannten Situation befinden und nicht genau wissen, wie wir mit ihr umgehen sollten. So ging es mir, als Alex sich langsam näherte und einen "Jacaré pedra" (Glattstirn-Kaiman) in der Hand hielt. Das Tier war zwar "bloß" etwa 70 cm lang, diese Art gehört laut Heinz jedoch zu den bissigsten überhaupt. Ihr könnt euch vermutlich meinen Gesichtsausdruck vorstellen, als mir Heinz das Tier mit einem Lächeln in die Hand drückte und meinte: "Halt ihn doch mal. Aber halten, nicht würgen!" Vor lauter Respekt hatte ich anscheinend etwas zu fest zugedrückt. Nach einigen Erklärungen der Eigenheiten des Glattstirn-Kaimans, wie zB doppelte Augenlider, mit denen er auch unter Wasser äußerst gut sehen kann, entließen wir das sichtlich etwas erschreckte Tier wieder in die Freiheit.

Anita auf Reisen - Ein schwimmendes Restaurant, nur vom Boot aus zu erreichen
Anita auf Reisen - Der von Alex gefangene Jacaré pedra (Glattstirn-Kaiman)
Anita auf Reisen - Heinz zeigt uns die kleinen spitzen Zähne des Tieres
Anita auf Reisen - Unterwegs in einem Seitenarm des Rio Negro
Anita auf Reisen - Ein wirklich interessantes Exemplar von Raupe, das bei näherem Hinsehen aussieht wie ein Drache (rechts ist der Kopf...).
Anita auf Reisen - Der ?hoteleigene? Swimmingpool
Anita auf Reisen - Ein Teil des Flusses wurde aufgestaut...
Anita auf Reisen - ... und zu kleinen Schwimmbecken umfunktioniert.
Anita auf Reisen - Idylle pur

Vor unserer Rückkehr in die Zivilisation erwartete uns noch ein recht lustiger Vormittag: Wir gingen Piranha füttern. Eigentlich hätten wir sie fischen sollen, um einmal im Leben einen echten Piranha zu sehen, nicht nur die ausgestopften in den Souvenir-Shops. Dieses Unterfangen stellte sich als deutlich schwieriger heraus als angenommen. Wider Erwarten sind Fische ganz schön schlau. Im Grunde genommen setzten wir ihnen einen willkommenen Snack vor die Nase, den sie auch immer brav vom Haken fraßen. Einmal war sogar mein ganzer Haken verschwunden, keine Ahnung, wie das vor sich gehen konnte. Heinz erklärte uns, dass Piranhas besonders fies zu Fischern sind und manchmal nicht nur das Fleisch abfressen, sondern den Angelhaken um ein am Grund des Flusses liegenden Holz wickeln. Ähem, ja. Kein Witz. So viel zum Piranha-"Fischen". 

Anita auf Reisen - Die Oper von Manaus

Der Nachmittag gehörte einer leider völlig überflüssigen Stadttour in Manaus. Die Stadt selbst ist zwar schön, mit ihrer der Pariser Ausführung nachgebildeten Oper und tollen alten Häusern, wenn die Reiseführerin jedoch von überhaupt nichts eine Ahnung hat, hilft auch das nicht viel. Ich wurde daran erinnert, dass der etwas aufwändigere Individualtourismus, bei dem man sich um alles selbst kümmern muss, doch auch seine eindeutigen Vorteile hat. 

Wir verabschiedeten uns am Flughafen vom Amazonas und reisten weiter in den Nordosten, nach Salvador, welches als das New Orleans Brasiliens bezeichnet wird. Die Heimat von Musikern wie Caetano Veloso, Gilberto Gil (derzeit Minister für Kultur und Bildung), Carlinhos Brown und João Gilberto wird als die Seele Brasiliens bezeichnet und ist bekannt für seine kulturelle Vielfalt und Lebendigkeit verschiedenster afro-brasilianischer Traditionen.  

Anita auf Reisen - Das Zentrum ist nicht nur farblich so bunt wie sein Ruf

Salvador wurde 1530 gegründet und 19 Jahre später zur ersten Hauptstadt Brasiliens. Auch heute noch sehen viele Brasilianer die Stadt als den Ort an, wo aus Portugiesen Brasilianer wurden. Nur an wenigen Plätzen hat sich die Kultur der Indios, Afrikaner und Europäer so stark vermischt und ist zu etwas Neuem verschmolzen. Synkretismus steht an der Tagesordnung, Salvador verfügt einem Sprichwort nach über 365 Kirchen, für jeden Tag eine, während im Umland und in der Stadt selbst geschätzte 8.000 Terreiro-Kultzentren für die Anhänger des Candomblé zur Verfügung stehen. Auch die Capoeira, der aus der Tradition angolanischer Sklaven stammende Kampftanz, ist nirgends so lebendig wie in Salvador. 

Heute ist Salvador mit 2,6 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Brasiliens. Sie ist geteilt in Unter- und Oberstadt, die durch den ?Elevador de Lacerda? verbunden werden. Der 72 Meter hohe Aufzug transportiert jeden Tag etwa 50.000 Passagiere. Direkt an dessen Fuß befindet sich der berühmte "Mercado Modelo", in dem man unter anderem hervorragendes "Acarajé" (herausgebackene Bohnenmehl-Tasche, gefüllt mit Gemüse, "Watabá" -  einer Fischpaste mit Safran, Pfeffersauce und getrockneten Garnelen) bekommt. Wer es nicht so gerne scharf mag, sollte die Pfeffersauce besser weg lassen, sie ist wirklich höllisch!  

Anita auf Reisen - Die bekannte Kirche ?Nossa Senhora do Rosário dos Pretos? am Largo do Pelourinho

Im Herzen der Oberstadt befindet sich der ehemalige Sklavenmarkt "Pelourinho". Dieser ist als Künstler- und Musikerviertel zum kulturellen und touristischen Zentrum der Stadt geworden und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Er wurde ab 1990 in nervenaufreibender Kleinarbeit restauriert, die engen Kopfsteinpflastergassen mit den bunten Häusern erstrahlen in neuem Glanz. Am "Largo do Pelourinho" steht die von Nachkommen der Sklaven erbaute Kirche "Nossa Senhora Rosário dos Pretos", da es diesen nicht erlaubt war eine der vielen "weißen" Kirchen zu besuchen.  

Die verbleibenden zwei Tage unserer Reise verbrachte ich mit meinen Eltern in einem recht netten (sprich faden)  Hotel in der Nähe Salvadors. Um ehrlich zu sein hatten wir dieses zum Ausspannen auch wirklich nötig. Wir hatten so viel gesehen und gelernt, vor allem der Aufenthalt im Ecopark war wirklich beeindruckend. Und zumindest Salvador werde ich mir sicher bei Gelegenheit noch einmal in Ruhe ansehen, ohne Hotel und Reiseführer. 

Es war recht eigenartig am Flughafen von Salvador dann in unterschiedliche Flugzeuge zu steigen, meine Eltern flogen zurück nach Österreich und ich zurück nach Rio. Die zwei Wochen vergingen viel zu schnell. Dennoch, meine Eltern nahmen sicherlich einige Eindrücke mit,  die über die Klischeeerfahrungen des "normalen" Brasilien-Reisenden hinausgehen.

# anita klingler

Rio Blog 2.13
vor 765 Tagen | Kommentare [0] | Tags: amazonas, anita, reisen, rio, stories | Autor: anita

Mami und Papi waren zu Besuch in Rio und Anita im Amazonas. Teil 2

Anita auf Reisen - Wer sein Essen nicht freiwillig hergibt, wird einfach beraubt.

Der Amazonas ist wahrlich ein Abenteurer, voll mit seltsamstem Getier, wie wir am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Ecopark feststellen sollten. Bereits beim Frühstück erwartete uns eine große Überraschung. Wir teilten uns den Tisch mit drei überaus eifrigen Aras, die, obwohl eigentlich Wildvögel, hier ein gefundenes Fressen vorfanden.

Der eindeutige Favorit war neben Melonenkernen in Butter getoastetes Weißbrot mit Zucker, das, eigentlich ungenießbar weil viel zu fett, vermutlich nur für die Vögel produziert wird. Heinz erklärte uns, dass Aras eine lebenslange Beziehung zu ihren Partnern eingehen, was sich in diesem Fall als besonders prekär erwies, da das Weibchen einer anderen Spezies angehörte und somit Stress vorprogrammiert war.

Besonders lustig zu beobachten war das verdauungsfördernde Nachmittagsschläfchen der beiden Streithanseln. Wenn es Zoff gegeben hatte, hielt das Männchen wohlweislich Abstand, worauf das Weibchen gnädigerweise einem Annäherungsversuch stattgab und ihn nicht sofort wieder verjagte. Unterdessen hätte das zweite Ara-Männchen bereits vor einiger Zeit eine passende Partnerin aufgegabelt, konnte sich allerdings nicht dazu entschließen das Schlaraffenland ihretwegen zu verlassen. Er ließ sie also allein weiterziehen und wartet deshalb noch immer auf eine willige Dame, die ihm zuliebe im Ecopark bleiben würde.

Nach dem Frühstück machten wir uns mit Heinz und Alex, unserem einheimischen Begleiter, auf zu einem Dschungel-Spaziergang, der uns Einblick in eine völlig neue Welt geben sollte. Der Wald im Naturschutzgebiet rund um den Ecopark ist Primärwald, das heißt, er wurde noch nie abgeholzt. Jahrhunderte alte Bäume ragen in den Himmel und bilden ein fast dichtes Blätterdach. Wir begannen unsere Entdeckungstour mit "Cipo Cururu", einer Lianenart, die eines der tödlichsten Gifte der Welt enthält, welches die Indianer für die Pfeile ihrer Blasrohre benutzen: Curare. Es ist im Körper kaum nachweisbar und tötet, einmal in die Blutbahn geraten, innerhalb von kürzester Zeit. Als Nächstes durften wir uns mit einer anderen Liane als Tarzan versuchen, was gehörig in die Hose ging. Ist gar nicht so leicht, wie es in den Filmen immer aussieht.

Anita auf Reisen

Der Sorva-Baum enthält ebenso wie die Cipo Cururu eine weißliche Milch, die allerdings nicht tödlich wirkt, im Gegenteil. Es ist dies der Kaugummi-Baum, aus dem die Grundmasse für unsere westlichen Kaufreuden stammt. Besonders beeindruckte mich ein "Arabá", das Urwaldtelefon. Dabei handelt es sich um einen Vertreter der "Sapopema" (Brettwurzler), der innen hohl wächst. Wenn man mit einem Holz kräftig genug auf die Wurzelteile schlägt, die sich oberhalb der Erde befinden, ist dieses Geräusch selbst im dichtesten Regenwald kilometerweit zu hören. Nur zum Vergleich: die Stimme eines Menschen reicht in den meisten Fällen nur einige Meter. Die Sapopema-Bäume gehören zu den größten Bäumen der Welt und werden unter anderem zum Schnitzen von Einbäumen verwendet.

Weiter ging es mit unserem Spaziergang zu einem kleinen Freigehege, in dem Wasserschildkröten aufgepäppelt werden. Dieses stellt zusammen mit der Affenstation, die wir später besuchen sollten, einen Teil des Naturschutzgebietes dar. Alex buddelte ein halb versandetes Exemplar aus, um es uns zu zeigen und erklärte uns traurig, dass in den letzten Tagen drei der großen Schildkröten verschwunden seien. Auf meine Frage meinte Heinz, dass wohl einige der Einheimischen zufällig über das Gehege gestolpert seien und sich ein feines Süppchen gekocht hätten. Zur Herstellung von Schildkrötensuppe werden die Tiere lebendig ihres Panzers entledigt und dann erst getötet und verarbeitet. In den meisten Fällen wird die Suppe im Panzer serviert.

Anita auf Reisen - Frühstücksfreuden
Anita auf Reisen - Schmeckt sichtlich hervorragend!
Anita auf Reisen - Wer sein Essen nicht freiwillig hergibt, wird einfach beraubt.
Anita auf Reisen - Eine Smaragd-Eidechse
Anita auf Reisen - Mit dieser Technik decken die Caboclos ihre Häuser
Anita auf Reisen - Die spinnen, die Spinnen, und zwar vermutlich tagelang, bis ein solches Prachtnetz fertig ist.
Anita auf Reisen - Ein Arabá, das Urwaldtelefon
Anita auf Reisen - Die leicht verschlafene Königin des Regenwalds (haha)
Anita auf Reisen - So sieht Primärwald aus.

Am Ende unseres Dschungelspaziergangs erreichten wir eine relativ große, sandige Fläche, auf der früher ebenfalls Primärwald gestanden hatte. Das Gelände des Naturschutzgebietes wie insgesamt etwa 83 % zum Schwarzwasserbereich des Amazonas. Wir erhielten also einen unmittelbaren Eindruck, wie der Amazonas mit ein bisschen Pech in einigen Jahren aussehen könnte. Im konkreten Fall wird mit Müh und Not versucht, das Gebiet wieder aufzuforsten. Dies erwies sich als recht schwierig, da die Setzlinge dauernd gegossen werden müssen, weil der Sandboden kein Wasser speichern kann.

Anita auf Reisen

Vor dem Mittagessen besuchten wir noch die Affenstation und durften bei der Fütterung der schon ausgewilderten, aber unglaublich verfressenen "Macacos barrigudos" (Wollaffen) zusehen. Die Auffangstation kümmert sich um alle möglichen Äffchen, die beschlagnahmt werden oder deren Besitzer die Geduld verlieren. Zur Zeit befinden sich einige Wollaffen in Quarantäne, die in nächster Zeit wieder an das Leben in freier Wildbahn gewöhnt werden sollen. Außer den freien Mackacken befinden sich auch noch zwei "Uakaris" (Scharlachgesicht) in der Obhut der Pfleger. Auch Totenkopf- und Kapuzineräffchen werden dort immer wieder ausgewildert, diese Suchen jedoch keinen Kontakt mehr zu Menschen. Besonders fasziniert war ich von Chica, einem jungen Wollaffen-Weibchen, das sich gleich daran machte mich zu lausen. Eigenartiges Gefühl. Fand sie offensichtlich auch, da sie hernach mehr Gefallen daran fand, auf mir herumzuturnen und mich in die Hand zu beißen.

Der Nachmittag gehörte dem Besuch eines Indianerdorfes unweit des Ecoparks. Wir besuchten einen Stamm der "Tucanos", die weitestgehend ohne Einfluss der Außenwelt leben. Einzig einige Touristen wie wir werden von Zeit zu Zeit willkommen geheißen, um ein wenig Taschengeld zu verdienen und damit Lebensmittel einzukaufen.

Die Problematik der Indianer in Brasilien ist immens. Viele Stämme leben nach wie vor relativ zurückgezogen, nur die jüngere Generation drängt es immer mehr nach einem Leben in der Zivilisation. Dabei hat ein Indianerkind schon vor der Einschreibung in eine Schule einige Hindernisse zu überwinden. Da die Kinder bei der Geburt von niemandem registriert werden, sind sie sozusagen Staatenlose und müssen sich erst als Brasilianer "naturalisieren" lassen. Die Kindersterblichkeit ist extrem hoch, da der Großteil der Stämme nicht über das Gesundheitsnetz versorgt wird bzw. schulmedizinische Hilfe oft gar nicht willkommen ist.

Vertreter der Nativ-Bevölkerung gelten auch heute noch als Menschen zweiter Klasse, es gibt eine wahre Flut von Mythen und Legenden über die Schlechtigkeit des Charakters der ?Wilden" und deren eigenartige Gebräuche. Diese Vorurteile machen sich häufig bei der Jobsuche bemerkbar. Die Selbstmordrate unter Jugendlichen ist beängstigend. Viele, die den Stamm verlassen und mit dem Leben in der Zivilisation nicht zurecht kommen, werden nicht mehr aufgenommen und bleiben praktisch zwischen zwei Welten hängen. Dazu kommen altbekannte Feinde wie Alkohol und Drogen, die nach wie vor große Probleme darstellen. Die Politik interessiert sich derweilen wenig für das Leben oder besser gesagt Sterben der Indios und breitet lieber einen Mantel des Schweigens über die Geschehnisse. Traurig bis unvorstellbar, aber wahr.

# anita klingler

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