Silvester in einer der bekanntesten Metropolen der Welt - Anita berichtet aus Rio de Janeiro.
Am 30. Dezember erreichte ich mit Höschen-geschädigten Nerven (man erinnere sich) die "Cidade Maravilhosa". Viel Zeit hatte ich nicht, mich von der Endlos-Busfahrt zu erholen, stand doch eines der angeblich beeindruckendsten Ereignisse des Carioca-Kalenders ins Haus: Silvester.
Ob ihr es glaubt oder nicht, Rio empfing mich mit Regen und seitdem (vier Tage) hat es kaum einmal eine Stunde nicht getropft. Großartige Voraussetzung für das größte Freiluftspektakel des Jahres. Doch alles der Reihe nach. Zusammen mit Leo und Jacques machte ich mich auf zu Sandro, der uns prompt als Hitler verkleidet begrüßte. Ich machte wohl ein recht fassungsloses Gesicht, weshalb er mich aufklärte, dass es seine persönliche Silvestertradition wäre, jedem anders verkleidet die Tür zu öffnen.
Wir speisten gemütlich und machten uns, natürlich viel zu spät (23.02), zusammen mit Sandros Mutter (Jacques war uns inzwischen auf der Suche nach seiner Brille verloren gegangen und ward seitdem nicht mehr gesehen) in Richtung Copacabana auf. Schnitt.
Es ist 23.31 und wir sitzen noch immer im Bus. Stau. Es ist Zeit für das erste Bier. Ich versuche verzweifelt, meine Mitbewohner oder wenigstens irgendwen zu erreichen. War wohl nix. Wir verlassen den Bus, da wir vermutlich zu Fuß ohnehin schneller vorankommen. Wenn da nicht Sandro wäre. Der spaziert seelenruhig ins Hotel, in dem er als Portier arbeitet, wünscht seinem Kollegen ein gutes Neues Jahr und verzieht sich erst mal ins Klo. Langsam werde ich nervös. Ich habe an sich nicht vor, das Neujahrsfeuerwerk an der Rezeption eines Hotels zu verbringen. Sandro taucht endlich wieder auf und wir rennen mehr oder minder an den Strand. Während wir noch debattieren, ob wir versuchen sollten, die anderen zu finden, fangen die weiß gekleideten (soll Glück bringen) Menschenmassen vor uns an, von zehn rückwärts zu zählen. Hoppla, es ist 2007.
Nach dem zugegebenermaßen sehr schönen Feuerwerk machen wir uns auf zum Treffpunkt, den ich eigentlich schon vorher mit Gunter, Marina und Christian ausgemacht hatte. Die hatten sich in der Zwischenzeit allerdings schon in Richtung Ipanema aufgemacht, wo die Black Eyed Peas nach Mitternacht ein Konzert am Strand geben sollten. Wir folgen dem Strom, einer vage Ahnung von dem, das da noch kommen wird. Falsch. Noch viel schlimmer.
Laut den Organisatoren des globalen Projekts "Nokia New Year?s Eve" (scheußlich, sogar Silvester wird schon globalisiert ? es fanden an verschiedenen Orten der Welt von Nokia organisierte Konzerte statt) befanden sich bereits um 0.45 zu Beginn der Show mehr als eine Million Menschen am Strand von Ipanema. Erwartet wurden zwei. Millionen, natürlich. Und wir erstickten beinahe im Menschenstrom auf dem Weg dorthin.
Aber noch ist es nicht soweit. Erst muss meine weiße Rose ins Meer geworfen werden. Sie wird der Meeresgöttin Iemanjá geopfert, um drei Wünsche erfüllt zu bekommen. Mal sehen, ob?s was hilft. Den Versuch, noch irgendetwas vom Konzert mitzubekommen, geben wir bald auf und tun uns lieber am ersten "podrão" des Jahres gütlich. Währenddessen versuche ich verzweifelt, Gunter am Telefon zu erreichen bzw. zu verstehen, was er sagt, als ich ihn dann endlich an der Strippe habe. Gar nicht so einfach. Nach etwa einer Stunde Wackelschritt und dem Ellenbogen des Vormannes im Magen sind wir am Posto 9 angelangt, wo wir doch glatt Gunter und Marina treffen. Ersterer lässt es sich später trotz Regen (oder gerade deswegen) nicht nehmen, das traditionelle erste Bad im Meerwasser zu nehmen und drückt der verdutzten Marina Hose und T-Shirt in die Hand. Mir wahr ehrlich gesagt zu kalt, um über die ersten sieben Wellen zu springen, was Glück bringen soll für's neue Jahr.
Als der Regen stärker wird und ich immer müder, machen wir uns auf den Heimweg fallen mit einem Lächeln auf den Lippen ins Bett. Wir gehörten zwar nicht zu den Wahnsinnigen, die in der ersten Reihe des Konzertes standen und auch nicht zu denen, die bis neun Uhr früh aushielten, ganz so großartig wie gerüchteweise gehört war's auch nicht, aber ich freue mich trotzdem auf ein Jahr voller neuer Erfahrungen und Geschichten.
In diesem Sinne: FELIZ ANO NOVO!!!
#anita klingler
























































