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Happy St. Patrick's Day!
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nettes verlies in der festung

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anemonenfisch aka clownfisch aka nemo


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wow - salzburg von oben ist cool!

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Fotografiert am 07.12.07 22:32
das absolute hammerkonzert im rockhouse!

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Rio Blog 2.33
vor 602 Tagen | Kommentare [2] | Tags: anita, brasilien, reisen, rio, silvester, stories | Autor: anita

Silvester in einer der bekanntesten Metropolen der Welt - Anita berichtet aus Rio de Janeiro.

Am 30. Dezember erreichte ich mit Höschen-geschädigten Nerven (man erinnere sich) die "Cidade Maravilhosa". Viel Zeit hatte ich nicht, mich von der Endlos-Busfahrt zu erholen, stand doch eines der angeblich beeindruckendsten Ereignisse des Carioca-Kalenders ins Haus: Silvester.

Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anitaOb ihr es glaubt oder nicht, Rio empfing mich mit Regen und seitdem (vier Tage) hat es kaum einmal eine Stunde nicht getropft. Großartige Voraussetzung für das größte Freiluftspektakel des Jahres. Doch alles der Reihe nach. Zusammen mit Leo und Jacques machte ich mich auf zu Sandro, der uns prompt als Hitler verkleidet begrüßte. Ich machte wohl ein recht fassungsloses Gesicht, weshalb er mich aufklärte, dass es seine persönliche Silvestertradition wäre, jedem anders verkleidet die Tür zu öffnen.

Wir speisten gemütlich und machten uns, natürlich viel zu spät (23.02), zusammen mit Sandros Mutter (Jacques war uns inzwischen auf der Suche nach seiner Brille verloren gegangen und ward seitdem nicht mehr gesehen) in Richtung Copacabana auf. Schnitt.

Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anitaEs ist 23.31 und wir sitzen noch immer im Bus. Stau. Es ist Zeit für das erste Bier. Ich versuche verzweifelt, meine Mitbewohner oder wenigstens irgendwen zu erreichen. War wohl nix. Wir verlassen den Bus, da wir vermutlich zu Fuß ohnehin schneller vorankommen. Wenn da nicht Sandro wäre. Der spaziert seelenruhig ins Hotel, in dem er als Portier arbeitet, wünscht seinem Kollegen ein gutes Neues Jahr und verzieht sich erst mal ins Klo. Langsam werde ich nervös. Ich habe an sich nicht vor, das Neujahrsfeuerwerk an der Rezeption eines Hotels zu verbringen. Sandro taucht endlich wieder auf und wir rennen mehr oder minder an den Strand. Während wir noch debattieren, ob wir versuchen sollten, die anderen zu finden, fangen die weiß gekleideten (soll Glück bringen) Menschenmassen vor uns an, von zehn rückwärts zu zählen. Hoppla, es ist 2007.

Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita
Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anita

Nach dem zugegebenermaßen sehr schönen Feuerwerk machen wir uns auf zum Treffpunkt, den ich eigentlich schon vorher mit Gunter, Marina und Christian ausgemacht hatte. Die hatten sich in der Zwischenzeit allerdings schon in Richtung Ipanema aufgemacht, wo die Black Eyed Peas nach Mitternacht ein Konzert am Strand geben sollten. Wir folgen dem Strom, einer vage Ahnung von dem, das da noch kommen wird. Falsch. Noch viel schlimmer.

Silvester in Rio de Janeiro; Bild: SN/anitaLaut den Organisatoren des globalen Projekts "Nokia New Year?s Eve" (scheußlich, sogar Silvester wird schon globalisiert ? es fanden an verschiedenen Orten der Welt von Nokia organisierte Konzerte statt) befanden sich bereits um 0.45 zu Beginn der Show mehr als eine Million Menschen am Strand von Ipanema. Erwartet wurden zwei. Millionen, natürlich. Und wir erstickten beinahe im Menschenstrom auf dem Weg dorthin.

Aber noch ist es nicht soweit. Erst muss meine weiße Rose ins Meer geworfen werden. Sie wird der Meeresgöttin Iemanjá geopfert, um drei Wünsche erfüllt zu bekommen. Mal sehen, ob?s was hilft. Den Versuch, noch irgendetwas vom Konzert mitzubekommen, geben wir bald auf und tun uns lieber am ersten "podrão" des Jahres gütlich. Währenddessen versuche ich verzweifelt, Gunter am Telefon zu erreichen bzw. zu verstehen, was er sagt, als ich ihn dann endlich an der Strippe habe. Gar nicht so einfach. Nach etwa einer Stunde Wackelschritt und dem Ellenbogen des Vormannes im Magen sind wir am Posto 9 angelangt, wo wir doch glatt Gunter und Marina treffen. Ersterer lässt es sich später trotz Regen (oder gerade deswegen) nicht nehmen, das traditionelle erste Bad im Meerwasser zu nehmen und drückt der verdutzten Marina Hose und T-Shirt in die Hand. Mir wahr ehrlich gesagt zu kalt, um über die ersten sieben Wellen zu springen, was Glück bringen soll für's neue Jahr.

Als der Regen stärker wird und ich immer müder, machen wir uns auf den Heimweg fallen mit einem Lächeln auf den Lippen ins Bett. Wir gehörten zwar nicht zu den Wahnsinnigen, die in der ersten Reihe des Konzertes standen und auch nicht zu denen, die bis neun Uhr früh aushielten, ganz so großartig wie gerüchteweise gehört war's auch nicht, aber ich freue mich trotzdem auf ein Jahr voller neuer Erfahrungen und Geschichten.

In diesem Sinne: FELIZ ANO NOVO!!!

#anita klingler

Rio Blog 2.32
vor 602 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, brasilien, reisen, rio, stories, umbuzeiro | Autor: anita

Mambembe und Reggae - Anita berichtet von Ausflügen nach Campina Grande und Recife.

Da war ich nun. In einem (tschuldigung) Kaff irgendwo im Nirgendwo, das in mir vermutlich seinen zweiten Gringo gesehen hat. Faszinierend, wie schnell Erinnerungen an Big Brother ? Das Dorf hochkommen (nicht, dass ich das jemals gesehen hätte...). Die Menschen sitzen in den Straßen und beobachten jeden deiner Schritte. Bevor du die nächste Ecke erreichst, hat sich dein Vorhaben, einen Ausflug nach Campina Grande, die nächste größere Stadt, zu unternehmen, bereits wie ein Lauffeuer verbreitet. Ich fühlte mich dementsprechend wohl in meiner Haut. Nicht jeden Tag wird man als Eindringling in den dörflichen Alltag betrachtet. Auch eine Erfahrung.

Jedenfalls fühlte ich mich bereits um einiges wohler in den großstädtischen Weiten Campina Grandes, wo wir zwei Tage mit Danilo und seinem Onkel Sandy verbringen sollten. Meine Mission war es, irgendwo doch noch ein Geschenk für Leos Mutter aufzutreiben, die zwar Weihnachten nicht feiert, aber sich doch über eine Kleinigkeit freuen dürfte. Meine Frage an Leo, was ich denn mitbringen sollte, war nicht besonders hilfreich. "Schenk ihr einfach etwas, das von Herzen kommt." Ich brachte also eine schöne Sonnen-Halskette aus Rio mit, worauf mir Leo prompt erklärte, dass die Dame (ebenfalls aus religiösen Gründen) keinen Schmuck trägt. Na wunderbar.

Campina Grande und Recife; Bild: SN/anitaAm Abend erwartete uns allerdings eine Überraschung. Nach elendig langen und faden Präsentationen des (potenziellen?) Tanznachwuchses der Stadt kündigte die mit überdurchschnittlich viel Atemluft ausgestattete Moderatorin (kann man tatsächlich eine halbe Stunde reden ohne zu atmen?) das "Auto do Menino Jesus" an, ein Theaterstück über die Geburt Jesu Christi. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein normales Theaterensemble, sondern um eine Truppe des Theaters Mambebe. Diese Form des Theaters hat ihre Wurzeln im europäischen Mittelalter. Damals gründeten sich Theatergruppen, die von Stadt zu Stadt zogen. Die Akteure wurden "Saltimbancos" genannt, "die ihre Häuser auf dem Rücken tragen". Das Repertoire reichte von Komödie bis Drama. Dabei war das Nomadenleben der Truppe keine freie Entscheidung. Die damals noch einflussreichere Kirche duldete kein profanes Theater, weshalb die Saltimbancos gezwungen waren, ihre Zelte jeden Tag woanders aufzuschlagen. Die Verfolgung durch die Kirche ging soweit, dass die Akteure begannen, ihre Gesichter mit Masken zu bedecken, um nicht erkannt zu werden. Aus dieser Tradition heraus entstand auch die heutige Form des Zirkus. In Brasilien ist diese fantastisch bunte und faszinierende Form des Theaters heute unter dem Namen Mambembe bekannt.

Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita
Campina Grande und Recife; Bild: SN/anita

Gleich am ersten Weihnachtstag ging mir Umbuzeiro bereits wieder auf den Geist. Stille, Meditation, unendlich weites Land - alles schön und gut. Doch mir gingen die Bücher aus. Außerdem wollte ich so viel wie möglich der Region kennen lernen. Also auf nach Recife! Hmmm. Gar nicht so einfach. Toyota nach Orobó, anderer Toyota zur Kreuzung São João, noch einer bis nach Limoeiro, wo dann ein Bus nach Recife fahren sollte. Den wir beinah verpasst hätten. Der Oberhammer war allerdings unser Busfahrer, der irgendwann anhielt, ausstieg und in ein Geschäft mit Hängematten rannte. Man sah ihn zwischen den aufgespannten Matten verhandeln, dann verschwand er und rannte kurz darauf wieder in Richtung Bus, eine Art Sitzmatte unter den Arm gekrallt.

In Recife hatten wir uns mit Sandy verabredet, der uns typisch brasilianische Anweisungen gab, welche Bus wir zu nehmen hätten, um zu ihm nach Haus zu gelangen. Ohne Kommentar. Dafür wurden wir dann auch gleich seiner gesamten Familie vorgestellt, die sich zum nachweihnachtlichen Brunch getroffen hatte. Immerhin hat der Gute ja nur 11 Geschwister. Dafür war die Stimmung hervorragend und für Essen und Musik wurde wahrlich gesorgt. Sandy spielt Gitarre wie ein Gott, Flamenco, Tango, Samba, Bossa Nova - was das Herz begehrt. Und zitiert zwischendurch Schopenhauer.

Campina Grande und Recife; Bild: SN/anitaRecife, die Hauptstadt Pernambucos und das Venedig Brasiliens, ist vor allem für seine wunderbaren Strände bekannt. Der Name, übersetzt "Riff", weist bereits auf die vor der Küste liegenden Korallenbänke hin, die den Ozean daran hindern, allzu viel kaltes Meerwasser in die Buchten zu schwemmen. Tatsächlich gleicht die Temperatur des Wassers in Recife eher jener einer zugegebenermaßen extrem großen Badewanne. In den letzten Jahren geriet die Stadt jedoch verstärkt wegen der häufiger werdenden Haiangriffe in die Schlagzeilen. Bei Umstrukturierungsarbeiten wurde offensichtlich der Lauf einiger Meeresströmungen verändert, welche die Haie zuvor außen an den Riffs vorbeiführte. Nun werden die Meeresbewohner direkt in die Bucht gespült, weshalb es von Vorteil ist, sich nicht weiter als 20 bis 30 Meter vom Strand zu entfernen.

Dennoch hat Recife einen ganz besonderen Reiz. Vor allem nachts zeigt sich die kulturell irrsinnig reiche Stadt von ihrer besten Seite. Leider sind meine Dokumentationsmöglichkeiten in diesem Fall recht beschränkt, da pünktlich zu Weihnachten meine Kamera den Geist aufgab. Vor allem das Lichtermeer und die zahlreichen kleinen Veranstaltungen sind aber unbedingt sehens- und erlebenswert Die Stadtregierung kümmert sich scheint's sehr darum, lokale Musik und Kultur zu fördern. Im Zentrum finden häufig kleinere Konzerte statt, gratis. Wir erfreuten uns im Fall an einem ausgezeichneten Reggae-Konzert von Bands aus der Umgebung, bevor es erst wieder nach Umbuzeiro und am selben Tag zurück nach Rio ging. Und ratet, was mir mein Nachbar auf der anderen Bank für einen Soundtrack bescherte. Ja genau, Calcinha Preta.

#anita klingler

Rio Blog 2.31
vor 602 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, reisen, rio, stories, umbuzeiro, weihnachten | Autor: anita

Alle Jahre wieder - und heuer doch völlig anders: Weihnachten im Nordosten Brasiliens.

Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anitaPernambuco ? die Heimat des Forró. Wer denkt, es handle sich dabei um einen speziell brasilianischen Weihnachtsbrauch, irrt ganz gewaltig. Forró ist eine ganz besondere Musikrichtung, die vor allem im Nordosten Brasiliens beliebt ist. Am ehesten vergleichbar ist sie vielleicht mit einer modernen, flotteren Version unserer Volksmusik. Bloß brasilianisch halt. Und die Texte sind ein bisschen schlüpfriger. Nicht umsonst heißen die zwei aktuell beliebtesten Forró-Bands "Calcinha Preta" (Schwarzes Höschen) und "Afrodite". Was das mit Weihnachten zu tun hat? Viel, denn außer Forró hört man zumindest im Nordosten nur Songs à la "Jesus, du bist meine einzig große Liebe".

Vor allem in den ärmeren Gegenden Brasiliens hat sich der Katholizismus verstärkt gehalten. Der Großteil der Menschen hier ist stark gläubig in einer Form, die uns Mitteleuropäern schon beinahe absurd erscheint. So steht zum Beispiel an der Innenseite unseres Transport-Toyotas zu lesen: "Jesus ? Das Geheimnis meines Erfolges" zusammen mit einem Bild der Gottesmutter Maria "Die Mutter meines Herrn". Umso überraschender erscheint es, dass sich in Brasilien relativ wenige europäische Weihnachtstraditionen gehalten haben. Es gibt beispielsweise keine Vorbereitungszeit, keinen Advent. Auch traditionelle Weihnachtslieder werden kaum gespielt und wenn, dann handelt es sich meistens um eine aktualisierte Forró-Version (daher der Zusammenhang...). Dabei mutet es doch etwas seltsam an, Klassiker wie "Stille Nacht, heilige Nacht" oder "Jingle Bells" über das mit allerlei Marktgelände von Surubim tönen zu hören, und das auf Portugiesisch.

Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anitaDer Weihnachtsbaum wird in Brasilien bereits Anfang Dezember aufgestellt und geschmückt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine Plastiktanne, zur Not werden auch Palmen und Gummibäume umfunktioniert. Der Weihnachtsschmuck übertrifft in Brasilien jegliche europäische Erwartung. Alles glitzert, glimmt und blinkt. Je mehr desto besser.

Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anitaAm Abend des 24. Dezember kommt in Brasilien weder das Christkind, wie in unseren Breiten üblich, noch die Heiligen Drei Könige (wie zB in Spanien üblich). Ganz nach amerikanischem Vorbild ist es "Papai Noël", der Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt. Die "Véspera de Natal", der Weihnachtsabend, steht wie bei uns im Zeichen der Familie, gespeist wird jedoch ebenfalls traditionell amerikanischer Truthahn und am Morgen des ersten Christtages "Salada de Bacalhão" (Salat mit Kartoffeln, weißen Bohnen und Polardorsch). Dazu gibt es Walnüsse und "Rabanada" (süßes Milchbrot mit Zucker und Zimt).

Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita
Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita
Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita
Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita
Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita
Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anita

Die gläubige Bevölkerung trifft sich zur "Missa do Galo", der Christmette, alle anderen erwarten ebenfalls sehnsüchtig die Mitternacht, denn dann ist es Zeit, die Geschenke auszutauschen. Dies geschieht häufig in Form des Spiels "Amigo culto". Dabei werden die Namen der zu Beschenkenden notiert und die Zettel in einen Beutel gesteckt. Jeder zieht den Namen eines der Anwesenden und die anderen müssen raten, wer von wem beschenkt werden soll.

Es weihnachtet sehr...? Bild: SN/anitaMein persönliches Weihnachten fiel heuer etwas eigenartig aus. Zum ersten Mal feierte ich nicht mit Eltern, Familie und Freunden in Westendorf. Ebenfalls zum ersten Mal kletterte das Thermometer auf knapp 40°. Da Leos Mutter evangelisch ist und es aus diesem Grund vorzieht, Weihnachten nicht zu feiern, gab es in Umbuzeiro für mich nicht viel zu erleben. Wir machten uns also auf in das Nachbardörfchen Bom Jardim, wo wir einige Freunde und Bekannte Leos trafen und ganz friedlich DVD schauten. Der Bus zurück nach Umbuzeiro kam nicht wie geplant um 19.00 (es gibt täglich nur drei), weshalb wir eine Stunde an der Haltestelle saßen. Zumindest mit einem selbstgekauften fetten Stück Schokotorte zum Trost. Zu Hause erwartete uns gähnende Leere und Harry Potter II im Fernsehen, den ich mir mit Freuden zum fünften Mal anschaute. Leo wird stattdessen nun, nachdem ich ihm eine erste Lektion in Pottermanie gegeben habe, die Bücher lesen. Wer?s glaubt wird selig.

Besonders besinnlich fällt sich also nicht aus, die brasilianische Weihnachtszeit. Was jedoch auch den Brasilianern wichtig ist, sind Freunde und Familie, mit denen die Feiertage verbracht werden. In diesem Sinne, nachträglich Frohe Weihnachten!!!

#anita klingler

Rio Blog 2.30
vor 602 Tagen | Kommentare [0] | Tags: anita, musik, reisen, rio, stories, umbuzeiro | Autor: anita

Laute Vorweihnachtszeit in Umbuzeiro im Nordosten Brasiliens.

Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anitaDie stillste Zeit im Jahr (die in Brasilien nicht ganz so still abläuft, schließlich hat man hier Temperament) stand heuer in Umbuzeiro (Paraíba) ganz im Zeichen der Musik. Eine Woche vor Weihnachten fand zum vierten Mal das Unirock-Festival statt, bei dem es sich keineswegs um bloße Unterhaltung handelt. "Musik gegen den Hunger" lautet der Slogan der Veranstaltung, die vor vier Jahren von fünf Jugendlichen aus Umbuzeiro ins Leben gerufen wurde. Im ersten Jahr konnten unglaubliche 400 Kilo an Lebensmitteln als "Eintrittskarten" gesammelt und an die bedürftigsten Einwohner Umbuzeiros verteilt werden.

Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anitaDie 8.500-Einwohner-Stadt Umbuzeiro befindet sich direkt an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Pernambuco und Paraíba im Nordosten des Landes. Die Region gehört zu den trockensten und zugleich ärmsten Gegenden ganz Brasiliens. Es gibt nur zwei Jahreszeiten, Regen- und Trockenzeit. Es regnet etwa von April bis August, die Regenmenge ist jedoch sehr gering. Schlechte Infrastruktur, noch weniger Arbeitsplätze als in den urbanen Zentren und Alkoholprobleme machen den Bewohnern und vor allem der Jugend zu schaffen. Dr. Eduardo Gómes, Anwalt und Historiker Umbuzeiros, bringt die Situation auf den Punkt. "Ein unbeschäftigter Geist hat keine Perspektiven." Danilo Bezerra, einer der Organisatoren des Unirock-Festivals schlägt in die gleiche Kerbe. "Hier sterben schon 15-Jährige an einer Leberzirrhose. Es sind die verhärteten politischen Fronten und der Alkohol, die diese Stadt daran hindern, sich weiter zu entwickeln." Hier sei man entweder "tempero" (grün) oder "coloral" (rot), dazwischen gebe es nichts. Tatsächlich wurde sogar die Integrität der Veranstaltung in Frage gestellt, da der Schriftzug in gelb gedruckt worden war, der Farbe der (der Stadtregierung entgegen gesetzten) Landesregierung Paraíbas.

Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita
Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anita

Dabei habe gerade Umbuzeiro das Potential, eine gut entwickelte und kulturell reiche Stadt zu sein, sind sich Gómes und Bezerra einig. Mit Assis Chateuabriand, erfolgreicher Unternehmer und Medienmogul, und Epitácio Pessoa, Präsident der Republik von 1919 bis 1922, wurden hier schließlich einige der wichtigsten Männer der Geschichte Brasiliens geboren. Die Geschichte der Stadt ist also reich, die Menschen leben jedoch häufig am Existenzminimum. Laut dem Geografischen Institut Brasiliens (IBGE) bestreiten die Bewohner Umbuzeiros ihr Leben zum Teil mit nur einem "salário mínimo", einem Mindestlohn von 350,- Reais. Die UNO reihte Umbuzeiro hinsichtlich seines Human Development Index unter die am schlechtesten entwickelten Städte Brasiliens. Brasilien allgemein besitzt einen mittleren Entwicklungsstand und befindet sich damit in einer Reihe mit Ländern wie Kolumbien, Namibia und Samoa.

Unirock in Umbuzeiro; Bild: SN/anitaGenau aus diesem Grund möchten Danilo Bezerra und seine Kollegen jedes Jahr wieder auf die Situation der Stadt aufmerksam machen und die Menschen motivieren, die Situation zu verbessern. Heuer fand das Unirock-Festival zum ersten Mal unter freiem Himmel statt. Sogar Cabruêra, eine der größten Bands aus Paraíba, die bereits zwei Europatouren erfolgreich hinter sich gebracht hat, erklärte sich bereit den Event zu unterstützen. Für Unterhaltung war also bestens gesorgt. Dennoch blieb eine dunkle Wolke hängen. Dieses Mal mussten keine Lebensmittel als Eintritt "bezahlt" werden. Dementsprechend mager war die Ausbeute. Nicht einmal 50 kg wurden dieses Mal gespendet. Danilo Bezerra ist trotzdem zuversichtlich. "Wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Jetzt liegt es an den Umbuzeirenses, ihren Teil dazu beizutragen." Nicht zuletzt ist schließlich Weihnachten.

#anita klingler

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