und wie ich durch einen Georg Danzer für mich entdeckt habe.
Ich hab schon immer gerne und mit viel Interesse Nachrufe gelesen. Meist von Menschen bzw. Künstlern, die ich nicht oder kaum kannte. Weil, von den Leuten, die ich kenne, deren Karriere/Werk ich verfolgt habe, weiß ich eh alles. Und jedes Mal beim Nachruf lesen hat mich ein etwas schlechtes Gewissen beschlichen, so nach dem Motto "Jetz wo er tot is, interessiert dich für ihn, vorher net."
Das ist, glaube ich, eine menschliche Reaktion. Wir erkennen den Wert von Dingen erst wenn sie nicht mehr da sind. So erfahren auch viele Künstler erst die gebührende Anerkennung, wenn sie nicht mehr am Leben sind und nichts mehr davon haben. Was manchmal schräge Blüten treibt, wenn sich Menschen in ihrer Trauer und ihrer Erinnerung an den Verstorbenen selbst inszenieren, so passiert bei Notorious B.I.G.
Doch ich will woanders hin. Denn Nachrufe haben einen Vorteil. Sie fassen zusammen und selektieren. Das Lebenswerk eines Künstlers zu überschauen ist fast unmöglich. Jeder hat so seinen Liebling, dessen Werk und Karriere er verfolgt, aber alles im Blick zu haben ist unmöglich. Und seit das Internet das alles noch mehr beschleunigt und vervielfacht hat, uns täglich aktuelle Hypes, neues junge Hoffnungsträger und Talente und immer mehr Legenden präsentiert, von denen noch nie wer was gehört hat, ist es noch schwerer geworden, den Überblick zu behalten.
Ich hab Georg Danzer nie gehört. In der Unterstufe, als ich mich mit Austropop vollgeladen habe, war er nicht dabei. Alle meine Quellen damals legten auf ihn nicht soviel Wert, also blieb es bei Ambros, Fendrich, STS, EAV, Ostbahn Kurti und den üblichen Verdächtigen. Als Resultat dachte ich mir immer wieder, er sei halt nicht so wichtig.
Vor ein paar Jahren spielte mir dann ein Freund den "Legendären Wixerblues" vor, ein brillanter Spass, aber kein Grund für mich, Danzer genauer zu betrachten. Letzten Winter dann die Austropopdoku "Weltberühmt in Österreich" mit einigen Danzer Interviews, mit denen er sich zwar als sympathischer Mensch bei mir eingenistet hat, aber immer noch nicht als ein Künstler, den ich unbedingt hören muss.
Jetzt ist er gestorben. Die Berichte über ihn waren nicht zu übersehen und ich hab den Nachrauf auf Georg Danzer im profil gelesen. Und dieser Nachruf hat für mich selektiert. Er hat die wichtigsten Stationen seines Lebens aufgelistet, Lieder, die erfolgreich waren ebenso genannt, wie Lieder, die Danzer selbst als wichtig empfand.
"Laß mi amoi nu d'Sun aufgeh segn" kam immer wieder. Das Lied war mein Einstieg. Angeblich war dieses Lied (von dem ich mittlerweile herausgefunden habe, dass es ein Danzer Klassiker ist) die letzte Zugabe in seinem letzten Konzert. Es mit diesem Wissen zu hören schnürt einem schon irgendwie die Kehle zu.
So hab ich mich durchgehantelt, mehr Lieder von ihm gesucht, ausgeborgt, gefunden, entdeckt, gekauft und hör ihn momentan täglich. Und ich komme zum gleichen Schluss, wie die meisten Nachrufe - Georg Danzer war tatsächlich ein großer Poet und Songschreiber und mit Ludwig Hirsch einer der besten und pointiertesten Texter, den wir hatten.
Vielleicht ist es für mich schade, dass ich erst nach seinem Tod draufgekommen bin, wie gut er ist. Zumindest war Danzer keiner, dem zu Lebzeiten die Anerkennung versagt geblieben ist. Er hat sicher ganz gut damit gelebt, dass der Schwarz Christoph aus Linz ihn nicht kennt. Und so wie ich das sehe, freut er sich auch jetzt, wenn Leute seine Musik entdecken.
Also sei auch von meiner Seite Georg Danzer, der mir grad sehr viel Freude macht, nachgerufen, indem ich selektiere. Viel kann man in zwei Wochen nicht aufholen, aber einen Einstieg für Leute, die ihn, so wie ich, nicht kennen, bring ich fertig:
1. Der legendäre Wixerblues von 7. Oktober 1976
2. I bin a Kniera (Die goldene Kniescheibe)
3. Ich sehne mich (stellvertretend)
4. I wü nu ned hamgeh
5. A oide Drecksau
6. Tschik
7. Zieh dich bitte aus
8. Du mi a
9. Laß mi amoi no d'Sun aufgeh segn
BONUS TRACKS (der Vollständigkeit halber, weils angeblich auch Klassiker sind. I finds aber net soooo super):
10. Jö schau
11. Hupf in Gatsch











































