Vergangenes Wochenende ging ein kleines, aber lautes Rockfest in Niedernsill über die Bühne. Eine handvoll Salzburger Rock-Acts sowie die Headliner Julie's Haircut ließen gehörig die Bude wackeln.
Nein, in Niedernsill beim Stakkato handelt es sich um kein Bierzelt, das sich von seinen Lederhosen kurzfristig entledigt hat und so tut als trüge es Fetzen-Jeans. Nein, dort spielen keine Cover-Bands von irgendwelchen Rockdinosauriern. Denn der Sammerstall ist ein revitalisierter Altbau mitten in Niedernsill, gleich neben der Kirche, welcher für Festivitäten und kulturelle Veranstaltungen aller Art genutzt wird. Und da dachten sich die Bandmitglieder der Oberpinzgauer Rockungeheuer Low Light im Jahre 2005, dass dies ein guter Platz sei, um ein eigenes, alternatives Konzertwochenende ins Leben zu rufen. Gesagt getan. Und so fand vergangenes Wochenende, am 8. und 9. Dezember, bereits zum zweitem mal das Stakkato-Festival statt.
Auch diesmal hatten die Organisatoren keine Kosten und Mühen gescheut und zwei äußerst attraktive Hauptacts für sich gewinnen können. Zum einen das Grazer Blues-Urgestein Ripoff Raskolnikov, zum anderen die italienische Antwort auf Sonic Youth: die fabelhaften Julie's Haircut. Aber der Reihe nach.
Der Startschuss fiel am Freitag durch eine kraftvolle Show der 2004 gegründeten Gasteiner Band Soundbreed. Bei ihren hammerharten Songs ist eine gleichzeitige Melodieverliebtheit nicht zu überhören. Sänger und Bassist der Band ist Chris Thaurer, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen gleich zu Beginn des Fests die Marschrichtung vorgab: Ohne Schnörkel rocken, und zwar geradeaus.
Frame lieferte anschließend den Beweis für ihre Eingeschworenheit als Band. Es war spür- und hörbar, wie gut sich die Herren Angelo Hold, Nick Edinburgh und Kris Karios musikalisch verstehen, wie viel sie bereits gemeinsam gespielt haben - unter anderem absolvierte die Halleiner Formation bereits eine kleine China-Tournee. Flirrende Gitarren, eine massige Rhythmussektion und ein flehender (phasenweise zweistimmiger) Gesang erinnerten nicht nur an Muse, sondern auch an die großen 80er und 90er Jahre-Rockhelden Spaniens, die Heroes del Silencio.
Apropos Silencio. Nach derartig elektrifizierenden Performances hatte es Ripoff Raskolnikov gemeinsam mit seinem Percussionisten Ismael Barrios beim Publikum hörbar schwer mit seiner fragileren, leiseren Darbietung. Zwar gut die Hälfte der ca. 80 Saalgäste lauschte dem "österreichischen Tom Waits" mit Bedacht und Verzückung, die andere Hälfte aber plärrte sich gegenseitig die Ohren voll und übertönte dabei fast die Musik. Ein Umstand der zur Konsequenz hatte, dass nach einer Stunde Spielzeit, ein wunderbares, durch zu laute Hintergrundgeräusche aber empfindlich gestörtes Raskolnikov-Konzert zu Ende ging. Jene, die aber gelauscht hatten, hörten dreckigen Blues, romantische Balladen und rebellische Ausbrüche - von Ripoff Raskolnikovs wüster Stimme vorgetragen und Ismael Barrios' Percussion kongenial verfeinert bzw. getrieben.
Am zweiten Tag dann war die Zeit für die Hausherren und Organisatoren gekommen. Low Light erklommen die Bühne, welche übrigens von einem massiven Holzbalken an der Decke praktisch zweigeteilt wurde, der für die ein oder andere Beule an Musikerstirnen sorgte. Wie ein Schlag ins Gesicht funktioniert mitunter auch der Sound von Low Light. Trocken, brachial und wütend dröhnte es aus den Boxen, als sich die Herren Martin Schönegger, Christoph Kirchner, Christian Wimmer und David Teglar die Ehre gaben. Ein paar dünn gesäte, leise Momente dazwischen machten ihre darauf folgende, epische Wucht so richtig greifbar.
Die Steaming Satellites aus Abtenau übernahmen anschließend das Ruder. Aus der Hard-Rockformation Lizard Beauty hervorgegangen, entwickelte das Quartett einen neuen, vertrackteren Sound, der auch in Niedernsill bestens funktionierte. Lange, ineinander übergreifende Nummern, voller psychedelischer Strahlkraft und pointierter Härte gepaart mit höchstem Körpereinsatz sorgten für Erregung.
Low Light und die Steaming Satellites hatten also ganze Arbeit geleistet, um auf den Höhepunkt und Abschluss des Festivals gebührend vorzubereiten. Mit Julie's Haircut passierte nämlich wahrlich Großes auf der kleinen Bühne. Die sechsköpfige italienische Band rund um Mastermind Luca Giovanardi und Bassistin Mara Luisa Mariani erinnert stellenweise an die US-Götter der Indierockwelt: Sonic Youth. Minimalistischer Gesang trifft hier auf eine Spielfreude, die ihresgleichen sucht. Up-Tempo-Trip-Hop-Punk oder in allen Farben strahlender Art-Rock ist vielleicht die treffende "Schubladisierung" dafür.
Seit 1994 gibt es die Band aus Bologna bereits, das Line-Up war während all der Jahre einem ständigen Wechsel unterzogen. Seit 1999 wurden vier Alben veröffentlicht. In Niedernsill konzentrierten sich die Musiker aber auf ihr jüngstes Werk "After Dark, My Sweet". Rund die Hälfte der Songs kam dabei ohne Gesang aus. Stattdessen wurden fleißig Knöpfchen gedreht, Saiten gezupft und Keyboards oder auch ein Xylophon nach allen Regeln der Lust bearbeitet.
Manchmal düster, fast immer schweißtreibend und Glückshormone-fördernd war das. Übrigens handelte es sich um den ersten Auftritt von Julie's Haircut in Österreich. Für alle Fans von Super Mario und Luigi noch ein Tipp: Das aktuelle Video "Satan Eats Seitan", welches zum Beispiel auf der Homepage der Band gesichtet werden kann, wird euch gefallen ...
Bleibt noch zu sagen, dass es sich beim Stakkato 2006 neben den grandiosen Hauptacts, um ein äußerst lautes Lebenszeichen Salzburger Rockmusik handelte. Darüber hinaus ist den Organisatoren ein großes Lob auszusprechen, da ihrem Engagement rein idealistische Motive zu Grunde liegen. Und der ein oder andere Organisationsfehler wird sicher beim nächsten Mal ausgemerzt. In diesem Sinne: Rock on - beim Stakkato 2007!
# Robert Innerhofer
Band Homepages:
www.julieshaircut.com
www.lowlight.at
www.frame-online.com
www.soundbreed.com
www.steamingsatellites.com
Bildergalerie vom Stakkato 06:
















+super line-up war das, jaja.
@swallowed: Ich hoffe die Zuständigen strengen sich 2007 auch wieder an, um ein kompaktes und interessantes Line-Up auf die Beine zu stellen. Aber da bin ich eigentlich ganz zuversichtlich ;-)
I steht für integer, interessant oder auch einfach nur Innerhofer oder Innenpolitik.
W"i"edermal ein "I"nteressanter Art"i"kel.
Finde gut, daß im ländlichen Raum entwas passiert. Es ist sowie so traurig genug, daß hier sich immer wieder Behörden und Anrainer bemühen Veranstaltungen, gerade der Alternativ-Szene, zu verhindern oder zu erschweren. Zumindest hab ich an meine Jugend genug solcher Erinnerungen. Drum kann man den Unternehmungen von Low Light und anderen engagierten Organisatoren nur applaudieren und mit dem Erscheinen der eigenen Person bei solchen Events würdigen und honorieren. Und so eventuelle Nachahmer "i"nsp"i"r"i"eren
lg
Mäx
da merkt man, dass sich der verfasser diese zeilen auch wirklich mit der musik und den bands auseinandergesetzt hat.!
lg kris