"We are scientists" und ihr Glücksfall von einem B-Seiten Album "Crap Attack", dass viel besser ist als uns der Titel weismachen will.
Es ist schön, wenn einen das Gefühl nicht täuscht. We are Scientists waren im heurigen Kalendarjahr eines der Glanzlichter in der Flut von Indie-Gitarrenbands aus englischen (und englischen klingenden) Garagen. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie aus New York kommen oder, dass sie ihr Debütalbum nach einem meiner Lieblingsbücher benannt haben (hier komme ich kurz meinem Bildungsauftrag im Rahmen meiner Tätigkeit als verantwortungsvoller Musikkritiker für die ehrwürdigen SN nach und empfehle Weltliteratur - J.D. Salingers "For Esme - With Love and Squalor"), jedenfalls hatten We are Scientists 2006 einfach die besseren Songs im Garagenbandlager. Ein tolles Gespür für Melodien, druckvoll spielt, zeichneten sie sich außerdem dadurch aus, nichts von dieser bierernsten, arroganten Indie-Attitüde an sich zu haben, die die Mando Diaos dieser Welt so unsympathisch macht. Ganz im Gegenteil, diese Band hatte sogar Spaß in und an ihrer Musik.
Jetzt erscheint also kurz vor Weihnachten ein B-Seiten und Raritäten Album namens Crap Attack (bin mir noch nicht sicher, ob ich den Titel cool, weil selbstironisch finde oder doof, weil etwas zu bemüht), wo doch vor noch nicht mal 12 Monaten das Debüt in die Regale kam. Riecht alles schon sehr nach Geschäft, Kuh melken und das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Wo soll eine Band mit gerade einem Release genug brauchbares Material für so ein Album her haben? Darf man fragen. Und ob das Ganze gut ist oder nicht doch nur zweit- und drittklassige Ausschussware zum Kohle abstauben, darf man ebenfalls fragen.
Gut, dass ich hier die Antworten gebe. Ja, es ist gut, sehr sogar und wenn das hier für We are Scientists Ausschussware ist, dann sollte sich die Indie-Gitarren Kollegenschaft langsam ranhalten.
Crap Attack versammelt B-Seiten (das breitbeinige Rockviech "Ram it home"), Outtakes ("History repeats", "Surprise"), sowie Remixe und neue Versionen von bekannten Albumtracks. Die sind alle mit dem Zusatz "under the sea" versehen und die Band ist sogar in der Lage diesen Songs im neuen Gewand neuen Facetten hinzuzufügen, so zum Beispiel bei der Akustikversion von "Nobody move, nobody gets hurt", die hier dann halt "Nobody move, nobody gets hurt under the sea" heißt.
Wirklich wegschmeißen wird sich der geschmackssichere Hörer allerdings bei den Coverversionen, die die Band hier präsentiert: "Bang, Bang Rock & Roll" von Indiekollegen Art Brut. Das ewiggrüne "Be my baby". Ganz, ganz großartig. "Hoppipolla" von Sigur Ros, auf zwei Gitarren gespielt und wirklich auf isländisch gesungen. Glücklich machend. Ja, und als Krönung wird auch noch der gute Bela B. gecovert. Der hat sie mal eingeladen, seinen Song "Sie hat was vermisst" als B-Seite aufzunehmen, was sie natürlich prompt und ebenso natürlich auf Deutsch gemacht haben.
Zusätzlich zum Album gibt es eine DVD, wo zu allen Songs auch Videos (von ganz ok bis ziemlich super) drauf sind und zu jedem einzelnen Song stehen schöne, persönliche Linernotes ins Booklet.
Eine feine Runde Sache dieses Crap Attack. We are Scientists präsentieren sich ein zweites Mal heuer als drei der talentiertesten, entspanntesten und lustigsten Indiegitarrenschrammler dieser Welt und lassen für die Zukunft hoffen. Es ist schön, wenn einen das Gefühl nicht täuscht.
# christoph schwarz















