Die engagierte Dokumentation des Pinzgauer Hobby-Filmemachers Willi Schwarzenbacher über den Alltag in Äthiopien wird am Freitag dem 2. März im SN-Saal gezeigt.
Der 28-jährige Bramberger Willi Schwarzenbacher ist eigentlich ausgebildeter Mediziner, 2005 beendete er erfolgreich sein Studium in Innsbruck. Was ihn aber abseits von diesem Berufsfeld noch so alles reizt, ist nicht unbedingt typisch für einen frischgebackenen Doktor. Als Sohn einer Kleinbauernfamilie ist er verrückt nach Traktoren und veranstaltet sogar jedes zweite Jahr im Bramberger Schotterbruch ein Traktorrennen. Er ist begeisterter Drachenflieger und kann sich schon mal in einem Monolog über Schafe verlieren. Was Willi Schwarzenbacher aber vor allem interessiert, ist in Eigenregie dokumentarische Filme zu drehen, die oft unkonventionell gemacht sind und meist behutsam eine Botschaft transportieren wollen.
Nach den Filmen "Dahoam und Wo onnascht" (2001-02) und "Jesus sprach: Sei ein Mann" (2004) ist sein neuestes Filmprojekt nun auch das engagierteste bislang. Der 40-minütige Film "Mittelpunkt der Welt" wurde im Sommer 2006 in einem der ärmsten Länder der Welt, in Äthiopien gedreht. Doch alleine wäre es für Willi Schwarzenbacher unmöglich seine Projekte zu realisieren. So steht ihm sein treuer Freund und Kollege, der Animationskünstler Roland Zeller aus Mittersill stets mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam besuchten sie Äthiopien mit dem Wunsch einen Film zu schaffen, der einen kleinen Beitrag zur Sensibilisierung für die Anliegen der Ärmsten der Armen auf dem Schwarzen Kontinent leisten kann. Darüber hinaus soll dazu aufgerufen werden, für Karl-Heinz Böhms langjähriges Projekt "Menschen für Menschen" eine kleine Spende zu leisten.
Der frühere österreichische Schauspieler, der sich gemeinsam mit seiner Frau Almaz seit 25 Jahren durch seine Organisation für die Selbstentwicklung Äthiopiens stark macht, empfing die Pinzgauer Filmemacher, um ihnen Einblicke in seine Arbeit zu gewähren. 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abeba wird beispielsweise versucht die Lebensbedingungen der Landbevölkerung durch gezielte landwirtschaftliche Maßnahmen zu verbessern. Auch Schulen wurden von den Filmemachern besucht, die es schaffen in ihrem Film zwar die tragische Realität ungeschönt zu zeigen, trotzdem aber auch die Hoffnung und die Freude der Bevölkerung, allen voran jene der Kinder, geschickt in die Doku einzuflechten. Somit wird nicht Mitleid für den Seher zum bestimmenden Gefühl, sondern Verwunderung.
Dies wird zum Beispiel durch pointierte Vergleiche zwischen den Arbeitsbedingungen österreichischer Bauern und ihrer äthiopischen Berufskollegen erreicht. Das simple Aneinanderreihen von Aufnahmen saftiger, heimischer Wiesen und dem verdörrten Land Äthiopiens transportiert eine unmissverständliche Botschaft. Die überaus harten, fast unmenschlichen Arbeitsbedingungen junger Äthiopischer Frauen in Steinbrüchen brennen sich beim Seher ebenfalls ins Gedächtnis ein. Ungewöhnlich ist mitunter die filmische Umsetzung. So schreckt Willi Schwarzenbacher auch nicht davor zurück seine Off-Kommentare gelegentlich im Pinzgauer Dialekt zu halten. Überhaupt ist dem Film eine erfrischende Eigenwilligkeit nicht abzusprechen.
Neben den offensichtlichen Problemen wie mangelnder Infrastruktur, Wasserknappheit, ungenügendem Know-How, immensen Bildungsdefiziten oder auch Aids, ist es aber vielfach auch die mangelnde Bereitschaft zur Eigeninitiative, die dem Land, den Menschen zu schaffen macht. So waren auch Willi Schwarzenbacher und Roland Zeller beim Drehen ihrer Dokumentation bis ans Äußerste gefordert. Umso höher ist ihre verantwortungsbewusste, über weite Strecken selbst finanzierte und somit rein idealistische Arbeit einzustufen.
Am Freitag dem 2. März 2007 wird der Film "Mittelpunkt der Welt" um 19 Uhr 30 im SN-Saal gezeigt. Almaz Böhm wird ebenfalls anwesend sein. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit mit Fragen an die Filmemacher heranzutreten. Der Eintritt ist frei, doch freiwillige Spenden zugunsten der Aktion "Menschen für Menschen" werden erbeten.
# Robert Innerhofer
INTERNET:
www.menschenfuermenschen.de
Homepage der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen"
www.willischwarzenbacher.com
Homepage des Filmemachers Willi Schwarzenbacher
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Es war auch ein sehr stimmungsvoller und gelungener Abend gestern. Der Film war wieder leicht verändert, da die Macher ihre Arbeit stetig "updaten". Irgendwann wird er aber fertig sein ...
Willi Schwarzenbacher hat sich bei seinen kurzen Reden sehr engagiert und zugleich diplomatisch und witzig-legere gezeigt - und dies entspricht auch seinem Film.
Die anschließenden, ungezwungenen, aber aufmerksamen Fragen der Seherschaft an Almaz Böhm rundeten den Abend wunderbar ab. Die gebürtige Äthiopierin konnte natürlich viele, zum Teil erstaunliche Hintergrundinformationen über das Leben und die Menschen in ihrem Land geben und berichtete von ihrer Arbeit für "Menschen für Menschen".