Sexuelle Belästigung ist ein heikles Thema, das gerne unter den Teppich gekehrt wird. Die Opfer werden nicht nur in ihrer Intimsphäre verletzt, auch psychische Störungen sind vorprogrammiert. Dass sexuelle Gewalt hauptsächlich in bestimmten Milieus passiert, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Auch scheinbar sichere Betriebe wie die Uni-Salzburg sind von davon betroffen. Die Initiative ?Weg vom Tabu! kämpft aktiv gegen sexuelle Gewalt an der Universität Salzburg.
Das Bild ist schockierend, dennoch Realität: Ein Klaps auf den Hintern, ein perverser Witz, der ordinäre Kalender im Büro. Sexuelle Belästigung äußert sich in unterschiedlichen Formen und ist meist unangenehm - für das Opfer wie für sein Umfeld.
Daniela Werndl als Vorsitzende im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen und Karoline Bankosegger, Leiterin des gendup-Zentrums der Uni-Salzburg, wissen wovon sie sprechen: ?Sexuelle Übergriffe zerstören meist alle Grundlagen eines positiven Arbeits- bzw. Studienklimas und sind für das Opfer demütigend, unangenehm und zudem entwürdigend?, erklärt Karoline Bankosegger. Aus Beratungsgesprächen mit Studierenden ist ihnen bewusst geworden, dass sexuelle Belästigung auch an der Uni-Salzburg ein virulentes Thema ist. Deshalb stellten sie vor zwei Jahren die Initiative ?Weg vom Tabu! Gegen sexuelle Belästigung an der Universität Salzburg? auf professionelle Beine, um den Opfern eine Anlaufstelle zu bieten.
Frauen wie Männer werden sexuell belästigt
?Beide Geschlechter sind von sexuellen Missbräuchen betroffen: Zwischen 40 und 50% aller Arbeitnehmerinnen bzw. 10 % aller Arbeitnehmer in der EU werden in ihrem Erwerbsleben mindestens einmal sexuell belästigt. Eine Zahl, die zu denken geben soll?, erklärt Bankosegger. ?Hauptsächlich finden die Übergriffe von Männern auf Frauen statt.?
Eine Untersuchung im Jahr 2004 ergab, dass sexuelle Belästigung kein Einzelfall ist, sondern sich längst zu einem weit verbreiteten Phänomen entwickelt hat:
Jede zweite Frau muss sich Bemerkungen über ihre Figur oder ihr Privatleben anhören.
Jede dritte Frau wird mit Po-Klapsen, pornografischen Bildern oder unerwünschten Einladungen konfrontiert.
Jeder fünften belästigten Frau wird überraschend an die Brust gefasst.
Jede zehnte belästigte Frau wird zum Geschlechtsverkehr aufgefordert.
Jeder zwanzigsten wurde im Falle einer sexuellen Verweigerung mit beruflichen Nachteilen gedroht.
In den meisten Fällen handle es sich um wiederholte Übergriffe, die Opfer sind oft jahrelang der Belästigung ausgeliefert. Interessant ist, dass die Quote in jenen Betrieben höher ist, in denen sexuelle Gewalt tabuisiert bzw. still toleriert wird. ?Deshalb ist es wichtig, das Thema direkt anzusprechen und es wahrzunehmen?, sagt Daniela Werndl. Nur so könne eine Sensibilisierung erreicht und eine Gegenwirkung erzielt werden.
Wie äußern sich sexuelle Übergriffe?
Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Ausdrucksformen von sexuellen Übergriffen unterscheiden:
Die nonverbale Gewalt:
damit sind zum Beispiel ein sexistisches Anstarren, pornografische Bildschirmschoner und Kalender, herabwürdigende Gesten und Provokationen, etc. gemeint;
die verbale Gewalt:
diese macht rund 66 % aller Übergriffe aus und umfasst Ausdrucksformen wie sexistische Witze, Bemerkungen und Namensgebungen, Fragen über das Privatleben (vor allem über Beziehungen), Annäherung über Briefe, E-Mails oder Telefon, zweideutige Bemerkungen mit sexuellem Charakter, usw.;
die körperliche Gewalt:
dies meint die unerwünschte körperliche Nötigung und Vergewaltigung und macht rund 5% aller sexuellen Übergriffe aus.
Egal, ob es sich um nonverbale oder körperliche Gewalt handelt - alle Formen der sexuellen Belästigung zerstören die Grundlage eines positiven Arbeitsklimas. Die Universität Salzburg setzt mit der Initiative ?Weg vom Tabu! Gegen sexuelle Belästigung an der Universität Salzburg? einen wichtigen Schritt in Richtung Enttabuisierung. ?Die Grenzen des anderen zu wahren bzw. die Integrität jedes Einzelnen zu akzeptieren ist für ein produktives Miteinander unumgänglich?, sagt Karoline Bankosegger.
Fokus: Universität
Das Problem an den Universitäten sei der Machtunterschied zwischen den Lehrpersonen und der Studierenden. Dies erzeuge ein strukturelles Abhängigkeitsverhältnis und schüre die Angst vor schlechten Noten. ?Das ist mitunter ein Grund, warum die Betroffenen ratlos sind und jegliche Abwehr meiden?, erklärt Daniela Werndl. Ziel der Initiative ist es, die Betroffenen in ihrer schwierigen Situation mit Hilfe einer externen Psychologin zu beraten, zu betreuen und falls notwendig bis hin zu einem strafrechtlichen Prozess zu begleiten. ?Nicht nur die Stärkung der betroffenen Person steht im Vordergrund unseres Handelns, auch die Sensibilisierung des Umfelds ist enorm wichtig. Nicht weg schauen - sondern aktiv dagegen wehren! Es geht nicht, dass ein Hörsaal voll Studierender tatenlos zuschaut oder zuhört, wenn ein Professor eindeutig sexuell diskriminierende Worte tätigt?, sagt Werndl.
Was soll ich tun?
Die Betroffenen wissen oft nicht, wie mit der Situation umzugehen ist. Das Wichtigste sei, das Vorgefallene ernst zu nehmen und sofort zu handeln. ?Spricht das Opfer den Belästiger direkt auf seine Tat an, so kann im Vorfeld einiges verhindert werden?, erklärt Bankosegger. Weiters sei es ratsam, das Geschehene zu dokumentieren, sich auszutauschen oder sich an eine Beratungsstelle zu wenden.
Die psychologische Anlaufstelle ist anonym und kostenlos jeden Mittwoch zwischen
13.00 und 14.00 Uhr unter der Hotline 0662/49 95 968 erreichbar.
Weitere Infos finden Sie unter
# Dani Krieg
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