Abigail Breslin brilliert als schrullige Schönheits-Aspirantin in "Little Miss Sunhine". Ab 14. April im Das Kino.
Warum in aller Welt sollte man freiwillig bei einem Schönheitswettbewerb mitmachen? Vor allem, wenn man leicht pummelig und neun Jahre alt ist? Doch Olive (Abigail Breslin) lässt sich nicht aufhalten. Nach dem Gewinn des "Little Miss Sunshine"-Wettbewerbs kann sie es nicht erwarten, zum Finale nach Kalifornien zu reisen. Sofort zieht sie sich mit ihrem privaten Trainer, dem leicht vulgär angehauchten, diversen Drogen nicht unbedingt abgeneigten Großvater (Alan Arkin) auf den Dachboden zurück um zu lernen, wie ein ernstzunehmendes Raubkatzenfauchen zu klingen hat.
Die Freude der restlichen Familienmitglieder hält sich denkbar in Grenzen. Olives Vater Richard (Greg Kinnear) versucht sein Neun-Punkte-Motivationsprogramm endlich in Buchform heraus zu bringen, scheitert allerdings mit seiner "Es gibt nur zwei Arten von Menschen: Gewinner und Verlierer. Und wir sind keine Verlierer"-Philosopie bereits an der eigenen Familie. Der pubertierende ältere Sohn Dwayne (Paul Dano) hat aus Ehrfurcht vor Friedrich Nietzsche ein Schweigegelübde abgelegt und will erst wieder sprechen, wenn er seine Ausbildung zum Air Force-Piloten angetreten hat. Währenddessen versucht Mutter Sheryl (Toni Collette) mit allen Mitteln, nicht gegen die Auflagen des Krankenhauses zu verstoßen, ihren suizidgefährdeten homosexuellen Bruder Frank (Steve Carell) keine Sekunde aus den Augen zu lassen. Doch Olives Freude und Engagement wischen selbst die enthusiastischsten Argumente beiseite und die Reise soll unter allen Umständen angetreten werden. Einen Flug kann sich die Familie nicht leisten, also muss der gute alte gelbe VW-Bus herhalten, der, da man weder Olives Privattrainer zurück noch Dwayne und Frank allein lassen kann, alle sechs von New Mexiko nach Kalifornien bringen soll.
Die Reise verläuft natürlich alles andere als reibungslos. Auch der Schönheitswettbewerb steht letztendlich nicht im Zentrum dieser feinen Tragikomödie. Selbst heikle Themen wie Tod, Suizid,Übergewicht und Schönheitswahn spricht das gelungene Roadmovie auf zwar humorvolle, aber keinesfalls platte Weise an und lässt seinen Protagonisten viel Raum, ihre herrlich überspitztenFiguren auch auszuspielen. Steve Carell (Verliebt in eine Hexe) als zu Tode unglücklich verliebter Professor und Greg Kinnear (Besser geht's nicht), der motivationslose zum Scheitern verurteilte Motivationsguru, gehen in ihren Rollen voll auf und sorgen für einige großartige Szenen. Dem Regie-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris ist ein durch und durch netter Film gelungen. Nicht übertrieben sozialkritisch, nicht übertrieben innovativ, aber solide und absolut sehenswert.
#anita klingler
INFO
Spieltermine im Das Kino
14. bis 18. April um 21.15 im Saal
21. bis 27. April um 21.35 im Gewölbe
15. April 11.30 (Matinee-Film)
















