Freitag hatten gleich zwei Salzburger Filme Premiere. "Pharao bipolar" gab sich auf eine spannende Reise in die Welt des Filmemachers Werner LudVig Buchmayer, der seinerseits "Pharao Wernophis - Der Herrscher von Salzburg" vorstellte.
"Wenn Ihnen das Geld ausgeht, lassen Sie sich in die Berliner Charité einliefern. Die ist wirklich nobel. Ich rate Ihen nicht, Psychiatrietourismus zu betreiben, aber im deutssprachigen Raum ist es durchaus möglich." Bei der Premiere seines neuen Films erzählt Werner LudVig Buchmayer anekdotengleich über einen Zwischenfall in Berlin, bei dem, wieder einmal, Polizei und Rettung herbeieilten, um den 48-Jährigen in die nächste psychiatrische Klinik einzuliefern. Der Filmaktionskünstler leidet seit seinem 17. Lebensjahr an einer bipolaren Störung, er ist manisch-depressiv. Nach einem misslungenen Selbstmordversuch, 1976 springt Buchmayer vom Mönchsberg, tritt er die Flucht nach vorne an. Er studiert am Mozarteum. In München legt Werner LudVig Buchmayer 1983 die Bühnenreifeprüfung für Schauspiel und Musical ab, mit dem Stück "Marc Anton".
Buchmayer tourt mit den verschiedensten Stücken durch das ganze Land, kehrt jedoch nach drei Jahren Deutschland und der Bühne den Rücken. Zurück in Salzburg beginnt er damit Filme zu drehen. Die Filmprojekte haben vor allem eines gemeinsam: Das Grundelement des Komischen "mit einem Schuss ins Absurde, Groteske - durchaus gepaart mit Melancholie". 1989 entsteht mit "Graf Gaycula - Der Schrecken von Salzburg" der erste Teil von Buchmayers Salzburgtrilogie, der 1992 im Toi Haus mit live Piano-Musik als Begleitung uraufgeführt wird. Ein Jahr später folgt "Cäsarman - Der Retter von Salzburg". Buchmayer inszeniert seinen Cäsar auf der Straße, anstatt in der Felsenreitschule.
"Pharao Wernophis" ließ lange auf sich warten. Zehn Jahre lag die Idee auf Eis. "Ein Projekt, das durch Krankheit, Schreibblockade, finanzielle Entgleisung und natürlich auch Überforderung und Selbstzweifel geprägt ist.", beschreibt Werner LudVig Buchmayer die Entstehungsgeschichte. Der "längste österreichische Projektfilm und kürzeste satirische Monumentalfilm" wäre also beinah nicht zustande gekommen.
In "Pharao Wernophis" rückt der Filmaktionskünstler seine Krankheit ins Zentrum der Satire. Nachdem ein Filmprojekt platzt, kann sich der manische Hauptdarsteller nicht von seiner Rolle trennen und möchte Pharao von Europa werden. Eingeladen von der Landeshauptfrau Ebner reist der Pharao nach Salzburg, um die Stadt zu retten und soziale Wohnbaupyramiden zu errichten. Doch der intrigante Bürgermeister hat es sich zum Ziel gesetzt, Wernophis Plan zu vereiteln.
Die treibende Kraft für die Fertigstellung des Projektes waren letztendlich Bernhard Braunstein und David Gross. Die beiden Nachwuchsfilmer erfuhren von einer geplanten Besetzungsaktion Buchmayers und entschlossen sich kurzerhand dazu, diese zu filmen. David Gross beschreibt das Zusammentreffen mit Werner LudVig Buchmayer als "einen der intensivsten Tage des Lebens und in jeder Faser bewusstseinserweiternd". 14 Stunden waren die beiden mit Buchmayer unterwegs und filmten. Ein neues Projekt war geboren. Ziel des Portraits war es, Verständnis für Buchmayers Krankheit zu schaffen. David Gross bringt es auf den Punkt: "Wir sind ja nicht die Wohlfühlkino-Fraktion."
"Pharao Wernophis" und "Pharao bipolar" ergänzen einander perfekt. Beide Filme, die gestochen pointierte Satire und das einfühlsame Portrait, polarisieren, regen auf und zum Nachdenken an. Werner LudVig Buchmayer war über manche Szenen selbst schockiert, beispielsweise als er in einer manischen Phase fünf Minuten wütend vor sich hin kreischt, weil er sich das Knie angestoßen hat. "Da bin ich schon froh, dass ich nicht alles (das gesamte Material, Anm.) gesehen hab. Das Entsetzen in den Augen, das bin ja nicht ich, nicht wirklich ich."
#anita klingler
















gratuliere zur premiere!
leider war ausverkauft
wann können wir den film mal wieder sehen??