Auf dem diesjährigen Nova-Rock-Festival im burgenländischen Nickelsdorf waren sie für viele der Überraschungs-Act: "Billy Talent". FRITZ hat die kanadische Punk-Band für euch interviewt.
Die vier Jungs von "Billy Talent", einer jungen kanadischen Punk-Alternative-Band, ließen es auf dem diesjährigen Nova-Rock-Festival so richtig krachen und beeindruckten sogar Leute, die bisher von dem sympathischen Quartett noch nichts gehört hatten. Nach ihrem spektakulären Auftritt konnte Fritz mit Jonathan Gallant, dem Bassisten, und Aaron Solowoniuk, dem Drummer der Band, ein paar Worte wechseln.
In den Kabinen des Pressezelts herrschte extreme Hitze. Stöhnend und völlig verschwitzt traten Jonathan und Aaron in den Vorraum um ein wenig kühle Luft zu schnappen. "It´s really hot inside", beklagten sie sich. Als sie das Meer aus Brandblasen auf meiner Haut entdeckten, fragten sie erstaunt: "Oh my god! Is this a sunburst? Have you already been to the doctor? Shall we get you a cold drink or an after-sun-lotion?" - das Eis war gebrochen und das Interview konnte beginnen.
FRITZ: Als erstes möchte ich euch zu dem hervorragenden Auftritt von vorhin gratulieren. Seit ihr zufrieden mit eurer Show?
Aaron: Danke. Freut uns, dass es dir gefallen hat. Es war unglaublich. Wir hatten nicht mit einer solchen Menschenmasse am Nachmittag gerechnet. Schließlich war dies erst unser zweiter Auftritt hier in Österreich.
FRITZ: Bands wie "Boysetsfire" finden Zugaben lächerlich und bezeichnen sie als überflüssiges Klischee und Rock-Relikt. Was haltet ihr davon?
Aaron: Wir waren schon gemeinsam mit den Jungs von "Boysetsfire" auf Tournee und wissen was du meinst. Wir finden Zugaben echt aufregend. Auf Festivals gibt es ja kaum welche. Ist man allerdings Headliner, gehören sie einfach dazu.
Jonathan: Die Leute erwarten Zugaben, also warum sollte man sie ihnen verwehren? Es ist ein tolles Gefühl wenn das Publikum brüllt und abgeht. Herrscht allerdings nach dem Gig Totenstille, sind Zugaben wirklich überflüssig.
FRITZ: Kritiker bezeichnen euren Sound oft als eine Mischung aus "Refused" und "At-The-Drive-In". Nicht selten wird die angeblich fehlende Einzigartigkeit der Band bemängelt. Nehmt ihr so etwas ernst?
Aaron: Nein, nicht wirklich. Das zweite Album ist einfach toll geworden. Das Beste was wir je geschaffen haben. Mit diesen genialen Bands verglichen zu werden ist eine Ehre und stört nicht weiter.
Jonathan: Die Menschen brauchen eben Schubladen in die sie Musik einordnen können. Das ist ganz normal. Früher hörten wir "Faith No More", "Foo Fighters", "Rage Against The Maschine" und sogar "Bob Marley". Vergleiche spiegeln auch immer die verschiedensten Einflüsse wieder und kommen nicht von ungefähr.
FRITZ: Euer neues Album, "Billy Talent II", erscheint hier zu Lande am 23. Juni. Ist es dunkler und düsterer als der Vorgänger? "Devil in a Midnight Mass" beispielsweise handelt von Kindesmissbrauch.
Aaron: "Devil in a Midnight Mass" ist vermutlich der härteste Song den wir je aufgenommen haben. Insgesamt ist das neue Album aber sehr ausgeglichen. Es gibt eindeutig weniger Geschrei und dafür mehr Gesangspassagen als noch auf der ersten Platte.
Jonathan: Wir sind reifer geworden und haben uns weiterentwickelt. Die neue Scheibe ist sehr dynamisch.
FRITZ: Euer Image als "Screamo-Band" wolltet ihr doch eigentlich loswerden - davon hat man heute aber nichts gemerkt.
Aaron: Wie Jonathan bereits gesagt hat, die Leute brauchen eben Kategorien. Wir selbst haben uns nie als "Screamo-Band" gesehen. Deshalb versuchen wir auch nicht dieses Image abzulegen. Wir haben aber verstanden, dass permanentes und unkontrolliertes Geschrei seine Wirkung verliert. Wir setzen die "Screams" nun gezielter ein. Dort, wo sie auch wirklich passen. Ben (Sänger der Band, Anm.) wartet jetzt auf seine Gelegenheiten.
FRITZ: Wo tretet ihr lieber auf? Auf großen Festivals, oder doch eher in überschaubaren Clubs?
Jonathan: Ich finde beides großartig. Festivals sind Publikumsmagneten mit einem ganz eigenem Geruch und einer speziellen Atmosphäre. In kleinen Clubs ist man dafür näher beim Publikum, was auch sehr toll ist.
FRITZ: Ihr habt heute mehr alte als neue Lieder gespielt. Viele Bands hingegen konzentrieren sich bei ihren Tracking-Listen stärker auf das neue Material. Warum ist das bei euch anders?
Aaron: Vor allem weil die neue Platte hier noch nicht erschienen ist. Wir wollten den Fans nur ein paar neue Stücke präsentieren und ihnen ansonsten die alten Songs, die sie schon kennen, liefern. Wenn das Album erst einmal draußen ist, wird sich das Verhältnis auf "50 Prozent neue / 50 Prozent alte Songs" ändern.
FRITZ: Steht nach diesem Gig noch eine Tour an?
Jonathan: Wir haben gerade eine Tour in Deutschland hinter uns gebracht und fahren jetzt für eine Show nach Kanada. Im Herbst, so hoffen wir, kommen wir zurück nach Österreich.
FRITZ: Danke für das Gespräch.
#stephan kliemstein
FRITZ-REVIEWS
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CD-Kritik zum aktuellen Billy-talent-Album "II"INTERNET
www.billytalent.com
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