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"Was hat der Himmler mit McDonald's zu tun?"
vor 546 Tagen | Kommentare [4] | Tags: anita, argekultur, interview, rick_kavanian, stories | Autor: anita

Rick Kavanian spricht im FRITZ-Interview über sein erstes Solo-Programm "Kosmopilot". Sympathisch ist er, der Rick, so ganz ohne seine Parade-Freunde, Requisiten und Kostüme.

Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm "Kosmopilot". Bild: SN/jim raketeFRITZ: Rick, du hattest heute ja deine Salzburg-Premiere. Wie war?s?

Rick Kavanian: Super. Ganz ehrlich super. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in Wien. Es war ein guter Abend, aber trotzdem nicht vergleichbar mit heute. Heute war von Anfang an eine tolle Euphorie da und ich hatte den Eindruck, dass die sich auch über die zwei Stunden gehalten hat. Ich fand die Leute nett, ich fand die Location super, ich fand mich sensationell, es war alles in Ordnung (lacht)

FRITZ: Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Salzburger und dem Wiener Publikum?

Rick Kavanian: Ich ging damals in Wien auch mit einem recht guten Gefühl von der Bühne. Nach der Vorstellung kam ein Bekannter zu mir und meinte: "Na, das lief doch super!" Er erklärte mir, dass das Wiener Publikum wohl recht kritisch sei. Hätte er mir das vor der Show gesagt, hätte ich mich sicher gefürchtet.

Ob es Unterschiede gibt, kann ich jetzt gar nicht so genau sagen. Interessant war zum Beispiel die Stelle, an der ich Gerd Rubenbauer nachmache. Nach der Show fragte mich da schon jemand, "Sagen Sie mal, wer ist eigentlich dieser Gerd Rubenbauer?" und ich so: "Das ist so ein deutscher Sport-Kommentator...". In 98% der Fälle kannten die den nicht, wogegen hier viele sagten: "Klar, den kennen wir, haben wir schon mal gehört...". Aber man kann schließlich auch versuchen, die lokalen Gepflogenheiten mit ins Programm einfließen zu lassen.

FRITZ: Wie ist es denn dann mit dem österreichischen und dem deutschen Publikum? Es heißt ja landläufig, der deutsche sei nicht mit dem österreichischen Humor vergleichbar...

Rick Kavanian: So generell kann man das nicht sagen. Ich habe aber im Pogramm eine Stelle, an der ich über Hitler und den Untergang spreche. Da sind die Reaktionen hier in Salzburg zum Beispiel genau so wie in Bayern. Wogegen, wenn ich in Kiel bin und über Hitler Witze mache, können die sich im Norden darüber ausschütten. In Bayern fragen die sich eher (spricht mit bayrischem Akzent) "Wieso macht der jetzt Witze über Hitler? Was hat der Himmler mit McDonald?s zu tun?" Das ist ein bisschen schräger. Aber nichtsdestotrotz ist das interessant, weil sonst die Reaktionen sehr ähnlich sind. Ega,l ob hier in Salzburg oder in Hamburg, die Stellen, wo gelacht wird, sind eigentlich die selben.

FRITZ: Wie lernst du eigentlich diese ganzen Dialekte?

Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm "Kosmopilot". Bild: SN/christoph stahrRick Kavanian: Sprachen waren in meiner Familie einfach immer ein Thema. Meine Großmutter hat wirklich, was ich im Stück ja auch anspreche, mit meinen Eltern immer Französisch gesprochen, das hab ich halt nie gelernt. Bei uns zu Hause wurde noch Armenisch, Englisch und Rumänisch gesprochen. Als Kind hörst du das und denkst dir, "Ja, das klingt halt so." Ich hatte durch den Klang immer einen guten Zugang zu Sprachen.

Ich dachte eigentlich nie daran, mit Sprache zu arbeiten. Das kam erst dann, als ich beim Radio war. Ich habe gemerkt, da habe ich nur meine Stimme als Kommunikationsmittel und kann eigentlich nur mit Sprache, Akzenten und Stimmen arbeiten. Da wurde mein Talent sozusagen reaktiviert. Und beim Spielen ist das jetzt natürlich super hilfreich und macht Spaß.

FRITZ: Aber da hängt ja noch einiges mit dran oder? Ich meine, du veränderst ja Gestik, Mimik, Körperhaltung, alles... Steht man da vor dem Spiegel und probt das dann zehn Stunden lang?

Rick Kavanian: Nee, überhaupt nicht. Es kommt schon auf die Übung an, aber ich übe wirklich nicht vor dem Spiegel. Ich glaube ganz ehrlich gesagt, dass der Spiegel versaut, weil du ja keine Möglichkeit hast sozusagen neben dir zu stehen. Du hast nicht das Paar Augen des Regisseurs um dir selber "von außen" zuzusehen.  Selber Regie führen bei sich selber im Spiegel, das geht nicht. Da achtet man, glaube ich, auf die falschen Dinge. Entweder spürst du einfach, dass es passt oder du bekommst auch die dementsprechende Resonanz vom Publikum. Ich denke, wenn die lachen, kann es so verkehrt schon nicht sein. Ich mach das alles sehr aus dem Bauch heraus. Schön ist, dass du auf der Bühne zum Beispiel nicht solche Markierungen hast wie beim Film, du musst nicht genau in dem Licht stehen oder dich bei der Textzeile genau da umdrehen... Bei mir ist da alles ziemlich unplugged und aus dem Bauch heraus.

FRITZ: Wie kamst du zum Inhalt deines Solo-Programms?

Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm "Kosmopilot". Bild: SN/christoph stahrRick Kavanian: Die meiste Zeit hab ich das Stück mit zwei Kollegen zusammen geschrieben. Klar kann einem auch allein eine gute Idee einfallen, aber die meiste Zeit habe ich schon mit Kollegen oder in einer Gruppe gearbeitet. Dieses ganz zurückgezogene Schreiben, ganz alleine, würde mich eher fertig machen. So sitzt man halt zu zwei, zu dritt da, der Eine wirft dem anderen was zu, mal der andere dem Einen, im Grunde ist es immer ein gemeinsames Erarbeiten.

Ich wollte eigentlich schon lange ein Solo-Programm machen. So um 2000 rum hatte ich schon einmal den Wunsch geäußert. Ich dachte mir, Mensch, einmal allein auf der Bühne wäre doch schön, ohne Frauenklamotten oder irgendwelche Yeti-Anzüge und Kostüme, ohne hohe Schuhe, aber das habe ich mich ehrlich gesagt nie getraut. Und irgendwann habe ich mir dann gesagt, verdammt, jetzt musst du das einmal probieren, jetzt bist du wirklich schon alt genug.

FRITZ: Und wie lief es dann?

Rick Kavanian: Ich habe eben zusammen mit zwei Kollegen angefangen, ein kurzes Stück zu schreiben, so zehn, fünfzehn Minuten lang, und habe das dann bei gemischten Abenden (moderierte Abende mit kurzen Einlagen verschiedener Komiker, Anm.) präsentiert. Wenn ich aber vorher gewusst hätte, wie viel mehr Aufwand es ist zwei Stunden Text zu lernen... (lacht) Dabei war es ja kein Text, den mir jemand aufs Auge gedrückt hatte, sondern das, was ich selbst sagen wollte...

Die ersten paar Male hatte ich beim Spielen wirklich auch mein Textbuch mit auf der Bühne und hab gesagt, "So Freunde, wir schlagen jetzt nach auf Seite 17 Kapitel sechs: Der Toaster.", weil ich einfach keine Ahnung mehr hatte. Heute ist mir auch zwei, drei Mal der Faden gerissen, aber man lernt natürlich, mit solchen Situationen umzugehen. Es freut mich auch, wenn mir die Leute so einen Fehler dann nicht nachtragen, sondern schon sagen "Schau, jetzt hängt der wirklich." Ich möchte natürlich schon etwas Astreines präsentieren, aber wenn?s halt nicht mehr geht, dann geht?s nicht mehr... (grinst)

FRITZ: Ich finde schon, dass Vieles auch recht improvisiert wirkt, was du auf der Bühne so treibst... Das ausgefallene Mikrofon am Anfang gehörte vermutlich aber nicht dazu oder?

Rick Kavanian: Das war natürlich nicht geplant, irgendetwas stimmte nicht mit dem Ding... Aber dass du das sagst, freut mich sehr. Mein größter Wunsch wäre es, einmal um acht Uhr auf die Bühne zu gehen, zwei Stunden zu spielen und dann zu sagen, "Herrschaften, habt ihr noch Lust, das eigentliche Stück zu sehen?" Es macht mir unheimlich viel Spaß zu improvisieren, zu merken, da bekomme ich vom Publikum einen Impuls, aus dem ich etwas machen kann. Das abendfüllend zu schaffen, ist dann natürlich eine andere Liga, das ist dann die Champions League.

FRITZ: War die Angst groß, aus dem Schatten der Bullyparade und den Filmen heraus solo etwas zu machen? Eben ohne Requisiten und Kostüme...?

Rick Kavanian: Grundsätzlich ja. Aber als das Stück fertig war, dachte ich mir, ich mag es. Ich war mir allerdings über die extreme Erwartungshaltung der Leute nicht im Klaren, die mich schon aus dem Fernsehen oder dem Kino kannten. Die denken sich eher so, "Ich hab den ja schon woanders gesehen und jetzt halt auf der Bühne, das wird schon lustig sein." Das war mir anfangs nicht so klar.

FRITZ: Könnte man sagen, dass du mit deinem Stück näher dran bist am österreichischen Kabarett als an der deutschen Comedy?

Rick Kavanian: Jetzt muss ich ganz blöd fragen, ihr Österreicher habt einen anderen Begriff von Kabarett als wir Deutsche oder?

FRITZ: Ich denke, das österreichische Kabarett beinhaltet grundsätzlich nicht diesen klassischen Schenkelklopfer-Humor, es arbeitet ein wenig subtiler, ist oft auch politik- und gesellschaftskritisch. Ich habe mir vor deinem Stück keine besonderen Gedanken gemacht, was mich erwartet, aber es hat mich überrascht, dass es mit dem Bullyparaden-Humor eigentlich wenig zu tun hatte. Es waren feinsinnigere Witze dabei und auch Sachen, bei denen sich das Zuhören auf jeden Fall ausgezahlt hat.

Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm "Kosmopilot". Bild: SN/christoph stahrRick Kavanian: Dann sage ich an dieser Stelle danke! Das freut mich wirklich sehr! Mit der Bullyparade haben wir ja schon 1996 angefangen. Es ist viel Zeit vergangen seitdem. Ich stehe natürlich nach wie vor zu dem, was wir damals gemacht haben, aber es war halt auch ein anderes Medium. Wenn man im Team arbeitet, muss man immer auch Kompromisse eingehen. Dann arbeitet man natürlich für das Fernsehen, das ist auch noch einmal ein Stück weit Kompromissarbeit. Hier auf der Bühne sucht jetzt ein eigener Kopf, eben mein Kopf, nach seiner Autonomie. Das sind Sachen, die in all den Jahren vielleicht auf der Strecke geblieben sind, die ich im Team nicht machen konnte, aber immer machen wollte. Ich denke, so hat sich das entwickelt.

FRITZ: Zum Schluss habe ich noch eine Frage, die in eine ganz andere Richtung geht. Ich habe heute auch Premiere, denn dieses Interview ist das erste, das vor der Veröffentlichung gegengelesen werden wird. In der Politik sind Fragenkataloge bzw. das Freigeben von Interviews schon länger gängige Praxis. Wie stehst du prinzipiell dazu, Medien auf diese Art und Weise zu "zensieren"?

Rick Kavanian: Das ist auf jeden Fall eine schwierige Sache, das sollte man grundsätzlich natürlich nicht machen. Ob Künstler, Politiker oder andere Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, eigentlich musst du davon ausgehen, dass die Leute wissen, was sie sagen. Sie sollten reden können und zumindest genug Erfahrung haben, das was sie sagen wollen auch so rüberzubringen. Ich habe hier ja auch nichts erzählt, was ich irgendwie peinlich finde oder was hinterher zu korrigieren wäre.

Man muss allerdings schon sagen, es gibt Kollegen in der Medienöffentlichkeit, die gerne Aussagen nehmen und einen dann so ein bisschen komisch dastehen lassen. Es gibt in Deutschland leider manche Leute, denen sagst du etwas, und die geben das dann anders wieder. Wenn man so eine Situation das eine oder andere Mal schon erlebt hat, will man die natürlich vermeiden. Es ist halt alles so schnell öffentlich und dann kommt der Zeigefinger, "Da, er redet Scheiße." Und sobald du dich selber rechtfertigen musst, ist es blöd. Ganz ehrlich, in Deutschland passiert es sogar, dass du sagst, du willst das Interview gegenlesen, und sie machen es dann trotzdem so, wie es ihnen passt. Aber ich denke, da muss weder ich mir noch du dir jetzt Sorgen machen.

FRITZ: Das hoffe ich doch... (allgemeines Gelächter) Vielen Dank fürs Gespräch!

Rick Kavanian: Danke auch.

#anita klingler

MULTITALENT AUF SOLOPFADEN
Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm "Kosmopilot". FRITZ war natürlich dabei. Hier geht's zum Bericht.

Am 31. Mai besuchte Rick Kavanian die ARGEKultur. Ohne seine zwei Parade-Freunde, dafür mit seinem ersten Solo-Programm

    Letho | 04.06.2007 um 21.31 Uhr
    Rick Kavanian, ohne ihn gebs vermutlich nicht die Bullyparade, wie wir sie kennen. Erstes Solo-Programm? Da freut man sich für den Mann. Nur weiter so!

     

    Rick´s süße (anonym) | 06.06.2007 um 20.03 Uhr
    Rick, Du bist der Beste auf der Welt. Mach weiter so und bleib so wie Du bist. Ich denk an Dich. Hdgdl!!!

     

    erhard_f | 16.06.2007 um 16.20 Uhr
    @anita: Ich wußte ja noch garnicht, dass du hier auch unter "Rick's Süße", deinem Pseudonym postest - iinteressant...

     

    anita | 16.06.2007 um 18.11 Uhr
    @erhard_f: Du hast mich eindeutig durchschaut. Ich steh nämlich nur auf verheiratete Männer, die mindestens 10 Jahre älter sind als ich. :P

     

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