Wolfgang Descho zieht Bilanz über 5000 Tage Rockhouse, das Pop-Quartett geht in die Sommerpause.
Es war ein interessanter Abend für alle Musikinteressierten. Rockhouse-Chef Wolfgang Descho erinnerte noch einmal an die düsteren, staubigen Anfänge des Rockhouse, als sich eine Handvoll Musikliebhaber in den Kopf gesetzt hatten, eine zumindest optisch abbruchreife Ruine in eines der bekanntesten Musikzentren Österreichs zu verwandeln. 4000 Veranstaltungen haben in diesen 5000 Tagen stattgefunden, seit das Rockhouse zum ersten Mal seine Pforten geöffnet hat. Eine stolze Zahl.
Viel hat sich getan seit 1993. "Damals waren wir die Platzhirsche", gibt Wolfgang Descho zu. Die Salzburger Szene sei um einige Veranstaltungshäuser reicher geworden, auch das Verhältnis von Subkultur und Popkultur habe sich verändert. Geblieben ist das Motto des Rockhouse, ein Haus der Musik und der MusikerInnen ohne stilistische Grenzen zu sein. Im Herbst 1996 spielten beispielsweise Faithless, Morcheeba, Rammstein, Rockers HiFi, David Lindley, Willy de Ville und Such A Surge. "Ein solches Lineup würde heute unsere finanziellen Möglichkeiten sprengen.", ist sich Descho sicher. Die Umbrüche im Verhältnis von Hoch- und Subkultur haben allerdings auch ihre Vorteile. "1993 wäre allerdings sicher nicht der Schauspielchef der Salzburger Festspiele zu den Pop-Gesprächen ins Rockhouse gekommen!"
Letztes Pop-Quartett vor der Sommerpause
Ganz im Zeichen des guten Stils stand das anschließende Pop-Quartett, das - zum letzten Mal vor der Sommerpause - mit einem ganz besonderen Gast aufwartete. Thomas Oberender, der Schauspielchef der Salzburger Festspiele, saß mit Helmut Hollerweger (Salzburger Fenster), Bernhard Flieher und Clemens Panagl (beide SN-Kulturredaktion) auf der Bank, um zumindest verbal die musikalische Spreu vom Weizen zu trennen. Dieses Mal standen neben Suzanne Vega zwei Herren mit Stil und eine Dame, die zumindest die Marke der Unverwechselbarkeit auf Lebenszeit gepachtet hat, am Programm. Zunächst wurde jedoch Clemens Panagls zwei Wochen alter Sohn mit Bonnie Prince Billys "Puff the Magic Dragon" geehrt. Ein würdiger Einstieg.
Den Beginn der eigentlichen Gespräche läutete Bernhard Flieher mit einer Hommage an Suzanne Vega ein. "Ich als alter Singer/Songwriter-Mensch finde die Geschichten oft so toll, dass sie mich übe die Musik wegretten." Auch Thomas Oberender findet lobende Worte: "Im Grunde ist es so, dass man sich wünscht, dass sie lange durchhält.", was Flieher seinerseits wieder als eine Unterstützung seiner These "Die alte Musik ist die neue Musik" ansieht.
Helmut Hollerweger kommt erst beim nächsten Künstler, den er selbst vorstellt, so richtig in Fahrt. Es ist dies Stilikone Leonard Cohen, der laut Bernhard Flieher "auf Begräbnissen immer gern gespielt" wird, wogegen Hollerweger gleich nachsetzt "Auf Begräbnissen und in Schlafzimmern...". Zugegebenermaßen stimmen alle Anwesenden Helmut Hollerweger zu, der es letztendlich doch ein wenig befremdlich findet, mit geschätzten 60 Leuten Leonard Cohen zu hören. Zu viel Intimität, auf jeden Fall.
Zum "James Bond der Popmusik" (O-Ton Flieher) Bryan Ferry hat Gast Thomas Oberender eine gute Geschichte auf Lager. Es begab sich, dass der Schauspielchef der Salzburger Festspiele vor langer Zeit aus arbeitstechnischen Gründen in Chamonix landete, einem Ort, den er bis dato nie kennen lernen wollte. Er sollte an einem Empfang teilnehmen, der sich nicht im 3.000-Sterne-Hotel befand, in dem er untergebracht war. Alle geladenen Gäste sollten mit Autos zum Empfang gebracht werden, doch es gab ein Problem. Das Foyer war voll mit wartenden Menschen in Armani-Anzügen und Dior-Hemden, die Damen mit Cocktailkleidern von unermesslichem Wert angetan. Und alle warteten. Mitten in dieser überaus beklemmenden Situation durchquerte Brian Ferry das Foyer und stieg in seinen Wagen. Später kamen tatsächlich die "Busse für's Volk" (Oberender), die Party konnte beginnen. Im Festsaal wich die Beklemmung allerdings nicht gänzlich, hatte man als Raumteiler doch Wände aus nordeuropäischem Zuchteis bemüht. "Alle fragten sich, 'Was passiert jetzt?' Zigarren wurden verteilt..." Mitten in diese eigenartige Situation hinein gab Bryan Ferry ein spontanes Gratis-Konzert für geschätzte 100 Leute. "Da konnte ich nicht anders als Bryan Ferry-Fan werden.", erzählt Thomas Oberender.
Zum Schluss erklärt uns Clemens Panagl, weshalb er Björks letztes Werk "Volta" so viel verträglicher findet als das letzte. "Gegen Björk ist kein Kraut gewachsen. Ich glaub, die verprügelt auch Journalisten am Flughafen." Ein Grund mehr, nichts Schlechtes über die Dame zu sagen, findet auch Helmut Hollerweger: "Ich schreibe immer sehr positiv über Björk, höre sie mir aber selten an." Als Kritikpunkt merkt Oberender an, dass diese "angestrengt besonders wirkende Welt" letztendlich auch ein bisschen fad sei. Alle vier sind jedoch prinzipiell beeindruckt von der Souveränität und Gelassenheit der zarten Isländerin, da sogar "Madonna kommt und sich das klauen will" (Flieher).
#anita klingler
INFO
Das Pop-Quartett kommt wieder!!!
"Beatles-Special"
11. September 2007
Helmut Hollerweger, Clemens Panagl, Bernhard Flieher und Gäste













