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Interview: Suzie Cries For Help
vor 349 Tagen | Kommentare [0] | Tags: bueste, interviews, musik, musik_national, suzie_cries_for_help | Autor: bueste

Schon 1998 wurde die Wiener Band Suzie Cries For Help ins Leben gerufen. Seit 2006 haben sie einen neuen Sänger und starten jetzt mit ihrer zweiten EP ("Meet John Doe") durch. Das FRITZ hat mit zwei Vierteln der Band geplaudert.

Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener "Alternative Metal"-Band Suzie Cries For Help. Bild: SN/SCFHJeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener "Alternative Metal"-Band Suzie Cries For Help. "Meet John Doe", der neueste musikalische Output des Vierers, kann als durchaus gelungenes Zweitlingswerk bezeichnet werden. Grund genug um bei einem Gespräch mit Sänger Jeremy und Gitarrist Christoph mehr über die Wiener zu erfahren.

FRITZ: Tja, blöde Fragen am Anfang: Wer ist Suzie?

Christoph: Tja,das werden wir oft gefragt... ist aber ein Geheimnis, das nicht verraten wird. (grinst)

Jeremy: Das ist so geheim, dass sogar ich erst nach einem Probejahr in dieses Geheimnis eingeweiht werde.

FRITZ: ABC: Alter Bridge, Breaking Benjamin, Cold. Kann man sagen, dass diese Bands neben einer Reihe anderer - wie Creed oder Staind - eure Favoriten der Musikszene sind?

Christoph: Ja, da liegst du schon mal sehr richtig. Natürlich noch sehr viele andere gute Rock-Bands, die der amerikanische und kanadische Musikmarkt in den letzten Jahren zu bieten hat. Jedoch ist unser Musikgeschmack sehr breit gefächert. Unser Drummer Bernd zieht sich zum Beispiel auch sehr gerne Death-Metal rein, ich höre gerne Blues und auch viel Zeug, dass viel ruhiger ist als die Musik, die wir selbst machen.

FRITZ: Ist der Altersunterschied zum neuen Sänger in irgendeiner Art und Weise schon mal zum Problem geworden?

Christoph: Nein bis jetzt noch nie. Im Gegenteil... unser Drummer freut sich darüber jetzt nicht mehr der jüngste in der Band zu sein und dass er somit seinen Nesthäkchen-Status verloren hat. (lacht)

FRITZ: Inwiefern hat sich das Songwriting durch dein Dazustoßen als neuer Sänger geändert und findet sich die gesamte Band in deinen Texten wieder?

Jeremy: Um ganz ehrlich zu sein: Meine Bandkollegen hatten mit dem Prozess des Text-Schreibens nichts zu tun, was ich persönlich sehr gut fand, denn so konnte ich mich ohne Rücksichtnahme auf Kompromisse völlig auf die Arbeit einlassen. Zusätzlich gab mir die Beschäftigung mit der EP einen richtigen Entwicklungsschub im Schreiben von Lyrics. Mir wurden Fehler bewusst, auf die ich beim nächsten Projekt besonders achten werde.

FRITZ: Sind Bandmitglieder austauschbar? Sollen Bandnamen die gleichen bleiben?

Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener "Alternative Metal"-Band Suzie Cries For Help. Bild: SN/SCFHChristoph: Schwere Frage! Ich denke so ziemlich jeder Musiker bringt in einer Band seine persönliche Note ein, somit würde sich bei einem Austausch das Gesamtkonzept ändern. Anfangs gab es bei SCFH sehr oft Besetzungswechsel, was den Bass und die Drums angeht und jedes Mal wirkte sich das auf unseren Stil aus. Aber das ist sehr lange her und wir sind mehr als zufrieden in der momentanen Besetzung. Unseren Bandnamen haben wir nach dem Ausstieg des vorigen Sängers nicht geändert, da immer noch drei der so genannten "Originalbesetzung" übrig sind. Ich bezeichne es deshalb als Originalbesetzung, da wir drei nun schon sechs Jahre in dieser Formation zusammen spielen. Die zwei Jahre davor gab es wie gesagt zu viele Besetzungswechsel, um es als Originalbesetzung zu bezeichnen. Dass Creed sich mit dem neuen Sänger in Alter Bridge umgetauft haben kann ich schon verstehen. Unter dem Namen Creed hatten sie in Amerika einen derart großen Erfolg, der für eine Band sicher sehr belastend sein kann. Das Verlangen nach einem Neustart mit einem anderen Namen erscheint mir da sehr logisch.

FRITZ: Wer ist das Phantom, dass euch nicht loslässt? Wer ist das Alter Ego? Wer ist John Doe?

Jeremy: All diese undefinierten Charaktere in meinen Texten entsprechen Personen aus meinem Bekanntenkreis, zu denen ich größtenteils keinen Kontakt mehr habe. Genau dieses Faktum war die Motivation meiner Texte. Ich hatte mich nie getraut, ihnen wirklich meine Meinung zu sagen; war eher stummer, beobachtender Komparse anstatt beratender Freund. Das hat mich immer sehr belastet, da ich mir immer vorwerfe, dass ich vielleicht etwas zum Positiven hätte ändern können. In meinen Texten sind meine Gedanken enthalten die nie ausgesprochen wurden, aber vielleicht jetzt ihr Ziel doch erreichen. Ich habe diese Personen auch deshalb nicht benannt, da ich wollte, dass Zuhörer, die vielleicht genau dasselbe Problem haben, sich in die Texte hinein fühlen können. Ich finde, dass Namen im Text den Zuhörer von den Gefühlen die beschrieben werden, distanzieren. Deshalb auch der einzige und noch dazu fiktive Name der auftaucht, John Doe, der in Amerika als Platzhaltername fungiert. Soll quasi eine "zwei-Wörter-Anleitung" sein, die einfach besagt: "Wenn das Lied genau auf einen Menschen den du kennst passt, verpasse dem Song einfach seinen/ihren Namen. Vielleicht erleichtert dich das etwas."

FRITZ: Warum macht ihr Musik?

Christoph: Tja, wir sind einfach Musikfanatiker, die in fast allen Lebenslagen mit Musik begleitet werden. Sei es jetzt im Auto, in der U-Bahn, daheim, im Proberaum. Wir hatten sogar mal bei einem kleinen Bandurlaub einen bestimmten "Einschlaf-Song" der uns Nacht für Nacht in den Schlaf wog. (lacht) Und wenn man die Chance hat seine eigene Musik unter die Leute zu bringen, ist das eine tolle Sache.

Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener
Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener
Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener
Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener

Jeremy: Auch wenn es jetzt vielleicht merkwürdig Klingen mag: Für mich ist die Möglichkeit Musik zu machen sowas ähnliches wie Therapie, insbesondere das texten. Man lässt durch die Arbeit mit der Musik einfach locker, lebt vielleicht Szenarien nochmal durch, wird sich ihrer bewusst und somit auch Aspekte der eigenen Persönlichkeit. Außerdem ist Musik einfach ein gutes Medium, dass die Grenzen der Sprache übersteigt. Man kann mit einem Instrument ein Gefühl noch intensiver beschreiben und es wird in jedem Land verstanden.

FRITZ: Was ist für euch der Unterschied zwischen eurem ersten Output "Judas Says Sorry" und der jetzigen EP?

Christoph: Die Songs auf "Judas Says Sorry" waren sehr melancholisch und technisch noch nicht ganz ausgereift. In den letzten Jahren hat jeder von uns intensiv an seiner Technik gearbeitet. Und ich denke man hört den Unterschied, wenn man sich beide CDs reinzieht. Die neuen Songs haben einfach mehr Power und sind auch positiver. Noch dazu kommt, dass "Judays Says Sorry" quasi eine Home-Production war und wir für "Meet John Doe" ins Studio gegangen sind. Auf diesem Wege noch ein grosses Dankeschön an Andi von den Ko.Ka Studios.

FRITZ: Wo kann man euch in Zukunft live erleben?

Christoph: Unser nächster Gig ist am 27.9. im Planet Music.

FRITZ: Wo seid ihr bis jetzt schon aufgetreten? Wie reagiert das Publikum auf euch?

Christoph: Bisherige Gigs? Mal nachdenken... Locations wie: Avalon, Arena, Szene Wien, Shelter, Culture X Club, Replugged, Tunnel, Weberknecht, Bach, etc. Das Publikum reagiert eigentlich meistens sehr positiv. Natürlich haben wir auch schon Gigs erlebt wo wir mit unserem Musik-Stil total deplatziert waren... sowas passiert. Aber "ausgebuht" sind wir bis jetzt noch nie geworden. (grinst) 

FRITZ: Sind Bandcontests ein Sprungbrett?

Christoph: Auf jeden Fall. Vor allem für Bands, die noch total unbekannt und frisch sind, ist es eine tolle Möglichkeit sich einen Namen zu machen. Noch dazu lernt man viele andere Bands kennen, was für weitere gemeinsame Gigs sehr gut ist.

FRITZ: Ist einer Rockband der Erfolg - alleine aufgrund der Tatsache, dass sie aus Österreich kommt - für immer verwehrt?

Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener "Alternative Metal"-Band Suzie Cries For Help. Bild: SN/SCFHChristoph: Hmmm... für immer verwehrt würde ich nicht sagen, aber in Österreich großen Erfolg mit Rockmusik zu haben ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Ich denke die Nachfrage für Rock ist bei uns einfach zu klein und wird auch nicht sonderlich gefördert. In angrenzenden Ländern wie Deutschland, Ungarn, Slowenien, etc. sieht das Ganze schon wieder viel besser aus. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich ja noch einiges bei uns und es heisst endlich mal "Österreich rockt". (grinst) 

Jeremy: Ich glaube, dass es auch größtenteils daran liegt welche Beziehungen man hat. Simpelste Songs können durch Beziehungen verbreitet werden und Erfolg haben, während wirklich gute Bands immer unentdeckt bleiben, nur weil es ihnen an Bekanntschaften fehlt. Das ist natürlich unfair, aber in Anbetracht der Tatsache, dass es unzählige Internetplattformen und öffentlich zugängliche, nicht kommerzielle Radiosender gibt, kann die Hürde der fehlenden Bekanntschaften ausgeglichen werden Ich würde also nicht sagen dass nur das Herkunftsland die Chancen auf Erfolg minimiert.

FRITZ: Würdet ihr gerne von der Musik leben?

Christoph: Nichts lieber als das!

Jeremy: Liebend gerne, aber nur solange die Verantwortung, die dieser Job mit sich bringt, nicht alles negativ überschattet. Außerdem ist es recht instabil, wie man ja an saisonellen "One-Hit-Wondern" sieht. Nichtsdestotrotz ist es natürlich verlockend.

Christoph: Bestimmt wäre alles mit großem Stress verbunden aber bestimmt auch mit sehr viel Spaß und Erfahrungswert. Ich glaube jeder träumt davon, seine große Leidenschaft zum Beruf machen zu können.

FRITZ: Was hat in eurem Leben oberste Priorität? Wo wird die Musik da eingereiht?

Christoph: Mittlerweile steht Musik bei uns an erster Stelle. Jedoch muss jeder von uns seinen beruflichen Verpflichtungen nachgehen. Ohne Geld gehts nun mal nicht.

FRITZ: Was ist das Gute am neuen Web 2.0?

Christoph: Das Gute daran ist, dass man sehr leicht sehr viele Kontakte knüpfen kann. Sei es jetzt zu anderen Bands oder zu Leuten die den selben Musikgeschmack haben. Ausserdem ist es sehr leicht geworden sich als Band im Netz vorzustellen und Werbung für sich zu machen.

FRITZ: Bands können sich zwar leicht ihrem Publikum präsentieren, aber die Flut ist viel zu unüberschaubar, oder?

Jeremy Montorio (voc), Christoph Schubert (guit), Bernd Goigitzer (drums) und Trojan Blaschke (bass) bilden gemeinsam die Wiener "Alternative Metal"-Band Suzie Cries For Help. Bild: SN/SCFHChristoph: Also im Grossen und Ganzen finde ich MySpace eigentlich sehr übersichtlich, um mal ein Beispiel zu nennen. Ich glaube MySpace war ja ursprünglich nur für Bands gedacht. Was es vielleicht in nächster Zeit unübersichtlich machen wird ist, dass es immer mehr Leute als Singleplattform verwenden.

Jeremy: Das mit der Flut ist natürlich wahr, aber es ist auch gut dass es so ein vielfältiges Angebot gibt. Nur merkt man es schon, dass einige Bands ständig - fast fanatisch - versuchen herauszustechen und/oder gar einen neuen Stil zu kreieren. Da kann man nur hoffen dass die Musik nicht zu sehr daran leidet. Ich habe eine ganz andere Haltung dazu, für mich ist es nicht wichtig jetzt unbedingt herauszustechen, für mich ist der Prozess des Musikmachens schon eine Herausforderung für sich.

Christoph: Stimmt , sehr viele Bands versuchen etwas absolut Einzigartiges zu kreieren. Aber in der heutigen Zeit ist das ziemlich unmöglich, da alles schon mal dagewesen ist. Jeder hat seine Favorits die ihm bis zu einem gewissen Grad in der eigenen Musik beeinflussen... auch wenn es unbewusst ist. Wenn experimentelle Musik ins Unermessliche ausartet besteht die Gefahr, dass die Zuhörer absolut keine Regung in sich verspüren... und das ist meiner Meinung nach nicht Sinn und Zweck von Musik.

FRITZ: Hat euch persönlich MySpace schon etwas gebracht?

Christoph: Absolut!! Wir konnten einige Kontakte knüpfen, auch zu Bands aus dem Ausland, haben durch MySpace einige Fans dazugewonnen, etc. Es ist schon eine tolle Sache die wir nicht missen möchten.

FRITZ: Danke für das nette Gespräch!

#stephanie bürgler

Hier geht's zur Review der EP "Meet John Doe" von Suzie Cries For Help!

INTERNET
www.myspace.com/suziecriesforhelp
Hier gibt's einige Tracks der neuen EP "Meet John Doe"!

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