Lorrie Moores erster Roman hält, was sein Titel verspricht. "Die Verrückungen der Benna Capenter" auf jeden Fall eins: ziemlich verrückt.
Benna ist Anfang 30, Nachtclubsängerin und zieht sich deshalb viermal die Woche ein schwarzes Minikleid und ihre "Joan-Crawford-fang-mich-nimm-mich-Schuhe" an. Eigentlich ist ihr Leben auch ganz in Ordnung. Sie lebt Tür an Tür mit Gerard, den sie zwar irgendwie ganz schrecklich liebt, irgendwie jedenfalls. Auch er kann sich jedoch nicht wirklich entscheiden.
Manchmal, da begleitet er sie und trinkt zu viel, während er ihrer Stimme lauscht.
"Dort vorne im Scheinwerferlicht erschien sie ihm atemberaubend schön, ein Star, ihre billigen Glasperlen schleuderten Blitze ins Publikum, ihr Lachen dröhnte ins Mikrofon."
Gerard sieht zu, wie sich andere Männer in Benna verlieben und geht, wartet in seiner Badewanne auf ihre Heimkehr. Die Wohnungen sind so gebaut, dass die Badezimmer direkt nebeneinander liegen. Er liegt in der Wanne und hört, wie sie um zwei Uhr früh betrunken nach Hause kommt, pinkelt, das Klopapier abreißt und die Spülung drückt.
"Ungefähr zu dieser Zeit gründeten Eleanor und ich die 'Nenn-mich-nicht-Shirley'-Komödienschule. Das hatte zur Folge, dass wir uns in der Stadt auf einen Drink trafen und verzweifelte Erklärungen über Liebe und Leben abgaben, die immer mit 'Aber bestimmt...' anfingen. Das hatte weiterhin zur Folge, was Eleanor 'Den Großen Weißen Wein' nannte: Weinerliche weiße Leute treffen sich auf ein Glas Weißwein und weinen."
Eleanor und Georgianne sind die einzigen Fixpunkte in Bennas Leben, während alles andere - Job, Beziehung - in einem Strudel von Emotionen versinkt und einzelne Elemente nur hin und wieder an die Oberfläche driften.
"Die Verrückungen der Benna Carpenter" ist vieles, aber sicher nicht leicht zu lesen. Lorrie Moore hält sich nicht an herkömmliche erzählerische Strukturen. Sie wechselt wie wild zwischen allen zur Verfügung stehenden Erzählperspektiven hin und her, schreibt mal aus der Ich-Perspektive, um plötzlich, manchmal sogar im selben Absatz, wieder die Perspektive zu wechseln. Dieser Umstand stört den natürlichen Lesefluss anfangs ganz beträchtlich, ermöglicht jedoch ein literarisches Abenteuer, das seinesgleichen sucht. Tipp: Auf jeden Fall aufmerksam und notfalls zwei Mal lesen!
#anita klingler
Lorrie Moore - Die Verrückungen der Benna Carpenter
Roman
282 Seiten
BvT - Berliner Taschenbuch Verlag, August 2007







