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FRITZ-Interview mit HIM - Teil 1
vor 319 Tagen | Kommentare [0] | Tags: bueste, him, interviews, musik | Autor: bueste

Im ersten Teil unseres Interviews mit HIM verraten Sänger Ville Valo und Bassist Mikko "Migé" Paananen warum auf dem Cover des neuen Albums ein Gemälde abgebildet ist, was sie von Rauchverboten in öffentlichen Gebäuden halten und warum Migé unbedingt noch einmal nach Barcelona fahren muss...

Keine Spur von Star-Allüren zeigten Ville (voc) und Migé (bass) von HIM im FRITZ-Interview in München. Mit finnischer Zurückhaltung und Ruhe ging's zum 25-minütigen Interview-Talk, den Migé gleich mit einem seiner Lieblingsthemen einleitete...

HIM: finally back in the game again! Bild: SN/Perou/WarnerMigé: Wir sprachen gerade von Pizza.

FRITZ: Oh, ich dachte ihr sprecht von eurer Nominierung als bester finnischer Act bei den MTV Europe Music Awards, die am 1. November hier in München stattfinden.

Ville: He? Ist das ein schlechter Scherz? Das hat uns noch niemand mitgeteilt.

Migé: Na ja, es gibt ja eh nur uns, Negative und The Rasmus.

Ville: Wir sind die besten von fünf. (lachen)

Migé: Nein, ich mach nur Spaß. Es gibt viele tolle finnische Bands.

FRITZ: Kümmert ihr euch überhaupt noch um Nominierungen bei Award-Shows?

Ville: Es kommt drauf an. Wenn die Leute anrufen oder auf welche Art auch immer abstimmen, dann ist es natürlich eine tolle Sache, aber wenn sich das Ganze nur irgendwelche Marketing-Strategen zusammendichten, können wir nichts damit anfangen. Im Endeffekt musst du aber vor den Fans bei deinen Live-Shows punkten, und da helfen dir Awards auch nicht weiter.

FRITZ: Evil Jared Hasselhoff hat mir mal erzählt, dass dein finnisches Gehabe, der Akzent und die Coolness nur dazu diene, irgendwelche Mädels aufzureißen. Eigentlich würdest du Bill heißen und aus New Jersey kommen?

Ville: Oh, ich dachte immer ich wäre Philly Valo aus Philadelphia ("Philly" ist umgangssprachlich die Abkürzung der US-amerikanischen Stadt Philadelphia; Anm. d. Verf.). Na ja, ich könnte auch aus Jersey sein. Und es ist natürlich alles nur wegen der Mädchen. Lebt er jetzt in Deutschland?

FRITZ: Ja, ich glaube in Berlin.

Ville: Oh, mein Gott!

Migé: Der kleine Teddybär!

Ville: Ja, was auch immer der kleine Teddybär sagt ist die einzig wahre Wahrheit. Du weißt bei ihm nie, was er als nächstes macht, deswegen gehe ich mit ihm konform und werde allem zustimmen, was er vorschlägt. (lacht)

FRITZ: Lebt ihr eigentlich jetzt in Amerika?

Ville Valo: körperlich gesundet, seelisch angeknackst, musikalisch in Höchstform. Bild: SN/Perou/WarnerVille: Nein, noch immer in Helsinki.

Migé: Wir haben nur dort gearbeitet.

Ville: Unser Label hat seinen Sitz in New York und unser Produzent Tim Palmer lebt in Los Angeles, deswegen arbeiten wir oft in den Staaten an unseren Alben. Amerika ist geographisch gesehen ein riesiges Land und es dauert natürlich seine Zeit, dort zu touren. Wir haben "Dark Light" in den Staaten produziert. Es hat zwei Monate gedauert um es in L.A. aufzunehmen, dann noch zwei Wochen um es in New York zu mixen und dann haben wir gleich mit der Tour begonnen. Auf einmal findest du dich dann eben fünf Monate im Jahr in den Staaten wieder.

FRITZ: Es sieht so aus, als hättet ihr "Dark Light" für die USA produziert. "Venus Doom" klingt, als würdet ihr wieder nach Hause zurückkehren ? soundtechnisch gesehen.

Ville: Du kannst kein Album für ein bestimmtes Land produzieren. Gerade eben haben wir über Bands wie As I Lay Dying gesprochen, die gerade in den US-Top-20 sind. Ich habe keine Ahnung, was zum Teufel die haben. Du weißt eben nie, was erfolgreich sein wird und was nicht.

Migé: Wir hatten beim Aufnehmen von "Dark Light" sicher nicht Amerika in unseren Köpfen. Das wäre irgendwie schwul.

FRITZ: Al Jourgensen hat mal gemeint, er schreibe immer nur gute Alben für Ministry, wenn ein "republikanisches Arschloch" im Weißen Haus sitze. Welche Umstände müssen eintreffen, damit ihr gute Platten macht?

Ville: Es gibt keine besonderen, äußeren Gegebenheiten die passieren müssen, damit die Songs aus einem rauskommen. Es passiert ständig etwas in der Welt oder in deinen persönlichen Beziehungen. Es gibt also sehr viele Dinge, über die man schreiben kann.

FRITZ: Aber kannst du melancholische HIM-Songs auch am Strand im sonnigen Kalifornien schreiben?

Ville: Wenn ich in Kalifornien bin, gehe ich nie an den Strand.

Migé: Strände können auch sehr deprimierend sein...

Ville: Es gibt auch Strände in Deutschland oder in Finnland. Wie auch immer. Ich denke, ich kann auch im sonnigen Kalifornien schreiben. Einige Songs vom neuen Album sind dort komponiert, andere in Lappland.

FRITZ: Definitiv eine interessante Mischung. Ganz zu Beginn des Albums hört man, dass sich irgendjemand eine Zigarette anzündet?

Migé: Woher weißt du, dass es eine Zigarette ist?

Ville: Es ist ein Joint. Nein, es ist Blunt. Ich zünde James Blunt an.

Migé: Du steckst James Blunts Haare in Brand.

Ville: Und ich ziehe den Rauch ein.

Migé: Ja genau, und atmest höllisches Feuer aus! (lachen)

FRITZ: Eigentlich wollte ich wissen, ob ihr den strenger werdenden Rauchergesetzen in Europa zustimmt?

Ville: Nein. Ich weiß nicht, was das alles bringen soll.

Migé: Ich habe protektionistische Gesetze noch nie unterstützt.


HIM: finally back in the game again! Bild: SN/Perou/Warner
Ville Valo: körperlich gesundet, seelisch angeknackst, musikalisch in Höchstform. Bild: SN/Perou/Warner
Ville Valo: körperlich gesundet, seelisch angeknackst, musikalisch in Höchstform. Bild: SN/Perou/Warner
Ville Valo: körperlich gesundet, seelisch angeknackst, musikalisch in Höchstform. Bild: SN/Perou/Warner

Ville: Ja, es fühlt sich irgendwie komisch an. Ich finde schon, dass die Leute das Recht haben sollten in Bars zu gehen, wo man rauchen darf. Finnland ist zum Beispiel ein sehr kaltes Land. Du kannst aber nirgends mehr eine Zigarette zu deinem Bier rauchen. Obwohl es draußen -30°C hat, musst du deine Jacke nehmen ? diese vielleicht sogar vorher noch an der Garderobe abholen ? und draußen rauchen. Es wird ein riesiger Zirkus darum gemacht. In Kalifornien sind diese Gesetze zwar schon lange eingesetzt, aber jede Bar hat dort Innenhöfe oder Terrassen, wo du rauchen kannst. Die Leute haben am Anfang gemeint, dass der Staat hier zu streng ist, aber mittlerweile ist Kalifornien im Vergleich zu Europa schon wieder sehr liberal was das Rauchen anbelangt. Wieso verbieten sie nicht alle Autos? Die verursachen mehr Dreck und Schaden!

FRITZ: Aber nun mal abgesehen von klimapolitischen Fragen, würdest du das Rauchen auf der Bühne aufgeben wenn es verlangt würde oder lieber eine Strafe bezahlen, so wie es zum Beispiel Slash in Großbritannien getan hat?

Ville: Ich glaube, meistens kriegt da der Veranstalter die Probleme und nicht der Künstler. Ich muss hier wiederum auf Amerika zurückgreifen: Dort gibt es das Gesetz, dass Rauchen erlaubt, wenn es ein Teil der Bühnenperformance ist und Musik ist glücklicherweise in diese künstlerischen Ausdruckformen eingeschlossen. Ich habe in den letzten zehn Jahren ungefähr 600 Gigs gespielt und hatte dabei immer eine Zigarette in der Hand. Wenn sie mir das verbieten würden, wäre es wie wenn du mir den Gurt einer Gitarre wegnehmen würdest. Es ist zwar nicht so, dass die Zigarette meine Performance auf irgendeine Art und Weise verbessert, aber man ist es halt gewöhnt. Ich würde mich ungefähr so fühlen, als hätte ich keine Hosen auf der Bühne an. Es gibt einige alte Veranstaltungsorte, zum Beispiel in Dublin, wo du nicht rauchen darfst, oder auch in Stockholm. Aber dort ist es eben deswegen, weil es so alte Gebäude sind. Auf jeden Fall will ich nicht, dass mir ein Politiker vorschreibt, wo ich rauchen darf und wo nicht.

FRITZ: Zurück zum neuen Album: Warum habt ihr euch dafür entschieden, ein Gemälde von David Harouni aufs Cover zu packen?

Ville Valo: körperlich gesundet, seelisch angeknackst, musikalisch in Höchstform. Bild: SN/Perou/WarnerVille: Wir waren auf Tour in New Orleans und hatten einen Tag frei. Ich bin an seiner Galerie vorbeigegangen, habe das Gemälde gesehen und es hat das bewirkt, was Kunst tun soll: es fesselte mich. Ich bin also rein, hab mich darin verliebt, es gekauft und seither hängt es bei mir im Wohnzimmer. Es hat mich in der kreativen Phase für das Album sehr inspiriert und deswegen fühlte es sich natürlich an, es auch auf das Cover zu geben. Es ist wie ein Kreis der sich damit schließt.

FRITZ: Du wolltest auch was sagen?

Migé: Ich wollte nur eine Erfahrung teilen. Ein Gemälde, das mich wirklich fasziniert hat war eine erotische Darstellung von der Jungfrau Maria. Erotisch! Nicht pornografisch! Ich hab es in Barcelona gesehen, es aber nicht gekauft, weil es 60 Euro gekostet hätte.

Ville: Vielleicht beim nächsten Mal.

Migé: Der Maler war beim zweiten Mal nicht mehr da.

FRITZ: Aber du meinst nicht jene Fotografie von Gottfried Helnwein mit Marilyn Manson als Maria?

Migé: Nein, nein, nein!

FRITZ: Die ist aber wunderschön!

Migé: Wirklich?

FRITZ: Ja!

Migé: Er ist ja auch ein schöner Mann. Ich möchte auch mal ein Porträt von mir machen lassen, von einem finnischen Maler namens Johanne Palomo. Den finde ich sehr interessant. Er macht tolle Bilder von der finnischen Landschaft mit sehr raffinierten Farben.

Ville: Da spalten sich die Meinungen.

Migé: Ja. Er ist eine sehr fesselnde Persönlichkeit. Ich habe daran gedacht, einen Akt machen zu lassen.

Ville: Du möchtest dich gerne selbst ansehen. (lacht)

Migé: Ja, durch die Augen von Johanne Palomo. (zu Ville): Wenn ich?s gemacht hab, kriegst du eine Kopie. Du kannst dir ein Poster daraus machen lassen. (lachen)

Was Ville und Migé sonst noch im äußerst relaxten und angenehmen Interview so von sich gegeben, lest ihr bald im zweiten Teil unseres Interviews mit den Finnen!

#stephanie bürgler

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