Ein Abend für Freunde des schrägen Humors: Zum zweiten Hausgeburtstag der ARGEkultur gewährten STEREO TOTAL Einblicke in ihr kabarettistisch angehauchtes Band-Dasein.
Françoise Cactus geht sicher nicht gern ins Fitness-Studio. Zumindest Arobic kann die Sängerin anscheinend nicht besonders viel abgewinnen. "Push it real good" stönt sie in regelmäßigen Abständen betont unerotisch ins Mikrofon und schiebt ebenso leidenschaftslos bei jedem Mal ihr Becken vor. Kollege und Gitarrist Brezel Göring gleicht die minimalistische Bühnenperformance seiner Kollegin doppelt und dreifach aus und hüpft dermaßen motiviert über die Bühne, als sei er Rumpelstilzchen persönlich. Doch darum sind wir nicht in die ARGE gepilgert, sondern um uns das Deutsch-Französische Wunderwerk der Aufnahmetechnik "Musique automatique" in Natura zu Gemüte zu führen.
116,5 Prozent reine Musik
Aus "40 Prozent Yéyétronic, 20 Prozent Rock & Roll, zehn Prozent Punkrock, drei Prozent Elektroeffekte, vier Prozent französische 60s-Beats, 7 Prozent genialem Dilettantismus, 1,5 Prozent Kosmonauten, zehn Prozent richtig alten Synthesizern, zehn Prozent 8-Bit-Amiga-Samples, zehnt Prozent Transistor-Amplifier und einem Prozent richtig teuren Instrumenten" besteht der Sound des Berliner Duos. So gesehen auf ihrer Homepage. Ergibt nach Adam Riese 116,5 Prozent geballte Stereo-Total-Energie, die zwar talentmäßig ungefähr so aufregend ist wie eine Garagenband, aber so liebenswürdig daherkommt, dass man das ganze Konzert lang ein seeliges Schmunzeln auf den Lippen trägt.
Françoise und Brezel spielen mit ihrem trashigen und amateurhaften Auftreten. Sie wirken authentisch und nehmen sich trotzdem ganz offensichtlich selbst auf den Arm. Selbst sechs Jahre und 63 digital eingefangene Stücke des quietschbunten Stereo-Totaliversums nach dem gemeinsamen Anfang scheinen die beiden ihre Instrumente erst gestern den Untiefen irgendeines Kellers entrissen zu haben. Staubige Riffs vermischt mit Samples aus aller Welt und einer Stimme, die sensiblen Hörern bisweilen Tränen in die Augen treiben mag. Wer hochgeistige Unterhaltung vorzieht, dürfte von Stereo Total enttäuscht bis schockiert sein. Richtig ist bei einem Konzert der beiden, wer das Leben auch augenzwinkernd und nicht ganz so ernst sehen kann. In diesem Sinne: Es lebe die Ironie!
#anita klingler
INFO
Stereo Total
http://www.stereototal.de/news/index.html
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