Kabarett vom Feinsten: Der "Spezialist für eh alles" hat gesprochen: Günther Paal alias Gunkl war in der ARGEkultur zu Gast und präsentierte sein aktuelles Programm.
Wie entsteht eigentlich ein "Wir"? Ganz einfach. So nämlich: "Du Schaahaaatz, wir müssen reden. Wir haben ein Problem." Und dann ist die Kacke am Dampfen. Schwierig, schwierig, aus der Nummer wieder rauszukommen. Wenn man Gunkl glauben darf, beinah unmöglich. Denn: "Es gibt kaum verlässlichere Verbündete als einen Mitschuldigen." So hat die neue Freundin also alles richtig gemacht, indem sie Dich gleich mit eingeschlossen hat ins Problem, denn "ihr" müsst schließlich reden. Alles nicht so einfach, aber zumindest einfach wirksam: Wer dem anderen wenigstens eine Teilschuld an der Misere zuschiebt, hat gute Chancen, dass derjenige das "Wir" nicht so schnell verlässt. Schließlich sind "wir beide" schuld. "Fremd-konstruierte Form der Freiwilligkeit" nennt das der Gunkl gewohnt eloquent. Und "wir", also das Publikum, lachen uns schlapp.
Auch das mit der Schuld ist gar nicht so einfach, erfahren wir. Denn je nach Sprache kann man diese ganz unterschiedlich auffassen. Das englische "dis-appointment" zum Beispiel ist eine Abmachung, die jemand nicht eingehalten hat. Im Deutschen dagegen sind wir "ent-täuscht" - wir haben uns also beim Täuschen getäuscht. Oder anders: "Disappointment ist ein Vertragsbruch, den die Welt begangen hat. Bei der Enttäuschung haben wir uns getäuscht."
Selbst dem leidigen Problem der unverbesserlichen Fotografierer begegnet der Generalspezialist mit einer Schlagfertigkeit, die wohl 95 Prozent der Weltbevölkerung wenigstens für einen Tag gern besitzen würden: "Sie schauen mir nicht zu, Sie hören mir nicht zu, sondern machen Bilder von etwas, wo's eh dabei sind." Wohl wahr, denn: "Wenn Sie was mit heim nehmen wollen, des finden's am Bild eh net."
Wehe dem, der es wagt, unausgeschlafen zu Gunkls Vortrag zu kommen. Der wird sein blaues Wunder erleben. Aber: "Das Hirn will ja denken. Und ich glaub, es kommt dem Hirn zumindest einmal da jetzt gar nicht soo drauf an, dass das, was es sich denkt, in der Welt auch beobachtbar ist. Da wäre ja ein großes Schweigen in der Welt. Wenn das, was man sagt, auch nachweislich stimmen muss, bevor man es sagt. Zuerst denkt man was, dann denkt man das ins Reine, ob?s auch wirklich stimmt, ob?s das so in der Welt auch wirklich gibt, und dann erst darf man?s sagen. Da wär?s ruhig."
Endlich beehrt uns Österreichs Ausnahmerhetoriker wieder außerhalb von Dorfers Donnerstalk und bringt unsere müden Gehirnwindungen in Schwung. Und alles unter "Prädikat: Grenzgenial" wäre schlichtweg untertrieben!
#anita klingler
INTERNET
www.gunkl.at
offizielle Homepage (Vorsicht: Braucht ewig zum Laden!!!)
TERMINE
12/11 Kulisse (Wien)
27/11 Universität Klagenfurt
30/11 Wilheringerhof (Klosterneuburg)
10/12 Kulisse (Wien)
19/12 Kabarett Niedermair (Wien)
20/12 Kabarett Niedermair (Wien)
21/12 Kabarett Niedermair (Wien)
22/12 Kabarett Niedermair (Wien)








