Fünf größenwahnsinnige Schweden erobern die Welt - ein Stück in vier Akten.
Erster Akt: "What?s That Spell?...Go To Hell!"
Wir schreiben das Jahr 1997 als fünf junge Schweden mit jeder Menge Adrenalin im Blut ihre überdrehte Version von Highspeed Rock and Roll in Form ihres Debütalbums loslassen. Die nötige Arroganz und Lässigkeit ist bereits zu spüren, allerdings gab man sich anno dazumal noch nicht ganz so abgehoben und posierte im Booklet des Debüts "Barely Legal" noch in Alltagskleidung anstatt uniform in schicken Anzügen. Roher und schneller als seine Nachfolger war der Erstling allemal. Eine gelungene Mischung aus den New Bomb Turks und den Sonics wenn man so will.
Zweiter Akt: "The Hives - Declare Guerre Nucleaire"
"Veni Vidi Vicious" hieß dann das Album, das den Hives über Szenekreise hinaus Bekanntheit verschaffte. Zwölf Songs voll herrlicher Melodien, jugendlichem Ungestüm und kantigen Crunch Riffs denen sich jeder Gitarrenmusikfan nur schwer entziehen konnte. So trug es sich zu dass Alan McGee (Gründer Creation Records) das Video zum Hives Song "Hate To Say I Told You So" sah und die Band kurzerhand für sein neu gegründetes Label Poptones unter Vertrag nahm. Dort erschien dann die Best of Compilation "Your New Favorite Band", die neben den Singles der ersten beiden Alben und der "A.K.A. I-D-I-O-T" EP noch eine B-Seite sowie eine DVD mit drei Videos enthielt. Diese Ansammlung von Hits führte dann zum Durchbruch in den UK und dank der Wiederveröffentlichung von "Veni Vidi Vicious" auch in den USA.
Dritter Akt: "A Little More For Little You"
Nach intensivem Touren machten sich die Hives 2004 daran ein neues Album einzuspielen. Das Resultat nannte sich "Tyrannosaurus Hives" und zeigte sich ganz dem Größenwahn der fünf entsprechend in güldenem Gewand. Die Singles "Walk Idiot Walk" sowie "Two-Timing Touch And Broken Bones" als auch "A Little More For A Little You" schlugen in die Charts ein und präsentierten die Hives in alter Frische. Allerdings klang die Platte im Vergleich zu den älteren Sachen nicht mehr ganz so unverbraucht und hatte auch ihre weniger glanzvollen Momente. Der Euphorie um die Band tat das allerdings keinen Abbruch und so dokumentierte sie ihre euphorisch gefeierten Konzerte auf der 2005 erschienenen DVD "Tussles In Brussles". Nächstes Ziel: Weltherrschaft!
Vierter Akt: "Hey Little World"
Als vor ein paar Monaten der Track "Throw It On Me?"erschien konnte man sich schon ausrechnen, dass es mit den Hives wie man sie kannte vorbei sein würde. Für jenen Song hatte sich der (zur Zeit) penetrant überpräsente Timbaland die fünf Schweden ins Studio geholt um eine Gitarrenmelodie und ein paar Vocalelemente beizusteuern.
Nachdem bekannt wurde, dass jener Herr auch für das neue Album einige Tracks produzieren soll, konnte man sich als Fan der ersten Stunde schon leichte Sorgen machen. Funktionieren Hives Songs auch als völlig überproduzierte Rockklumpen, wo die Band doch ihre Stärke gerade aus den reduzierten, dreckigen Garage Schrammelnummern bezieht.
Okay, okay ganz so schlimm ist das Ganze dann doch nicht geworden. Von den Songs, die mit Timbaland entstanden sind hat es übrigens keiner auf die Platte geschafft. Sehr wohl wurden aber zwei Tracks von Pharell Williams produziert. Zum einen das etwas ungewöhnliche "Well All Right!" und dann noch das (sehr ungewöhnliche und) gewöhnungsbedürftige "T.H.E.H.I.V.E.S.".
Nun gut, die Vorab Single "Tick Tick Boom" zeigt uns noch mal die Hives wie wir sie kennen und lieben. Schrammel Garagenrock mit ordentlich Drive dahinter. Auch "You Got It All Wrong" oder "Return The Favour" wissen zu überzeugen. Leider gibt es auf dem Schwarz Weiß Album auch einige Totalausfälle ?-hier wurde wohl zu viel experimentiert. Jetzt bitte nicht falsch verstehen - ich bin grundsätzlich kein Gegner von Experimenten und es gibt viele Bands, die dadurch auch ihren Sound erweitert und bereichert haben. Allerdings gehören die Hives, meiner Meinung nach zu der Sorte Bands, die ihr Terrain, wenn überhaupt, nur um wenige Zentimeter erweitern sollten. Kurz - Garagenrock eignet sich einfach nicht besonders gut für Experimente, weil dieser Sound gerade aus seiner Reduktion und unheimlichen Energie seinen Reiz bezieht.
Das wohl merkwürdigste Stück des Albums ist ohne Zweifel "A Stroll Through Hive Manor Corridors". Ein instrumental Stück mit intensivem Orgeleinsatz, das den Albumfluß extrem stört. Und so viel Nervpotential wie der Song "Giddy Up!" hat muss man auch erst mal auf Tape bannen. Das bereits erwähnte "T.H.E.H.I.V.E.S." zählt ebenfalls nicht zu den besten Songs, die das Quintett geschrieben hat. Der Rest der Platte schwankt zwischen "solide" und "gut". Man könnte sagen dass die Platte mehr nach Stadion klingt - breitbeiniger Rock, der sich des öfteren im Midtempobereich abspielt. Überdrehte Adrenalin Spritzen à la "Outsmarted" wird man wohl in Zukunft nicht mehr injiziert bekommen. Schade!
#martin reiter
INTERNET
http://www.thehivesbroadcastingservice.com
Offizielle Homepage der Hives
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