Mit "Meet The Eels", einem Best-of, und "Useless Trinkets", einem Doppelalbum voller Raritäten, blickt Mark Oliver Everett zurück auf zehn Jahre Eels. It's a Motherf#&!@r.
Mark Oliver Everett alias "E" macht Popmusik, die es schafft, dem Leben einen eitrigen Zahn zu ziehen, ohne dass man es mitkriegen muss. Kleine Geschichten über winzige Menschen werden zu umwerfenden Popsongs, melodisch und zart oder hart und ein wenig abgefuckt. Satter Weltschmerz erfährt dabei einen ironischen und verständnisvollen Blick und wird vordergründig in Harmonie verwandelt. Schräge Außenseiter, kaputte Loser, Jungs mit Hundegesichtern oder hübsche Mädchen mit Tagebüchern sind als wundervolle Freaks die Protagonisten im Eels'schen Song-Universum. Mit "Meet The Eels", einer üppigen Best-of-CD, sowie mit "Useless Trinkets", einem Doppelalbum voller Raritäten, blickt Mark Oliver Everett zurück auf zehn Jahre Eels.
Bittersüß, tragisch-komisch und genial einfach - der erste Hit "Novocaine For The Soul" aus dem Jahre 1996 bringt es bereits auf den Punkt. Der spannende Mix aus elektronischen Spielereien, eingängigen, simplen Melodien und dezentem Post-Grunge-Schmerz waren Mitte der 90er fast so hip wie der Hop. Quasi Beck meets Kurt Cobain meets Peter Gabriel meets Brian Wilson. Alles vereint in einem sarkastischen und aufrechten Kerl, der 1963 in Virginia das Licht der Welt erblickte, der seinen Vater, einen querdenkenden Quantenphysiker und Pentagonmitarbeiter, 1982 tot in seinem Bett fand, dessen Schwester und Mutter in den 90ern kurz hintereinander verstarben und dessen bester Freund heute ein Hund namens Bobby jr., eine Mischung aus Bluthund und Schäferhund mit einem kaputten Vorderlauf, ist.
Bevor Everett als Eels 1996 einen Vertrag bei Steven Spielbergs "DreamWorks"-Produktionsfirma unterschrieb und sein Debütalbum "Beautiful Freak" (1996) veröffentlichte, hatte er schon viele Jahre des unbeachteten Musizierens auf dem Buckel. Bis heute wechselt die Bandbesetzung von den Eels ständig, ein Umstand, der vielleicht auch zum stets veränderten Sound beiträgt. Denn war das Debütalbum eine bunte Klang- und Liedmischung, so fiel das Folgewerk "Electro Shock Blues" (1998) - wohl auch beeinflusst durch die persönlichen Schicksalsschläge - um einiges düsterer aus, während einen das zauberhaft traurige "Daisies Of The Galaxy" zwei Jahre später leise und lieblich umspielte. Mit "Souljacker" folgte 2001 die wild rockende Antwort darauf und mit "Shootenanny!" (2003) eine geradlinige, poppigere Abwandlung davon. Ein echtes Meisterwerk erschien 2005 mit dem 33-Songs starken Doppelalbum "Blinking Lights And Other Revelations".
Auf "Meet The Eels" wird chronologisch Album für Album abgehandelt. Eine handverlesene Zusammenstellung, die trotz 24 Titeln noch den einen oder anderen Lieblingssong vermissen lässt. Natürlich drauf sind alle Hits wie "Last Stop: This Town", "Mr. E's Beautiful Blues" oder "I Like Birds", ein Andenken an E's Mutter, die sich stets den kleinen Vögeln in ihrem Garten annahm - etwas, das einem durch die Lektüre der offenherzigen und zum Teil sehr lustigen, von E für jeden Song verfassten Liner-Notes anvertraut wird. Übrigens (für alle 'Geeks und Freaks'): Bei dem von E erwähnten, alten E-Piano von "It's A Motherfucker" soll es sich um jenes Instrument handeln, mit dem Neil Young 1970 "After The Goldrush" eingespielt hat.
Hier "E's All Time Favorite Joyous Songs" aus dem Booklet:
(for Melody Maker)
1. "End Of The World" - Skeeter Davis
2. "The Lonesome Death Of Hattie Carroll" - Bob Dylan
3. "Old Shep" - Elvis Presley
4. "I'll Never Get Out Of This World Alive" - Hank Williams
5. "Candle In The Wind 1997" - Elton John
Der CD ist außerdem eine DVD beigelegt, auf der alle bisherigen Musikvideos enthalten sind - vom aufwendigen Herumfliegen in "Novocaine For The Soul" bis zum trashigen, zum Brüllen komischen und selbstgemachten "Hey Man (Now You're Really Living)" mit Hund Bobby als jaulenden Backgroundsänger. Lässt man die Audiokommentare von Marc Oliver Everett zu den Videos eingeschalten, dann erfährt man auf lakonische Art von seiner Abneigung gegenüber den Videos der frühen Schaffensphase. Vor allem "Susan's House" findet E so furchtbar schlecht, dass er sich dafür entschuldigt und am Ende entnervt das Zimmer verlassen muss, weil er das Ganze nicht mehr aushält. Je weiter wir in die Gegenwart vorstoßen, desto zufriedener wird auch unser Hauptdarsteller.
Mit der fetzigen Coverversion des Missy Elliott-Hits "Get Ur Freak On" ist auch eine skurrile Rarität als Fan-Wunsch auf der Best-of-Compilation zu finden, die, bei aller Liebe, völlig deplatziert wirkt. Das hätte besser zu den "Useless Trinkets" gepasst, denn da versammeln sich bisher unveröffentlichte Tracks, bekannte Songs in verändertem Gewand, Coverversionen, Soundtrackarbeiten und Live-Kostproben auf zwei CD's. Und wie immer kommt Mr. E bei jedem Song mit knapp drei Minuten aus.
Von den insgesamt 50 (!) großartigen Tracks, die gleichermaßen zum Träumen, Weinen und Lachen sind, sollen diese hier exemplarisch erwähnt werden: Die funkensprühende Kratz-Version der ungewöhnlichen Prince-Nummer "If I Was Your Gilrfriend", das ruhige und so wirkungsvolle Cover des zufrieden verliebten Daniel Johnston-Songs "Living Life", eine originalgetreue Eels-Kopie von Screamin' Jay Hawkins' Voodoozauber "I Put A Spell On You" oder die beschwingte, mit Streichern vorgetragene Instrumentalversion von "Mr. E's Beautiful Blues" - ruhige Songs überwiegen zwar, viele Nummern reissen aber total aus und so überflügelt die Raritätensammlung die Best-Of-Zusammenstellung in punkto Originalität und Abwechslung.
"Useless Trinkets" liegt zudem eine DVD bei, die einen Mitschnitt vom Lollapalooza-Festival 2006 beinhaltet. Damals gab's live Schweinerock, dann ist E wiedermal in reduzierter Form zum Beispiel mit einem (sexy) Streichquartett unterwegs. Wer wissen will, wie unterschiedlich Eels-Konzerte sein können, dem sei der München-Konzertbericht von vergangener Woche von FRITZ-User Dubhead empfohlen und der Text zum 2006er Eels-Gig in Wien von meiner Wenigkeit.
Und wie sagte Tom Waits einst so schön über die Eels: "Eine Elektro-Therapie auf alten Leihhaus-Instrumenten mit Stammes-Grooves und Garage-Energie. Die Eels sind Außenseiter, wie Leute, die mit Nagellack malen. Ich warte gespannt auf jeden neuen Release. Was kann man an billigen Mikros, Distortion-Melodien und großartigen Songs nicht mögen?" Eben. Zwölf von zehn glitschigen Hundekuchen und eine tiefe Verneigung.
# Robert Innerhofer
www.eelstheband.com
Offizielle Homepage von den Eels
www.myspace.com/eels
MySpace-Seite von den Eels
VIDEO:
"Hey Man (Now You're Really Living") auf YouTube
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Die Band kann man jedem wirklich empfehlen - und dass sag' ich, als verschrobener Elektronik-Head. ;-)
dubhead
ahja, danke für die Erwähnung, fühl' mich geschmeichelt! ;-))