Starkes Debüt der als Soulhoffnung gepriesenen Waliserin.
Duffy ist ja eine der neuen Amy Winehouses. Obwohl die alte ja eh erst voriges Jahr eine Platte gemacht hat und munter durch die Charts flitzt (und weniger munter durch die Klatschspalten, aber die interessieren uns hier nicht). Das macht man im hypesüchtigen England ja gerne. Nachfolger suchen, obwohl die Vorgänger noch leben. Vielleicht ja ein Erbe von Heinrich VIII. aber bevor ich mich hier als der Geschichte unkundig erweise, lieber über die Musik reden.
Duffy, die im Vornamen auch noch Aimee heißt, ist, weil sie Retro-Soul macht, zwar auf der gleichen Münze wie Amy Winehouse, aber auf der anderen Seite. Blond, positiv, sauber und knapp 23, kommt Duffy aus Wales und hat dort bei der lokalen Starmaniaversion den zweiten Platz belegt. In Folge wurde sie Produzent Bernard Butler vorgestellt, als ehemaliger Gitarrist von Suede Teil der britichen Popgeschichte, danach Solo unterwegs und immer eher der Schöngeist mit einer Vorliebe für dicke Arrangements als der dreckige Rocker.
Er hat Duffy "Rockferry" auf den Leib und ihre kräftige, umfangreiche und vielseitige Stimme geschrieben, die es einerseits schafft an die großen alten Soulsänger der 60er und 70er zu erinnern (bei "Syrup & Honey" fast etwas zu sehr) und andererseits etwas eigenes zu schaffen. Eine Sängerin mit Wiedererkennungswert.
Noch mehr als bei Amy Winehouse stecken die Arrangements tief in der Vergangenheit. Wo diese mit dem einen oder anderen scharfen Break den alten Sound an die Neuzeit angepasst hat, klingt "Rockferry" auf schlechten Boxen als wäre es aus den oben genannten Dekaden. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen - es eine starke Platte die Duffy hier hat. Gemeinsam mit Butler hat sie 10 klassische Soulsongs geschrieben, die hier beseelt gespielt und gesungen werden und geschmacksicher arrangiert sind. Das Spektrum reicht von instant Hits wie "Serious", "Stepping Stone", "Distant Dreamer" und "Mercy" (mittlerweile nicht mehr nur in England der Song der Stunde) zu Growern wie "Hanging on too long" (der auch von Bobby Womack hätte sein können) oder "I'm scared", die neugierig und Lust machen, das Album noch mal und noch mal zu hören.
Doch man kommt nicht umhin, bei "Rockferry" abseits seiner vielen musikalischen Qualitäten auch über das Produkt zu sprechen. Retro-Soul ist in und lässt sich gut verkaufen. Duffy hat die Stimme und das Gefühl, um das Ganze echt klingen zu lassen, ist hübsch anzusehen und wird, quasi als Gegenpol zur verruchten und etwas unheimlichen Winehouse, als das liebe und selbstbewusste Mädchen präsentiert. Der Vergleich mit Dusty Springfield fällt nicht zufällig immer wieder. Und ob Duffy schon lange vor Winehouse an diesem Sound und diesen Songs gearbeitet hat, wie sie gern erzählt, oder nicht - "Rockferry" erscheint nicht zufällig gerade jetzt. Noch vor 2 Jahren hätte es für diese Musik kein besonders großes Publikum gegeben.
Joss Stone hat vor vier Jahren den Anfang gemacht und sich mit "The Soul Sessions" vom seelenlosen und selbstgefälligen Stimmakrobatiksoul verabschiedet, um sich auf die Vergangenheit zu konzentrieren und dort Impulse herzuholen. Hierzulande hat das eine gewisse Vera Böhnisch gecheckt, ist aber mit "Welcome to my Record Bag" wohl etwas zu früh auf den Zug aufgesprungen und wurde ein wenig zu Unrecht übersehen.
Mit Amy Winehouse ist die Retro-Soul Welle jetzt durch die Decke gegangen und wie das bei Wellen meistens so ist, sind die ersten Platten, die zu einem Zeitpunkt entstehen, wenn der kreative Funke immer weiter springt und das Feuer noch brennt, richtig gut.
Duffy macht jetzt weiter und letztes Monat erschien ebenfalls das Debüt-Album "19" von Adele - und die wird in England, wie könnte es anders sein, als neue Amy Winehouse gefeiert.
Duffys Vorteil ist, dass sie die Qualität über Albumlänge hält. Winehouse hat zwar die größeren Hits, aber auch mehr Ausfälle und Adele hält zu lange den reduzierten Sound durch um die Spannung aufrecht zu erhalten.
Ist "Rockferry" also die beste Platte dieser Welle? Sie ist es momentan. Über ihre Nachhaltigkeit wird die Zeit entscheiden. Ein Kaugummi Effekt (schmeckt kurz super und wird dann fad) ist zwar möglich, aber auch Kaugummi erfreut sich großer Beliebtheit.
# christoph schwarz
Internet:
http://www.iamduffy.com/
Offizielle Homepage von Duffy
FRITZ-TIPP
Schon gesehen? Über die "Tags" unter dem Titel kommt ihr in die Themen-Rubriken! Übrigens: Dr. FRITZ hilft mit Tipps zur Blog-Bedienung ...
NAVIGATION STORIES
Stories ..................... Die aktuellsten FRITZ-Stories im Überblick
Job-Blogs ................. FRITZ berichtet über nicht alltägliche Berufsbilder
Reise-Blogs ............. Rio-Blogs von Anita und andere FRITZ-Reisethemen
DVDs ...................... Aktuelle Filmkritiken
Bücher .................... Alle FRITZ-Buchkritiken auf eine Blick
Reportagen ............. Von Sport-Events bis Theater und Museen
Archiv ..................... Alle Stories, Buchkritiken und Reportagen vor Juni 2006NAVIGATION MUSIK
Musik ...................... Die aktuellsten FRITZ-Musikstories
CDs ........................ Die aktuellsten CD-Kritiken
Interviews .............. Die aktuellsten FRITZ-Interviews im Überblick
Konzerte ................ Die FRITZ-Konzertberichte im Überblick
DVDs ...................... Aktuelle Filmkritiken
Musikstories ........... Allgemeine Musikstories und Bandporträts
Hier sind Helden ..... Die SN/FRITZ-Serie über junge Salzburger Bands
Archiv .................... Alle CD-Kritiken und Interviews vor Juni 2006NAVIGATION SPIELE
Spiele .................. Die aktuellsten Spiele-Einträge
Hardware ........... FRITZ hat die aktuellen Spielkonsolen getestet
Xbox 360 ............ Die aktuellsten Xbox-360-Spiele
PS3 ..................... Die aktuellsten PS3-Spiele & -Berichte
PSP ..................... Die aktuellsten PSP-Spiele
PS2 ..................... Die aktuellsten PlayStation-2-Spiele
Nintendo Wii ........ Die aktuellsten Nintendo-Wii-Spiele
Nintendo DS ........ Die aktuellsten Nintendo-DS-Spiele
Archiv ................. Alle Hardwaretests und Spielekritiken vor Juni 2006











Tolle Frau!