Überflüssiges Unplugged Album von Österreichs einzigem Popstar. Dabei hätte der Titel schon in die richtige Richtung gewiesen.
Wie doch die Ansichten auseinander gehen können. Da erzählt Christina Stürmer in einem Interview über ihr Erfolgsgeheimnis, das da Eigenständigkeit heißt, während ich hier überlege, wie ich sage, dass es ihr genau an der fehlt. Dass ihr größtes Problem ist, dass man sie von Silbermond oder Nena oft nicht unterscheiden kann.
Christl redet weiter davon, dass man sich trauen muss ein Unplugged Album aufzunehmen und dass die Kollegen von Juli oder Silbermond diesen Mut noch nicht hatten, während ich mir beim Anhören von "Laut-los" immer denke, wie sehr diese Platte auf Nummer Sicher geht und nur ein Überbrückungsalbum sein kann.
Auf 13 Songs kommen gerade 5 neue, der Rest sind bekannte Hits, die einfach ohne Verzerrer gespielt werden. So wie "Ich lebe" oder "Geh nicht wenn du kommst" hier klingen, haben wir sie die letzten Jahre an jedem zweiten Lagerfeuer gehört.
Stürmers Texte hängen immer mehr an sehr banalen und vermeintlich klugen Bildern, schrammen aber oft genug nur hauchdünn am Schlager vorbei. Ob sich die Texte bewusst nicht reimen und Zeilen sich massiv aneinander reiben, ist in Stürmers Karriere von Anfang an ein Fragezeichen gewesen. Denn im Gegensatz zu den Sportfreunden, wo solche Verse einen gewissen dilettantischen Charme haben (weil sie nämlich zu deren bewusst leicht schlampig gespielter Musik passen und damit als Ganzes funktionieren), wirken sie hier wie nicht zu Ende gedacht und in Kombinationen mit der exakten und stromlinienförmigen Musik ganz einfach schlecht geschrieben.
Christls Stimme, die bei Starmania und in ihrer früheren Band Scotty noch alle von der Bühne geblasen hat, hatte auf ihren Platten nie mehr diese Wucht, obwohl sie es immer (wieder) versucht. Mit dem Effekt, dass bei ihr alles gleich klingt. Lebensfreude, Liebesschmerz oder Sehnsucht bekommen die gleiche Stimme. Das Campino Problem. Alles voll auf Angriff singen. Am meisten fällt das bei der neuen Version von "Engel fliegen einsam" auf, das als einziges Lied eine Frischzellenkur erfährt und hier als Swing gespielt wird. Die Band macht das treffsicher und entspannt, nur Christl kann da nicht mit und singt das Ding wie eine Rockballade.
An dieser Stelle ein Shout-Out an die tolle Band, die hinter ihrer Sängerin stimmige und tighte Arrangements hervorzaubert und mit Gitarrensoli kleine Feuer entfacht - die spannendsten Momente auf dem Album, aber nicht Sinn der Sache und daher selten.
Für weitere Neuerungen reicht der beschworene Mut nicht. "Ich lebe", aus dem man gut und gern ein Lied über Abhängigkeit hätte machen können - quasi den kleinen, fiesen Bruder vom Original - bleibt unangetastet. Ein schön fernwehiges Akkordeon wird neu eingeführt, blitzt aber nur kurz auf, denn solche Gefühle existieren in der Welt, die Christina Stürmer besingt, nicht. Dafür gibt es furchtbar soßige Streicher, die total gefühlig gemeint sind und die Single "Träume leben ewig", die was von Annett Louisan haben soll, doch nicht einmal die hätte sich dieses Lied angetan.
Was bleibt, neben der Band, an Positivem? Dass Christina Stürmer ein sympathisches Mädl bleibt, "Augenblick am Tag" mit dem Country flirtet und "Geh nicht wenn du kommst" als Song nicht tot zu kriegen ist. Ansonsten hätte man sich hier besser an den Albumtitel halten sollen.
Wen es dennoch interessiert - Christina und Band spielen am 19.4. in der Salzburg Arena.
# christoph schwarz
Internet:
http://www.christinaonline.at/
Offizielle Homepage von Christina Stürmer
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