FRITZ Reihe "Alte Meister": Meat Loaf und Jim Steinman erweitern ihre "Bat out of hell" Serie mit altbekannte Elementen zur Trilogie: "Bat out of Hell 3: The monster is loose".
Ich sitze mit großen Augen und breitem Grinsen vor dem CD Player und rund um mich herrscht Verwirrung: "Was ist das denn?", "Das findest du gut?", "Meat Loaf, den gibt's noch?", "Ist das neu? Klingt wie vor 20 Jahren."
Eigentlich klingt Meat Loaf - sein bürgerlicher Name ist übrigens Marvin Lee Aday und die Ursprünge seines Künstlernamens hat er nie so recht erklärt - schon seit fast 30 Jahren so. Der erste Teil der Bat out of Hell Serie erschien immerhin schon 1977. Kurz zuvor hatte Meat Loaf, der ja immer lieber Schauspieler sein wollte als Sänger, den Komponisten Jim Steinman bei einem von Steinmans Musicals kennengelernt. Nach seinem Auftritt in "The Rocky Horror Picture Show" war Meat Loaf nicht nur bekannt, sondern auch als wuchtiger Sänger geoutet und tat sich wieder mit Steinman zusammen, um dessen Songs für "Bat out of hell" aufzunehmen. Das Album warf damals drei Top 40 Singles ab.
Jetzt gibts also "Bat out of hell 3", mit dem schönen Untertitel "The monster is loose" und wir fragen uns - hat er es gewusst? Zum Beispiel, dass The Killers heuer ihr pompöses Album veröffentlichen würden und sich dafür Vergleiche mit Meat Loaf gefallen lassen mussten? Hat er gewusst, dass wieder Akzeptanz und Interesse für einen so großen Sound wie den Seinen besteht?
Nun, Meat Loaf ist des Kalküls dann doch eher unverdächtig. Immerhin ist der zweite Teil der Fledermaus Serie, "Bat out of hell 2: Back into hell", 1993 erschienen, zur Hochzeit des Grunge. Und selbst damals war das Ding so erfolgreich, dass so manche Grunger wohl vor Neid geplatzt sind (obwohl sich die ja eh nie was aus Erfolg gemacht haben).
Außerdem ist im Vergleich dazu, was Meat Loaf und Steinman hier abfeuern, jedes andere heuer erschienene Album ein Lerchalschaß und wenn es noch so pompös ist.
Steinman schreibt wieder die für ihn typischen Stücke. Riesengroße Melodien, epische Themen (Liebe, Tod, Gott) und ewig lange Laufzeit. Auf jeden Rocksong kommen zwei Powerballaden und jeder Track könnte die Abschlussnummer eines Musicals sein. Wie man in Interviews so hört, war das Ganze ja ohnehin als große Geschichte dieser Fledermaus gedacht, die da aus der Hölle raus und dann doch wieder rein und jetzt aber er wieder raus und das Monster kommt mit... - naja egal. Arrangiert wird wie gewohnt ohne Rücksicht auf Verluste. Fette Gitarren, Orchester, Piano, Chöre, Pauken und Trompeten - alles natürlich gleich von Beginn an aufgefahren und selbstverständlich bis zum Ende durchgehalten. Bombast as Bombast can.
Komponist Jim Steinman, der ja immer hinter Meat Loaf verschwand, ist ebensoviel Teil der Figur Meat Loaf, wie der soviel bekannterer Sänger selbst. Gemeinsam ergänzen sie sich zu einem großen Ganzen. Der eine schreibt die Songs, der andere liefert die Stimme. Und die schmettert wieder mit soviel Inbrunst und Pathos, da könnte Scott Stapp noch was lernen.
Als ob das alles noch nicht genügen würde, versammeln sich auch ein Menge hochkarätiger Gaststars auf "Bat out of hell 3". Nikki Sixx und John 5 dürfen schreiben und spielen, Brian May und Steve Vai dürfen gniedeln, Todd Rundgren und Desmond Child dürfen produzieren. Sogar für Nachwuchsförderung ist Zeit. Die erste Single, die x-te Version von "It's all coming back to me now", bestreitet Meat Loaf im Duett mit der makellos schönen und stimmlich völlig charakterfreien - ergo eher faden - Marion Raven.
Da sitze ich also immer noch breit grinsend vor dem CD Player. Weil das Ganze natürlich prächtig funktioniert. Weil wieder großartige Songs dabei sind, wie "Blind as a bat", "Alive" oder "In the land of the pig, the butcher is king". Und weil es wohl diesen leicht bierseligen Teil in mir bedient, der eine Schwäche für Pathos hat. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass in diesen Songs alles immens emotional und dabei trotzdem immer sehr einfach und klar ist. In die Liebe mischt sich kein Zweifel, in die Freiheit keine Angst und der Schmerz steht immer kurz vor der Erlösung.
Spätestens ab der Hälfte ist das halt auch alles einfach viel zu viel. Völlige Übersättigung. Mag sein, dass da hinten noch gute Songs sind, aber - ...ist das alles gut? Zur Hölle, es ist Meat Loaf und er ist in Topform. Überraschungen oder gar Innovationen gibt es keine, aber will das irgendwer? Man wäre ja auch nicht begeistert, wenn einem der Stammwirt das Schnitzel plötzlich mit Sesam paniert.
#christoph schwarz
INTERNET
www.meatloaf.de
Offizielle deutsche Homepage von Meat Loaf.














Wegen John5 würd' ich glatt einen Euro fuffzig für das Album zahlen.
Allerdings werden das wohl nur Leute gut finden, die dem klassischen Rock ansonsten auch etwas abgewinnen können. (Wie war das nochmal mit "man kann Norah Jones nicht vom Metal-Standpunkt betrachten"?)
Also nochmal: mir gefällts! Die Rezi und die neue CD :-)
Wenn man also nach Pathos lechzt, Meat Loaf hören? Aber nur happenweise, sonst platzt man ;-)