Was schlechte Albumkritiken so alles bewirken können: Die Deftones haben sich drei Jahre nach ihrer letzten Platte wieder zusammengerissen und probieren's auf "Saturday Night Wrist" mit einer kleinen Stilwandlung.
Was macht eine Band, deren aktuelle musikalische Ergüsse nicht mehr an vergangene Geniestreiche heranreichen? Vermutlich wird sie erstmal Zeit gewinnen wollen und "versüßt" ihren Fans daher die Wartezeit auf neues Material mit irgendwelchen mehr oder weniger gelungenen Best Of's oder B-Seiten-Compliations. Während diese von der Öffentlichkeit dann konsumiert und kritisiert werden, überlegen sich die musizierenden Herren oder Damen dann, wie's denn jetzt eigentlich weiter gehen soll.
Ein Paradebeispiel für jene Vorgehensweise bieten hier die Deftones, die uns nach ihrem letzten, von vielen Fans heftig kritisierten, selbstbetitelten Album und der 2005 erschienen "B-Sides & Rarities"-Platte nun endlich ihr neues Werk präsentieren: "Saturday Night Wrist" heißt das gute Stück und ein Blick auf die Tracklist lässt den Hörer schon erahnen, wie sich die fünf Kalifornier aus der Affäre zu ziehen gedenken: Songs wie "Rats!Rats!Rats!", "U, U, D, D, L, R, L, R, A, B, Select, Start" oder "Kimdracula" klingen wie ihre Titel: Experimentell und irgendwie so gar nicht nach dem, was uns die Herren bis jetzt präsentiert haben. Da wird zwar immer noch ganz deftonesmäßig gekreischt, gewimmert und natürlich auch gesungen, da herrscht immer noch diese erdrückend traurige Grundstimmung, für die die Fans diese Band so lieben, trotzdem aber ist "Saturday Night Wrist" erfrischend anders als das bisherige Werk der Mannen rund um Sänger Chino Moreno.
Einerseits liegt das an Dj Frank Delgado, der bei den Aufnahmen der Songs einen plötzlichen Motiationsschub gehabt haben dürfte; soviel Samples und Keyboards waren auf noch keinem der vier vorigen Deftones-Alben zu hören; der pianogetragene Ohrwurm "Xerces" beispielsweise zählt eindeutig zu den besten Songs des Albums und mit "Pink Cellphone" ist erstmals sogar ein rein elektronischer Song enthalten, auf dem "Gaststar" Annie Hardy (Ihres Zeichens Sängerin von Giant Drag) monoton über den Glauben und "the one true power" sinniert.
Ein zweite Kollaboration gibt's auf dem relativ straighten Rocker "Mein", wo nach gut zwei Minuten plötzlich das angenehme Organ von System Of A Down-Fronter Serj Tankian zu vernehmen ist. Eine kleine Sensation für sich eigentlich?
Der andere gravierende Unterschied zu anderen Deftones-Werken liegt in der Produktion der Platte: Noch nie wurde soviel an Chinos Stimme herumgefeilt wie auf "Saturday Night Wrist"; jede Menge Reverbs, Verzerrer und vor allem zusätzliche Vocal-Spuren verstärken die diesmal ohnehin schon großartige Gesangsleistung des Frontmanns noch um ein Vielfaches. Bemerkbar macht sich das vor allem bei fetten Refrains von Tracks wie dem großartigen "Beware" oder der ersten Single "Hole In The Earth", die durch solche geschickten Mischpultspielereien fast schon überirdisch genial, jedenfalls aber wie nicht ganz von dieser Welt klingen. Wie Herr Moreno das live umzusetzten gedenkt, ist dann wieder ein anderes Thema...
Einzig Chinos Gekreische auf Nummern wie "Combat" oder "Rats!Rats!Rats!" kann nicht so beeindrucken wie auf älteren Songs. Ganz ehrlich, das hat der Mann schon mal besser können.
Aber was solls, die Deftones sind zurück und zwar ordentlich! "Saturday Night Wrist" ist richtungsweisend und innovativ und vor allem um Klassen besser als alles, was sich der nach dem letzten Album entmutigte Fan erträumen durfte.
#sebastian müller
INTERNET
www.deftones.de
Offizielle deutsche Homepage der Deftones.








Aber was die Platten angeht waren und sind die Jungs einfach erste Sahne. Die B-Sides & Rarities war auch ziemlich geil...