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Mysterium Musik
vor 644 Tagen | Kommentare [8] | Tags: cd-kritik, musik, reviews, thea | Autor: thea

Seit Wochen liegt das Rezensionsexemplar von Vegetal von Emilie Simon bei mir am Schreibtisch, jedes Mal wenn ich reinhöre bin ich mehr verwirrt. Das hier ist der letzte verzweifelte Versuch einer Rezension.

SN/Barclay (Universal Music GmbH) Normalerweise werden Rezensionen mit einer Zusammenfassung beendet, da in diesem Fall das Ringen um eben jene aussichtslos erscheint, soll sie am Anfang stehen. Am Anfang einer Reise durch ein Album, die irgendwann im Nirwana verschwand, allerdings ohne mich.

Ich bin ratlos was dieses Album betrifft. Es handelt sich um Musik, erkennbar an klingenden Musikinstrumenten und einer sehr zarten Singstimme. Aber was sollen diese seltsam anmutenden Hintergrundgeräusche, die eher an eine zerkratze Schallplatte oder an das Getrommel eines Zweijährigen auf den Töpfen der Mutter erinnern?

Problematisch werden diese Hintergrundgeräusche, wenn sie so laut werden, dass sowohl Gesang, als auch Gefiddle nicht mehr oder sehr schwer hörbar sind. So kam bereits beim ersten Titel der Verdacht auf, die CD wäre zerkratzt. Nach eingehender visueller und sensorischer Untersuchung wurde zwar das Gegenteil festgestellt, meine Ohren blieben allerdings dabei schauerliche Kratzer zu hören.

Nach drei Titeln stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf und ich muss auf Pause drücken um meinen Ohren eine Erholungsphase von diesem grauen, zähflüssigen Irgendwas zu geben. Auch die viel zu zarte Stimme der Sängerin bietet hier keinen Rettungsankern. Allerdings ist diese Zartheit nicht immer von Nachteil, denn teilweise sind die Tonlagen grausam hoch und schrill.

Umso verwunderliche erscheint es dann, dass sich die einzelnen Stücke klar und deutlich erkennbar von einander unterscheiden, zum einen weil manches mal auf Französisch, dann wieder auf Englisch gesungen wird. Zum anderen aber, weil die Musikanten die an diesem Album mitwirkten ihr Handwerk wirklich verstehen müssen und ihren Instrumenten beachtliche Töne entlocken.

Als großer Fehler sollte sich auch herausstellen, diese Album als Hintergrundmusik der Entstehung dieser Rezension zu verwenden. Dies führte nicht nur zu fatalen Rechtschreibfehlern, sondern auch dazu, dass gerade gefasste Gedanken verschwanden und sich weigerten wieder aufzutauchen.

Als nächste Schwierigkeit sollte sich die Kategorisierung des Albums erweisen, allerdings weniger in welches Umfeld es passen würde. Ein lauschiges Plätzchen unter der Brücke, ein paar Ratten als Nachbarn und eine Heroinspritze in der Armbeuge und diese Musik wäre perfekt. Denn entrückt ist diese Musikkreation auf jeden Fall.

Sollte der Hörer den nicht vorhanden Beipackzettel nicht sehr genau lesen, so wird er bald tief und immer tiefer in den Sog aus Depressionen, verzerrten Welten und skurrilen Klängen entführt.

Sollte also irgendwo da draußen ein Musikgenie sein, das in der Lage ist mir das Mysterium dieser CD schmackhaft machen und es vielleicht sogar zu lüften so möge er oder sie sich rasch melden. Allerdings sollte er den Stimmungswechsel bei mir schnell herbeiführen, denn meine Geduld ist erschöpft.

#kathrin feichtner

INFO:

Emilie Simon
Vegetal
Barclay (Universal Music GmbH)

Tracklist:
1 alicia
2 fleur de saison
3 le vieil amant
4 sweet blossom
5 opium
6 dame de lotus
7 swimming
8 in the lake
9 rose hybride de the
10 never fall in love
11 annie
12 my old friend
13 en cendres

SN/Barclay (Universal Music GmbH)

    chris | 02.12.2006 um 13.04 Uhr
    Was hat "entrückt sein" mit Heroin, Ratten und einem Schlafplatz unter der Brücke zu tun? Und jetzt weiß ich auch woher ich den Namen kenne - die hat den Soundtrack für "Die Reise der Pinguine" geschrieben.

     

    chris | 02.12.2006 um 13.57 Uhr
    Also, was ich auf ihrer Myspace Seite so höre (hab sie schon als friend geadded) ist auf jeden Fal elektronisch und zwar sehr. Hat auch was von TripHop und der war ja immer schon eher düster und depri. Und es ist viel Experiment dabei. Ihr Papa war Toningenieur, steht auf Wikipedia. Zumindest das interesse für Sounds und Klänge dürfte er ihr in die Wiege gelegt haben. Das hör zumindest ich.

     

    genzel | 03.12.2006 um 01.12 Uhr
    Es muß nicht immer an der Musik liegen, wenn man beim Hören eines Albums überfordert ist.

    Mir scheint ein Konflikt zwischen deinen Interessen und denen von Frau Simon vorzuliegen: Sie ist an Texturen interessiert, du an Wohlklang.

     

    thea | 03.12.2006 um 08.50 Uhr
    @genzel: ja wenns um Musik geht sollt es schon klingen bei mir, sonst les ich nämlich ein Buch.
    @chris: Elektronisch ist es auf jeden Fall, experimentell ists auch, nur schlauer macht mich das auch nicht*g*

     

    genzel | 03.12.2006 um 14.19 Uhr
    Klingen tut Musik - mit der diskutierbaren Ausnahme einer konkreten John-Cage-Komposition - eigentlich immer. Aber ich versteh' das schon: Wenn ich was esse, will ich auch immer, daß es nach Schnitzel schmeckt. Ansonsten geh ich nämlich lieber Cricket spielen.

     

    chris | 08.12.2006 um 09.48 Uhr
    Hey, thea, ich hab jetzt einiges vom Fräulein Simon gehört und finds recht gut. Und sexy is das Mädl ja auch. Also wenn du das Album los werden willst, ich nehms dir gern ab. Würd mich freuen.

     

    Aphex | 26.01.2007 um 13.02 Uhr
    ich hab mir jetzt aus Interesse auch mal ein paar Sachen von Mademoiselle Simon besorgt und bin ehrlich gesagt sehr positiv überrascht, leichtfüssiger experimenteller elektro-chanson mit starken trip-hop-anleihen und french-schulmädchen-gesang. Lustig ist auch die Coverversion von Iggy Pops "I wanna be your dog". Hat was, diese Hymne in bester Game-Boy-Manier serviert zu bekommen.

    @thea: wenn du mal wirklich etwas schwerer verdauliches hören willst, dann empfehlich ich Dir meinen Namenspatron Aphex Twin, der hat schon einige zum Grübeln gebracht und ist auf jeden Fall weit undurchsichtiger als diese Platte.

     

    olafioso (anonym) | 01.12.2007 um 21.46 Uhr
    ich liebe sie

     

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