Seit Wochen liegt das Rezensionsexemplar von Vegetal von Emilie Simon bei mir am Schreibtisch, jedes Mal wenn ich reinhöre bin ich mehr verwirrt. Das hier ist der letzte verzweifelte Versuch einer Rezension.
Ich bin ratlos was dieses Album betrifft. Es handelt sich um Musik, erkennbar an klingenden Musikinstrumenten und einer sehr zarten Singstimme. Aber was sollen diese seltsam anmutenden Hintergrundgeräusche, die eher an eine zerkratze Schallplatte oder an das Getrommel eines Zweijährigen auf den Töpfen der Mutter erinnern? Problematisch werden diese Hintergrundgeräusche, wenn sie so laut werden, dass sowohl Gesang, als auch Gefiddle nicht mehr oder sehr schwer hörbar sind. So kam bereits beim ersten Titel der Verdacht auf, die CD wäre zerkratzt. Nach eingehender visueller und sensorischer Untersuchung wurde zwar das Gegenteil festgestellt, meine Ohren blieben allerdings dabei schauerliche Kratzer zu hören. Nach drei Titeln stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf und ich muss auf Pause drücken um meinen Ohren eine Erholungsphase von diesem grauen, zähflüssigen Irgendwas zu geben. Auch die viel zu zarte Stimme der Sängerin bietet hier keinen Rettungsankern. Allerdings ist diese Zartheit nicht immer von Nachteil, denn teilweise sind die Tonlagen grausam hoch und schrill. Umso verwunderliche erscheint es dann, dass sich die einzelnen Stücke klar und deutlich erkennbar von einander unterscheiden, zum einen weil manches mal auf Französisch, dann wieder auf Englisch gesungen wird. Zum anderen aber, weil die Musikanten die an diesem Album mitwirkten ihr Handwerk wirklich verstehen müssen und ihren Instrumenten beachtliche Töne entlocken. Als großer Fehler sollte sich auch herausstellen, diese Album als Hintergrundmusik der Entstehung dieser Rezension zu verwenden. Dies führte nicht nur zu fatalen Rechtschreibfehlern, sondern auch dazu, dass gerade gefasste Gedanken verschwanden und sich weigerten wieder aufzutauchen. Als nächste Schwierigkeit sollte sich die Kategorisierung des Albums erweisen, allerdings weniger in welches Umfeld es passen würde. Ein lauschiges Plätzchen unter der Brücke, ein paar Ratten als Nachbarn und eine Heroinspritze in der Armbeuge und diese Musik wäre perfekt. Denn entrückt ist diese Musikkreation auf jeden Fall. Sollte der Hörer den nicht vorhanden Beipackzettel nicht sehr genau lesen, so wird er bald tief und immer tiefer in den Sog aus Depressionen, verzerrten Welten und skurrilen Klängen entführt. Sollte also irgendwo da draußen ein Musikgenie sein, das in der Lage ist mir das Mysterium dieser CD schmackhaft machen und es vielleicht sogar zu lüften so möge er oder sie sich rasch melden. Allerdings sollte er den Stimmungswechsel bei mir schnell herbeiführen, denn meine Geduld ist erschöpft. #kathrin feichtner INFO: Emilie Simon Tracklist:
Normalerweise werden Rezensionen mit einer Zusammenfassung beendet, da in diesem Fall das Ringen um eben jene aussichtslos erscheint, soll sie am Anfang stehen. Am Anfang einer Reise durch ein Album, die irgendwann im Nirwana verschwand, allerdings ohne mich.
Vegetal
Barclay (Universal Music GmbH)
1 alicia
2 fleur de saison
3 le vieil amant
4 sweet blossom
5 opium
6 dame de lotus
7 swimming
8 in the lake
9 rose hybride de the
10 never fall in love
11 annie
12 my old friend
13 en cendres








Mir scheint ein Konflikt zwischen deinen Interessen und denen von Frau Simon vorzuliegen: Sie ist an Texturen interessiert, du an Wohlklang.
@chris: Elektronisch ist es auf jeden Fall, experimentell ists auch, nur schlauer macht mich das auch nicht*g*
@thea: wenn du mal wirklich etwas schwerer verdauliches hören willst, dann empfehlich ich Dir meinen Namenspatron Aphex Twin, der hat schon einige zum Grübeln gebracht und ist auf jeden Fall weit undurchsichtiger als diese Platte.